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Eine Moschee in der Dämmerung. - © dpa
Eine Moschee in der Dämmerung. | © dpa

Bielefeld Politisch geprägter Islam gärt in Bielefeld unter der Oberfläche

Ansgar Mönter
25.02.2017 | Stand 24.02.2017, 21:23 Uhr

Bielefeld. Unterhalb der öffentlichen Wahrnehmungsschwelle regt sich die Szene des politisch geprägten Islams in der Stadt, der sich im Extremfall militant islamistisch oder salafistisch zeigen kann. Die Aktivitäten spielen sich auf mehreren Ebenen ab: POLITISCHE PARTEI Im Februar ist ein Kreisverband der in Köln vor Jahren gegründeten Partei "Bündnis Innovation & Gerechtigkeit", kurz BIG, gewählt worden. Bei der Versammlung in einem Imbiss zu Gast war Erhat Toka, BIG-Aktivist aus Osnabrück. Der Kampfsportschulenbetreiber mit Salafistenbart ist deutschlandweit bekannt geworden durch seinen "Hassprediger-Streit" mit Kabarettist Dieter Nuhr. Toka werden salafistische Aktivitäten nachgesagt. Seine Anwesenheit zeige, wohin die Partei tendiert, sagt Birgit Ebel von der Anti-Salafismus-Initiative "extrem dagegen". "Die Partei steht für politischen Islam und ist damit absolut integrationsschädlich." Erhat Toka gibt auf Facebook freimütig seine Einstellungen preis. Muslime sieht er vor allem als Opfer. Und: Israel müsse verschwinden. BIG selbst bezeichnet sich als "politisch neutral und offen für alle Religionen". Der Bielefelder Integrationsratsvorsitzende Mehmet Ali Ölmez hält sie mindestens für "islamisch-konservativ geprägt". BIG wirbt für Erdogans Linie und sucht die Nähe zum türkischen Religionsverband Ditib, der wegen einer Spitzelaffäre für Erdogan ins Visier des deutschen Staates geriet. Islamistische Tendenzen innerhalb der BIG-Partei kann sich Cemil Sahinöz, Sprecher des "Bündnis Islamischer Gemeinden" ebenfalls kurz BIG, nicht vorstellen.  Sahinöz ist mit einem Aktivisten von BIG in Bielefeld befreundet - über Facebook. Die Namensgleichheit von Partei und eigener Organisation stört ihn aber deutlich. "Wir müssen nun sehen, wie wir die Verwechslung unterbinden können." INTERNET Auf Facebook ist "Ansaar International Bielefeld", eine vom Verfassungsschutz beobachtete islamistische Hilfsorganisation, rege aktiv. Kopf ist "Bruder Kabil". Zwei Einträge deuten an, worum es neben Spendensammlungen noch geht. Er schrieb 2016: ,,...Es bringt nichts für den Muslim, wenn es kein Israel mehr gibt, solange der Muslim den Juden in sich nicht tötet..." Außerdem: "Bald werden die hier lebenden Türken mit deutschem Pass, ihr eigenes Land auf deutschem Boden haben wollen. Entweder gibt die deutsche Regierung es freiwillig oder die Türken mit deutschem Pass verüben Anschläge auf Regierungsgebäude, Polizisten und das ... Militär. Sie werden Schützengräben um einige Städte ... ausgraben und auf alles schießen was nicht zu ihnen gehört..." ISLAMISTISCHE WERBER Islamisten in Bielefeld werben junge Menschen an. Mehrere arabische Familien sollen beteiligt sein an einem Fall mit einer jungen Frau, der derzeit die Polizei beschäftigt. Die junge Erwachsene wurde indoktriniert und ins Ausland gelockt. Details des Falls müssen noch geheim bleiben. GÜLEN-SEKTE Bei den Bielefelder Aktionswochen zum Thema Rassismus im März geht es am 16. März beim "Impuls-Bildungsforum" an der Renteistraße um "Frauen im IS". Es referiert Sevdanur Özan. Die Rednerin steht der Gülen-Bewegung nahe, die von der Turkologin Ursula Spuler-Stegemann so eingeordnet wird: "Diese Sorte Islam zeigt sich nach außen weltoffen. Sie ist aber schariakonform. Es handelt sich um ein in sich geschlossenes System, das dem einer Sekte sehr nahe kommt." Islamismus-Expertin Ebel findet es "total absurd", dass eine Anhängerin einer "gefährlichen Sekte" über Extremismus spricht. Impuls hatte sich laut Integrationszentrums der Stadt nach dem Aufruf an Migrantenorganisationen, sich an der Reihe zu beteiligen, mit dieser Veranstaltung gemeldet. Die Sache hat für Diskussionen gesorgt, wird aber als "Okay" hingenommen.

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