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Im Visier: Luchse wurden in den Vorjahren in OWL gesichtet. - © Symbolbild: dpa
Im Visier: Luchse wurden in den Vorjahren in OWL gesichtet. | © Symbolbild: dpa

Bielefeld Reh in Bielefeld gerissen und gefressen: Wolf, Luchs oder Hunde als "Täter"?

Stadt stellt nach Fund in der Nähe der Autobahn A2 Wildkamera auf

Dennis Rother
23.01.2017 | Stand 23.01.2017, 16:49 Uhr

Bielefeld. Ein gerissenes Reh sorgt für Aufregung. Der Kadaver ist am Freitag in Bielefeld gefunden worden. Eher ungewöhnlich: Der Kadaver war bereits zu einem Drittel aufgefressen. Die Innereien und auch eine Keule des Rehs seien laut Herbert Linnemann, Chef der hiesigen Forsten, zum Zeitpunkt des Fundes bereits weg gewesen. Die Frage ist: Kann das ein Wolf gewesen sein? Der war schließlich mutmaßlich jüngst in Heepen gesichtet worden. Video-Aufnahmen einer am Fundort installierten Wildkamera - eine Art spezieller Bewegungsmelder - sollen nun Aufschluss geben. Es gibt Spuren, bis die ausgewertet sind, werde es aber noch dauern. Eher zufällig hatte ein Spaziergänger das vermeintlich kurz zuvor erst verendete Tier im Teutoburger Wald in der Nähe der Autobahn A 2 entdeckt. Der Mann rief die Polizei, die wiederum einen städtischen Forsttechniker holte. Nach dem Inspizieren des Kadavers stellte die Stadt dann eine Kamera auf, das tote Tier ließen die Fortexperten liegen. "Bislang gibt es aber keine neuen Erkenntnisse", sagten Herbert Linnemann und seine Mitarbeiterin Dörte Güth am Montag. Laut Güth könnte das Reh auch zuvor schon angefahren worden sein. Herbert Linnemann sagt, dass es höchstunwahrscheinlich ist, dass ein Wolf das Reh gerissen hat. Das habe ein Forsttechniker bestätigt. Wölfe kämen etwa zur Beute zurück, nun seien aber einige Tage vergangen. Hunde stünden eher im Fokus. "Das wäre auch kein Einzelfall", so Linnemann. Ein regionaler Wolfsbeauftragter werde aber noch kontaktiert. Tierarzt Martin Schilling, der auch als Dozent an der Hundeakademie OWL tätig ist, tippt indes eher auf einen freilaufenden Luchs als "Täter" - oder tatsächlich einen Wolf. Reißen würden beide Tierarten, fressen auch. "Allerdings verstecken Luchse ihre Beute, lassen sie nicht offen liegen", so Schilling. Waschbären oder Füchse könnten ausgewachsene Rehe nicht jagen, weil sie schlicht zu schnell sind, so Schilling weiter. Luchse wurden in den vergangenen Jahren etliche Male in Ostwestfalen gesichtet, haben im Kreis Lippe auch schon Schafe gerissen. Experten vermuteten, dass die Tiere aus dem Harz zugewandert seien. Dort würden Luchse ausgewildert, sie sollen wieder heimisch werden. Rehe gehören zu ihrer Hauptnahrung. Rund 30 Kilo wiegen die rund 1,20 Meter langen Großkatzen. In Gefangenschaft werden sie um die 20 Jahre alt. Haushunde kämen laut Martin Schilling im Fall des gerissenen und gefressenen Rehs "nur theoretisch in Betracht", so Schilling weiter, "zumal sie Stunden für das Fressen benötigen würden". Es bräuchte dafür einen herrenlosen Hund, eigentlich sogar mehrere. Die gebe es in Bielefeld nicht. Volker Thorn, seit 1975 Hunde-Ausbilder und unter anderem in der Hundeschule Hof Niedergassel tätig, hat nach eigener Aussage noch nie erlebt, dass ein Haushund so etwas gemacht hat. "Er müsste extrem ausgehungert sein. Das wäre außergewöhnlich", so Thorn. Das bestätigt Jürgen Tuxhorn, ebenfalls langjähriger Hunde-Coach. "Hunde reißen zwar, besonders die, die aus südlichen Ländern stammen. Aber in diesem speziellen Fall würde ich auch auf einen Luchs tippen." Auch Bielefelds Veterinäramt ist eingeschaltet. Dessen Leiter Hans-Helmut Jostmeyer vermutet nach Rücksprache mit dem zuständigen Kollegen, dass zunächst ein freilaufender Hund das Tier gerissen hat und dann etwa Füchse sich über den Kadaver hergemacht haben. Ob das Reh unmittelbar vor dem Fund durch den Spaziergänger oder bereits Tage zuvor getötet wurde, sei wegen der aktuellen Witterung nicht mehr festzustellen. "Frost konserviert nämlich", so Jostmeyer. Füchse sind derzeit laut Jostmeyer auf Nahrungssuche, tote, wenn auch angefrorene Rehe, die würden sie durchaus nehmen. Eine Kamera aufzustellen, um der Sache auf den Grund zu gehen, hält Jostmeyer für richtig. So könne es letztlich Klarheit geben.

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