Ein Team, das Obdachlosen hilft: Marc Korbmacher (Diakonie, v. l.), Maike Schömann und Marcel Szelinski (beide "soziallokal), Josefine Georgi (Bahnhofsmission), Tabea Meierjohann ("soziallokal") und Ilja Meyer-Molnar (Fotograf und einer der Förderer). - © Wolfgang Rudolf
Ein Team, das Obdachlosen hilft: Marc Korbmacher (Diakonie, v. l.), Maike Schömann und Marcel Szelinski (beide "soziallokal), Josefine Georgi (Bahnhofsmission), Tabea Meierjohann ("soziallokal") und Ilja Meyer-Molnar (Fotograf und einer der Förderer). | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Studenteninitiative Soziallokal sammelt 5.000 Euro für Obdachlose

An einem Spendentag und während eines Herbstfestes wurden gut 5.000 Euro eingespielt und jetzt der Bahnhofsmission überreicht

Bielefeld. Menschen sind oft auch Zahlen. Da mit Zahlen nur zu gerne Politik gemacht wird, drohen die Menschen hinter den Zahlen gerne ins Abseits gedrängt zu werden. Ein Verdacht, der sich bei Obdachlosen geradezu aufdrängt - welche Stadt hat schon gerne hohe Zahlen an Menschen, für die sie nicht einmal einen Schlafplatz anbieten kann? Die Stadt Bielefeld hatte erst im August gemeldet, sie gehe von 110 Obdachlosen aus, 78 von ihnen erhielten aber Betten in Notunterkünften. Ganz anders die Zahl, die gestern Marc Korbmacher von der Diakonie angibt: "Ich gehe von 200 bis 300 Menschen aus, die wirklich auf der Straße leben." Trotz der Diskrepanz stellt er aber klar: "Ich unterstelle der Stadt keineswegs geschönte Zahlen - es ist vielmehr eine Frage, wer sich wo meldet und wer wie erfasst wird." Korbmacher: "Bielefeld gehört zu den Städten, die am transparentesten über soziale Lagen berichtet." Josefine Georgi, hauptamtliche Beschäftigte in der Bahnhofsmission, berichtet davon, dass sich derzeit gut 500 Menschen beim zuständigen Sozialdienst Bethel wohnungslos gemeldet hätten, "und von ihnen ist tatsächlich ein großer Teil obdachlos". Da Georgi und Korbmacher hinter den Zahlen die Menschen sehen, freuen sie sich vor allem über Unterstützung im Ringen darum, den Obdachlosen in ihrer Situation ein wenig helfen zu können. Und so sind sie der 2013 gegründeten studentischen Initiative "soziallokal" dankbar für eine Spende in Höhe von 5.027,30 Euro. Die erhielten sie jetzt für die Ausgabe sogenannter Platte-Sets. Zu diesen Sets, die einen Gegenwert von 200 Euro haben, gehören eine Isomatte, ein Gas-Kocher, ein Schlafsack und wärmende Kleidungsstücke. Bisher wurden sie komplett ausgegeben, wenn ein Obdachloser vom Sozialdienst den Bedarf bestätigt bekommen hatte - zukünftig "aber wollen wir das herausgeben, was tatsächlich benötigt wird", sagt Korbmacher. Die Studenten, die ab Januar als Verein mit etwa zehn Mitgliedern auftreten wollen, freuen sich, wieder einmal ein Projekt gefunden zu haben, "das lokal, konkret und nachhaltig ist", wie es Maike Schömann nennt - und damit auch die Förderkriterien wiedergibt. Das Geld kommt jedes Jahr an zwei Spendentagen zusammen, dieses Mal wurde einer dieser Tage durch ein Fest ersetzt. Hier wurden Arminia-Trikots versteigert. Partner von "soziallokal" sind etwa 20 Unternehmer, die am Spendentag entweder zehn Prozent einer Tageseinnahme spenden - oder einen fest definierten Betrag an "soziallokal" geben. www.soziallokal.de

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