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Aufklärung in lockerer Atmosphäre: Daniela Colazzo-Quakernack von der Aids-Hilfe Bielefeld spricht mit zwei Flüchtlingskindern über die weiblichen Geschlechtsorgane. - © Andreas Zobe
Aufklärung in lockerer Atmosphäre: Daniela Colazzo-Quakernack von der Aids-Hilfe Bielefeld spricht mit zwei Flüchtlingskindern über die weiblichen Geschlechtsorgane. | © Andreas Zobe

Bielefeld Sexualpädagogik für junge Flüchtlinge

Aids-Hilfe und Partner klären 13- bis 20-Jährige biologisch, sozial und gesellschaftlich auf. Es geht auch um Normen, Werte, Selbstbestimmung und den gleichberechtigten Umgang zwischen Frau und Mann

Ansgar Mönter
26.01.2017 | Stand 25.01.2017, 21:36 Uhr

Bielefeld. Loma kommt aus dem Irak. Seit einem Jahr lebt sie in Bielefeld. Ihre Eltern sind noch in Griechenland. Sie ist 14 Jahre alt und damit in einer besonderen Lebensphase - dem Übergang vom Mädchen zur Frau. Und dazu lebt sie noch in einer ihr bisher weitgehend fremden Kultur. Loma ist genau die, an die sich ein neues Angebot in Bielefeld richtet: Sexualpädagogik und Aids-Prävention für junge Flüchtlinge. Loma hat bei einem Workshop bei der Aids-Hilfe am Ehlentruper Weg teilgenommen. Sie lacht auf Nachfrage viel und erklärt sehr souverän, was sie alles erfahren hat. "Es hat mir sehr gut gefallen", sagt sie. Neben Loma sitzt Miran, ein 15-jähriger Junge aus dem Irak. Miran ist etwas wortkarger, aber auch er hat profitiert von dem Kursus. Das Zusammenleben von Frau und Mann, Gleichberechtigung, Selbstbestimmung über den eigenen Körper, Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Partner, Verhütung und Aufklärung: Für viele jugendliche Flüchtlinge gibt es auf diesem Gebiet Bedarf an Informationen. Das liegt unter anderem an den Kulturen ihrer Herkunftsländer. In arabischen Gesellschaften ist Sexualität meist stark tabuisiert, in den Familien, den Schulen, dem Großteil der Gesellschaft. Das trifft nicht auf alle zu, aber auf überdurchschnittlich viele. Aids-Hilfe, AWO, Pro Familia, die schwul-lesbische Aufklärungsgruppe "Schlau NRW" und die Stadt Bielefeld haben das erkannt. Zusammen bieten sie die Workshops für diese Zielgruppe, ebenso Fortbildungen für ehrenamtliche und hauptamtliche Flüchtlingshelfer an. "Bei uns können die Teilnehmer Fragen stellen, die sie sich sonst nicht trauen zu stellen", erklärt Daniela Colazzo-Quakernack von der Aids-Hilfe. In Workshops von vier bis zehn Teilnehmern wird über alles gesprochen, was zum Thema Liebe und Sexualität wichtig ist. Spielerisch und ungezwungen sollen die Termine sein. Die Veranstalter sind mit den Clearinghäusern in Kontakt, ebenso mit dem Mädchenhaus. Dort werden unbegleitete minderjährige Flüchtlinge betreut. Auch Schulen oder andere Unterkünfte können die Workshops und Fortbildungen buchen. "Sexualität und die Fragen, wie Mann und Frau miteinander umgehen sollten sind auch Teil der Integrationskurse der Stadt", sagt Sozialdezernent Ingo Nürnberger. Dieses Thema ist deshalb relevant, weil eine große Zahl der angekommenen Flüchtlinge alleinstehende Männer sind, die aus Kulturen kommen, in denen Frauen gesellschaftlich meist eine für deutsche Verhältnisse untergeordnete Rolle spielen und Ehen in der Regel arrangiert werden. Nun müssen sie sich hier zurechtfinden in einer Gesellschaft, die bestimmte Normen und Verhaltensweisen bei Liebe und Partnerschaft erwartet. Aufklärung und Information sollen den jungen Flüchtlingen helfen und auch Konflikte vorbeugen.

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