Ein großer Bielefelder: Der leidenschaftliche Geflügelzüchter Wilfried Detering ist im Alter von 77 Jahren gestorben. - © SANDRA SANCHEZ
Ein großer Bielefelder: Der leidenschaftliche Geflügelzüchter Wilfried Detering ist im Alter von 77 Jahren gestorben. | © SANDRA SANCHEZ

Bielefeld Wilfried Detering lebte für die Geflügelzucht

Er ist Träger des Bundesverdienstkreuzes - und weltweit bekannter Experte

Kurt Ehmke

Bielefeld. Dass ein Geflügelzüchter zu den bekanntesten Menschen einer Großstadt gehört, ist ungewöhnlich. Wilfried Detering war ungewöhnlich. Nun ist er nach schwerer langer Krankheit gestorben. 77 Jahre alt wurde der in Hillegossen geborene Mann, der von einigen liebevoll und anerkennend "Chicken Willy" genannt wurde. Dieser englische Spitzname deutet auf sein Wirken: Wilfried Detering war jahrzehntelang ein Züchter, der weit über Bielefeld hinaus wirkte - es ist nicht übertrieben zu sagen, dass er weltweit wirkte. Welcher Bielefelder trifft schon persönlich Prinz Charles? Ihm, dem zuchtinteressierten britischen Thronfolger, überreichte Detering in einer einstündigen Audienz eine Partnerschaftsmedaille. Wer Wilfried Detering kennenlernen durfte, weiß, dass er einen humorvollen und außergewöhnlich leidenschaftlichen Bezug zu seinem Hobby hatte. Und das war ansteckend: Viele Journalisten kamen zurück in die Redaktion nach einem Termin mit ihm; vorher fragten sie sich, ob denn ein Geflügelzuchttermin für sie das Richtige sei, nachher sprudelten sie über von den gewonnenen Eindrücken. Detering, verheirateter Vater dreier Kinder, hatte die besondere Gabe, sein Hobby ernst zu nehmen, aber nicht zu ernst. Natürlich, das war klar, gehörten zur Geflügelzucht auch die Hühnersuppe und der leckere Braten. Gute Rezepte gab er gerne preis. Leidenschaft steckt an: Der Stadtverband der Rassegeflügelzüchter mit seinen in Hochphasen weit mehr als 500 Mitgliedern konnte sich gut 40 Jahre lang über die ansteckende Kraft des Vorsitzenden Detering freuen und wählte ihn 2015 zum Ehrenvorsitzenden. Das aber war nur die Bielefelder Krönung seiner Karriere, die ihn vom kleinen, Geflügel züchtenden Jungen zum Preisrichter, Experten und sogar Entwicklungshelfer in fast jedes Land Europas und auch die USA, Südamerika, Asien und Afrika reisen ließ. In die damalige DDR hielt er ebenfalls intensive Kontakte (inklusive hineingeschmuggelter Tiere) - die Zucht war ihm eben ein grenz- und systemüberschreitendes Hobby. Mit Cornwall begründete er 1971 eine Züchter-Partnerschaft. Überall fanden Menschen positive Worte über Wilfried Detering - so wurde ihm folgerichtig auch das Bundesverdienstkreuz verliehen. Vielleicht aber noch mehr war es ihm wert, dass er über Jahrzehnte als Koryphäe sein Wissen weitergeben konnte. Natürlich schrieb er Bücher. Viele Bücher. Eine Folge: In Bussen fuhren teilweise Gruppen vor, die das Hobby mit ihm teilten und sich von ihm wertvolle Tipps in der Zucht erwarteten. Fast schon logische Folge dieses Andrangs im Hause Detering war denn auch, dass Wilfried Detering hier ein kleines Hühnermuseum einrichtete. Kam er erst einmal ins Schwärmen, gab es kein Halten mehr. Mit acht Jahren war er den Hillegosser Züchtern beigetreten; in der Zuchtgemeinschaft "Detering und Sohn" räumte er Preise, Medaillen und Pokale ab wie kein zweiter Bielefelder. Erfolge feierte er mit "Deutschen Schautauben", "schwarz-weiß gestreiften Zwerg-Plymouth-Rocks" und "Silberbrakeln" - später dann wurden seine besonderen Farbschläge der "Modernen Englischen Zwergkämpfer" weltweit gefeiert. Mit Wilfried Detering hat Bielefeld einen seiner ganz besonderen Bürger verloren.

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