Hat?s geschafft: Katharina Calmer (Mitte) hat eine Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe gemacht. Dafür wurde sie ausgezeichnet - zur Freude von Lehrerin Angelika Kettmann und Martin Koch, stellvertretender Schulleiter am Kerschensteiner Berufskolleg. - © Christian Weische
Hat?s geschafft: Katharina Calmer (Mitte) hat eine Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe gemacht. Dafür wurde sie ausgezeichnet - zur Freude von Lehrerin Angelika Kettmann und Martin Koch, stellvertretender Schulleiter am Kerschensteiner Berufskolleg. | © Christian Weische

Bielefeld Katharina Calmer ist trotz Epilepsie einer der besten Lehrlinge in OWL

Erfolgreich nach der Förderschule

Bielefeld. Stillstand kennt Katharina Calmer nicht. Bei ihr muss es vorwärts gehen. "Wenn man einmal am Boden war, weiß man die guten Tage zu schätzen", sagt sie. Die 23-Jährige gehört zu den landesbesten Auszubildenden im Gastgewerbe, am Freitag ist sie in Düsseldorf geehrt worden. Dabei schien ihr Weg zunächst in eine ganz andere Richtung zu laufen. "Man wollte mich in eine Behindertenwerkstatt stecken", sagt Calmer. Als Kindergartenkind hatte sie ihren ersten epileptischen Anfall. Erinnern kann sie sich an diese Zeit nicht mehr, weiß aber, dass sie später in der Grundschule Probleme hatte. "Ich war oft im Krankenhaus, habe viel Stoff verpasst", erzählt sie. Das warf sie zurück. Eine Klasse musste sie wiederholen, nach der zweiten kam sie auf eine Förderschule. "Ich kam gut mit, habe aber lange gebraucht, um Lesen und Schreiben zu lernen." Hinzu kamen die epileptischen Anfälle, die sie immer wieder aus der Bahn warfen. 2010 machte Katharina Calmer ihren Förderschulabschluss. Nur weil sich ihre Eltern so für sie einsetzten, konnte sie ein Jahr lang an einer Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme im Berufsbildungswerk Bethel teilnehmen, eine Art Langzeit-Praktikum mit schulischer Ausbildung, erklärt sie. Ein Jahr später begann sie dann mit ihrer Ausbildung zur Helferin im Gastgewerbe, ebenfalls beim Berufsbildungswerk. Nach vier Monaten aber musste sie abbrechen, weil es ihr gesundheitlich immer schlechter ging. Aber Calmer stand wieder auf. Ihr Zustand stabilisierte sich, im Sommer 2012 konnte sie erneut mit der Ausbildung beginnen, machte zwei Jahre später die Prüfung. "Ich wollte weiterkommen", erzählt sie. Nach dem Abschluss machte sie eine Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe. Im Sommer 2015 sollte die theoretische Prüfung sein, ein weiterer Krankenhausaufenthalt aber machte ihr einen Strich durch die Rechnung. "Erst ein halbes Jahr später konnte ich die Prüfung ablegen", erzählt sie. Mit Erfolg. Calmer schaffte 93 von 100 Punkten, wurde Kammerbeste in OWL. Dafür bekam sie jetzt die Auszeichnung - als eine von 265 jungen Leuten, die ihre Berufsausbildung in rund 130 IHK-Berufen mit "Sehr gut" abgeschlossen haben. Nach Düsseldorf begleitet wurde Calmer von Berufsschullehrerin Angelika Kettmann. Sie unterrichtet am Kerschensteiner Berufskolleg in Bethel, wo Calmer während ihrer Ausbildungszeit die Schulbank drückt. "Ich bin mit ihr durch viele gesundheitlichen Höhen und Tiefen gegangen", sagt Kettmann. Ein paar Wochen bleibt Calmer ihrer Schule noch treu - im Winter hat sie dort eine Ausbildung zur Hotelfachfrau begonnen. Calmer arbeitet im Hotel Lindenhof, die Theorie lernt sie am Kerschensteiner Berufskolleg. Ein Jahr dauert die Ausbildung aufgrund ihrer vorherigen Abschlüsse nur, Ende November will sie die schriftliche Abschlussprüfung hinlegen, im Januar die praktische. Und danach? Calmer will sich weiter entwickeln, hat die Chance auf ein Weiterbildungsstipendium der IHK. "Ich kann mir gut vorstellen, an einer Hotelfachschule meinen Betriebswirt zu machen", sagt sie. Sie hat sich aber auch für ein "Weltwärts"-Projekt beworben. Martin Koch, stellvertretender Schulleiter, spricht von einer Vorzeige-Schülerin: "Es gibt zwar immer wieder solche Beispiele, aber Katharina hat einen ganz besonders starken Willen."

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