Ein positives Beispiel: Das Konzert der Philharmoniker mit dem Titel „Manche mögen’s heiß" füllte im Juli den Kesselbrink und sorgte für gute Stimmung. - © Andreas Frücht
Ein positives Beispiel: Das Konzert der Philharmoniker mit dem Titel „Manche mögen’s heiß" füllte im Juli den Kesselbrink und sorgte für gute Stimmung. | © Andreas Frücht

Bielefeld Jetzt soll Kultur den Kesselbrink beleben

Nach Markt-Beschluss bleiben viele Fragen. Kulturamt soll Bielefeld Marketing bei Organisation der Veranstaltungen ablösen. Japanisches Restaurant Noori will Mitte Februar im Würfel eröffnen

Joachim Uthmann

Bielefeld. Was wird aus dem Kesselbrink? Das Konzept mit dem Wochenmarkt ist in der Woche gescheitert, nur samstags soll er bleiben. Die Sicherheitslage erforderte 2016 Razzien von Polizei und Kontrollen des Ordnungsamts. Neue Spiel- und Sportgeräte lassen auf sich warten. Für Veranstaltungen ist es im Winter zu kalt. Vor einem Jahr setzte Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) eine Arbeitsgruppe ein, um Leben auf den Platz zu bringen. Eine erste Bilanz zeigt Licht und Schatten: Wochenmarkt Samstags sind die Händler zufrieden. Gut 40 Stände verkaufen auf dem 2012 für 12,4 Millionen Euro neu gestalteten zentralen Platz. Doch dienstags und donnerstags bröckelte es immer mehr. Derzeit verlieren sich zwei bis vier Stände auf der großen Pflasterfläche. Die Bezirksvertretung Mitte hat jetzt den Wechsel in die Altstadt beschlossen. Die Markttage auf dem Kesselbrink sollen ausgesetzt werden. Die Händler dort haben aber kein großes Interesse am Umzug. Auch rechtlich ist die Aufgabe des Dienstags- und Donnerstagsmarktes noch ungeklärt. Selbst mit wenig Ständen brachte er doch Menschen auf den Platz. Veranstaltungen Welches Potenzial der Kesselbrink für Veranstaltungen bietet, zeigten das Konzert der Philharmoniker im Juli mit 8.000 Zuhörern oder die Events der Skater- und BMX-Szene wie der City Jam. Die Bielefeld Marketing GmbH sollte weiter das Programm für den Kesselbrink organisieren. Doch Geschäftsführer Martin Knabenreich erklärt, dass der Aufwand etwa bei der erforderlichen Suche nach Sponsoren für sein kleines Team zu groß sei. Das Konzept solle aber weitergeführt werden - künftig vom Kulturamt. Doch das stecke dabei "noch in den Anfängen", sagt Leiterin Brigitte Brand. Vieles wie die Finanzen sei ungeklärt. Ziel sei es aber, ein ähnliches Programm wie 2016 auf die Beine zu stellen: "Gern auch mehr." Aber dafür seien Ideen und Geldgeber gefragt. Das Kulturamt ist zudem im Sommer durch andere Großveranstaltungen wie Tanzfestival und Wackelpeter stark gebunden. Grüner Würfel Seit zwei Jahren stehen die drei Etagen leer, nachdem das Agora gescheitert war. Die Wohnungsgesellschaft BGW, die den Würfel errichtete, setzt jetzt auf die japanische Restaurant-Kette Noori, die bereits in Essen, Moers, Mönchengladbach und Düsseldorf vertreten ist. Betreiber Dalei Jin geht davon aus, Mitte Februar eröffnen zu können. Die Räume seien neu gestrichen, der Pizzaofen in der Küche durch Grillplatten ersetzt. Jetzt wartet Jin auf Mobiliar und Abnahme - und hofft auf Gäste. Spiel und Sport Die vorbildliche BMX- und Skateranlage bringt viele junge Menschen auf den Kesselbrink. Mitinitiator Benni Kopp hat es geschafft, Szene auf den Platz zu holen. Trotzdem gab es Probleme mit Bäumen, Schmutz und fehlender Absperrung. Erst in diesem Jahr wird endlich das feste Geländer den provisorischen Bauzaun ablösen. Insgesamt sollen rund 700.000 Euro in eine Aufwertung des Platzes vor allem zur Friedrich-Verleger-Straße hin gesteckt werden. Multispielgeräte für Kinder, Calisthenics-Anlage für Open-Air-Kraftsport und Boulefeld sind geplant. Nach langen Abstimmungen mit den Landschaftsarchitekten Lützow 7 rechnet Jürgen Bültmann vom Immobilienservicebetrieb 2017 mit der Umsetzung. Sicherheit, Müll, Lärm Mit den neuen Angeboten und mehr Veranstaltungen könnten verstärkt junge Menschen und Familien auf den Platz kommen - und die soziale Kontrolle erhöhen. Das versprechen sich die Beteiligten. Ob es klappt, muss sich zeigen. 2016 waren die Sicherheitsprobleme so groß, dass die Behörden Razzien durchführten. Ordnungsamt und Stadtwache stockten Kräfte zur Überwachung auf, ein Sozialarbeiter kümmert sich vor Ort. Nach Einschätzung von Beobachtern wirken die Eingriffe zum Teil, Drogen- und Alkoholszenen ziehen weiter, teils an die Tüte. Die Lage bleibt angespannt. Auch das Sauberhalten des Platzes erfordert viel Aufwand. Nächtlicher Lärm stört Anwohner. Kompetenzen So schwer es ist, den großen Platz zu bespielen, so kompliziert sind auch die Zuständigkeiten. Verschiedene Ämter und Eigenbetriebe mischen mit, die Verantwortung ist teils unübersichtlich. Dass die Organisation der Veranstaltungen schon wieder wechseln soll, passt da ins Bild. Und die Politiker streiten um Kompetenzen. Wie weit darf die Bezirksvertretung mitreden? 2016 schlug die Verwaltung vor, die Hauptsatzung zugunsten des Rates zu ändern. Doch noch liegt die Entscheidung auf Eis. Die Bezirksvertretung Mitte lehnte den Vorstoß ab, jetzt berät der Hauptausschuss am 2. Februar darüber. Der Arbeitskreis, den der OB eingesetzt hat, lässt jetzt Aufträge abarbeiten, so Büroleiterin Frauke Ley. Der Oberbürgermeister sei eher hoffnungsvoll und gehe davon aus, dass sich alles "zum Positiven wendet".

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