Gehen bald alle Geschlechter auf ein Uni-Örtchen? Noch sind „All-Gender-Klos" nur ein Wunsch der Studentenvertretung. - © Oliver Krato
Gehen bald alle Geschlechter auf ein Uni-Örtchen? Noch sind „All-Gender-Klos" nur ein Wunsch der Studentenvertretung. | © Oliver Krato

Bielefeld Unisex-Toiletten mit Frauen-Urinalen an der Uni Bielefeld gefordert

Der "Allgemeine Studierendenausschuss" will die stillen Örtchen für Frau oder Mann umrüsten lassen zu "All Gender"-Klos mit Urinella für "Menschen mit weiblichem Geschlechtsteil"

Ansgar Mönter
23.11.2016 | Stand 23.11.2016, 08:55 Uhr

Bielefeld. Die neue Studentenvertretung der Universität Bielefeld will viele Toiletten in der Hochschule umfunktionieren lassen. Ein erheblicher Teil der Örtchen an präsenten Stellen soll für „All Gender" zugänglich sein, also für jeden, ob Mann oder Frau oder Menschen, die sich weder als Mann oder Frau fühlen. „Das ist als Vorhaben angedacht", bestätigt Sami Maztoul. Der 38-jährige Lehramtsstudent hat mit Viktoria Haß den Vorsitz des „Allgemeinen Studierendenausschusses" (Asta). Monate hat das so genannte Studierendenparlament (Stupa) nach der Wahl mit einer Beteiligung von etwa 9,5 Prozent der Studenten gebraucht, um den Asta zu bilden. Elf linksgerichtete Listen haben sich nun zusammengefunden. All-Gender-Toiletten sind das erste neue Projekt des Asta – zum Entsetzen der Stupa-Opposition. Für Florian Grün vom CDU-nahen Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) sind Unisex-Toiletten blanker Unsinn. Besser wäre es nach seiner Ansicht, wenn sich der Asta „um relevante Fragestellungen des studentischen Zusammenlebens" kümmern würde. Er bezeichnet das Vorhaben als „Eingriff in die Privatsphäre". Der RCDS wäre einverstanden, wenn ein oder zwei Toiletten dafür bereitstehen würden, keinesfalls aber auf allen Fluren und in allen Gebäudeteilen, wie es der Asta fordere. Der neue Asta-Vorsitzende wundert sich über die Aussage des RCDS. „Ich weiß nicht, warum die sich gerade das rauspicken", sagt er. Schließlich würde sich der Asta parallel um viele andere Themen kümmern wie Wohnen, Beratung oder Radreparaturen. Außerdem sollen nicht alle Toiletten umfunktioniert werden. Männer- oder Frauen-Klos würde es weiterhin geben. Maztoul erklärt das Ansinnen damit, dass es Studenten gäbe, die sich nicht eindeutig einem der beiden Geschlechter zuordnen wollten. Demnächst werde es dazu eine Aufklärungsveranstaltung geben mit dem Titel „Gesellschaft macht Geschlecht". Maztoul kann sich gut vorstellen, dass All-Gender-Toiletten demnächst mit der so genannten Urinella ausgestattet werden. Das seien Urinierhilfen für „Menschen mit weiblichem Geschlechtsteil". Die ermöglichen die Erledigung des Geschäfts im Stehen. Für Grün vom RCDS ist das alles ein weiteres Zeichen dafür, „dass die linken Listen ihrer eigenen Politik überdrüssig geworden sind". Ähnlich sieht es die Liberale Hochschulgruppe (LHG). „Offensichtlich wird mit linker Klientelpolitik weitergemacht wie bisher, anstatt einmal wirklich etwas für die Studierenden zu tun", sagt dessen Vorsitzender Florian Kluge. Die LHG geißelt zudem die Beteiligung von „linksradikalen Gruppen". Dem 43. Asta der Uni ficht die Kritik nicht an. Er kündigt eine zweigleisige Strategie an: Zum einen wie gehabt Beratungen und Angebote für Studenten; zum anderen das Anliegen, „Studierende für bestimmte gesellschaftliche Mechanismen zu sensibilisieren". Schließlich seien Diskriminierung unter anderem aufgrund „des Geschlechts, die Personen häufig nur von außen zugeschrieben werden, leider Alltag", so der Asta wörtlich. Wie viele der 24.000 Studenten an der Uni angeblich diese Erfahrung machen, weiß die Studentenvertretung nicht.

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