In Schwierigkeiten: Alexander Geilhaupt. - © SPORT
In Schwierigkeiten: Alexander Geilhaupt. | © SPORT

Bielefeld Ehemaliger Arminen-Funktionär Alexander Geilhaupt hinter Gittern

Anzeige: Alexander Geilhaupt in Süddeutschland in Untersuchungshaft. Früherem Verwaltungsratsvorsitzenden des DSC wird Betrug vorgeworfen

Bielefeld. Mit dem Spruch „Wir rocken die Rückrunde" hat Alexander Geilhaupt (45) sich im Gedächtnis vieler Arminen verewigt. Es blieb offenbar nicht das einzige falsche Versprechen. Der früherer Verwaltungsratsvorsitzende des DSC Arminia Bielefeld befindet sich in Hechingen in Untersuchungshaft. Ihm wird Betrug vorgeworfen. Der gebürtige Bielefelder war als Geschäftsführer verschiedener Firmen im Internet genannt. Bei der Staatsanwaltschaft in Hechingen liegt eine Anzeige gegen ihn vor. Daher wird dort gegen ihn ermittelt. In der Biografie auf seiner Seite „geilhaupt.com", Untertitel „Wenn der Name Programm ist", beschreibt er sich selbst: ein „deutscher Autor, Musiker, Unternehmer und ehemaliger Sportfunktionär". Im Kurzmeldungsdienst Twitter nennt er als Selbstbeschreibung „Freiheitskämpfer, Antifeminist, Womanizer". Um den Jahreswechsel 2015/2016 taucht sein Name in Warnhinweisen im Internet auf. Er wird dort beispielsweise als Geschäftsführer der Seite „konsolenparadies.de" genannt, die ihren Hauptsitz in Madrid, einen Nebensitz in Berlin haben sollte. Nach Spanien wurde bei Vorkasse das Geld der Kunden überwiesen. Einige beklagten sich hinterher, keine der günstig angebotenen Spielekonsolen erhalten zu haben. Aus den Berichten von Opfern lässt sich nicht herauslesen, ob Geilhaupt Täter oder selbst mit der Nennung seines Namens unwissend zum Opfer von Betrügern wurde. Die betreffenden Internetseiten sind abgeschaltet worden. Der Leitende Oberstaatsanwalt Jens Gruhl hat als Sprecher der Staatsanwaltschaft Hechingen bestätigt, dass Geilhaupt am Montag, 20. Februar, in Bayreuth festgenommen wurde. Nach Aktenlage habe er gegenwärtig keinen festen Wohnsitz. Von Bayern soll er zur Untersuchungshaft in die Außenstelle Hechingen der Justizvollzugsanstalt Rottweil nach Baden-Württemberg überstellt werden. Geilhaupt war eine schillernde Figur in der unruhigen Phase nach dem Abstieg des DSC aus der Bundesliga 2009. Der Arminia drohte das Geld auszugehen. Insolvenzgerüchte machten die Runde. Da meldete sich Geilhaupt, damals geschäftsführender Gesellschafter einer Software-Firma in Berlin – ein Exil-Bielefelder, wie er sich selbst bezeichnete –, als Fürsprecher der Idee eines Treuhandkontos, mit dem sich die Einzahler an einer Stadiongesellschaft beteiligen sollten. Daraus wurde der Verein „Fußball ist Fansache". Geilhaupt wurde im September 2010 dessen Vorsitzender. Sein Stellvertreter war der heutige Arminia-Präsident Hans-Jürgen Laufer. Schillernde Figur in unruhiger Zeit nach dem Erstligaabstieg In den folgenden Monaten eskalierte eine Auseinandersetzung zwischen Verwaltungsrat und Präsidium. Im Zentrum der Auseinandersetzung standen neben Geilhaupt auf der einen Seite der damalige Präsident Wolfgang Brinkmann (Stadtwerke), der DSC-Geschäftsführer Ralf Schnitzmeier und der Aufsichtsratsvorsitzende Dirk U. Hindrichs (Schüco). Im Januar 2011 gab es einen Antrag, Geilhaupt aus dem Verein auszuschließen. Im April bestätigte Schnitzmeier in einer Stellungsnahme des Vereins, dass Geilhaupt Probleme mit dem Finanzamt habe. Es gebe eine Pfändungsanzeige. Der habe Geilhaupt widersprochen. Im September 2011 änderten die Arminen ihre Satzung. Aus dem Verwaltungsrat wurde der Wirtschaftsrat. Geilhaupt wurde abgewählt. Jahre später taucht er in einem ganz anderen Zusammenhang wieder in der Öffentlichkeit auf. 2014 startet er mit anderen eine Petition zur Aberkennung des Bundesverdienstkreuzes von Alice Schwarzer, wird dabei als „Netzaktivist" genannt. Er meldet sich in Nutzerforen der Berliner „Tageszeitung" (TAZ) und beim Onlineauftritt des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel" zu Wort, dort unter anderem als Kritiker des Forschungsprogramms zu einem Sicherheitssystem, bei dem Überwachungsdaten aus verschiedenen Quellen miteinander verknüpft werden sollen (Indect). Es soll der vorbeugenden Kriminalitätsbekämpfung dienen.

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