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Symbolbild. - © NW
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Bielefeld Bielefelder Wissenschaftler erklärt Unterschied zwischen "Ultras" und "Hooligans"

Studie analysiert Gewaltlust radikaler Fans

Christian Geisler
14.10.2016 | Stand 13.10.2016, 21:20 Uhr

Bielefeld. Nach Informationen der Neuen Westfälischen gehören etwa 100 Personen zum harten Kern der Ultras in Bielefeld. Weitere 100 Personen sind im näheren Umfeld tätig, weitere 200 sind Sympathisanten. Längst nicht alle sind gewaltsuchend. Ob es sich um Hooligans oder Ultras handelt, ist für Außenstehende nicht erkennbar. Die Universität Bielefeld hat sich mit ihren beiden Studien "BiFans" und "Gut Gelaufen - kein Stress im Stadion" wissenschaftlich mit der Gewaltbereitschaft von Fußballfans auseinandergesetzt. Anlässlich eines Interviews, das die NW mit einem ehemaligen Hooligan geführt hat, ordnet der wissenschaftliche Mitarbeiter der Universität Bielefeld, Thomas Praßer, die beiden Fangruppierungen ein. Demnach eint die Gruppen der Zusammenhalt und die Loyalität zum Verein. Doch während die einen bei Spielen ihres Teams in der Fankurve stehen, prügeln sich die anderen in der sogenannten Dritten Halbzeit fernab des Stadions in einem Wald oder auf einer Wiese. "Den Ultras ist primär der Support-Gedanke wichtig. Es ist eine produktive Kultur. Sie unterstützen, zeigen Präsenz und entwerfen Gesänge und Choreographien", sagt Praßer und ergänzt: "Hooligans bilden da eher eine subkulturelle Gegenbewegung gegen das Establishment. Sie sind destruktiv." Im Interview mit dem ehemaligen Hooligan Mirko K. (Name geändert) nimmt dieser es sogar in Kauf, bei ihren "Schlachten" Menschen zu töten. Und das, obwohl es für das Kampfareal einen Ehrenkodex gebe. Laut Jörg Rademacher, einem Sprecher des Innenministeriums NRW, sind auffällig gewordene Personen im Bereich des Fußballs innerhalb der Datenbank "Gewalttäter Sport" erfasst. "Natürlich stehen diese Personen unter Beobachtung. Wir wollen nicht, dass sie den Fußball als eine Bühne für ihre Gewalttaten missbrauchen", so Rademacher. Während Hooligans gezielt Gewalt suchen, kommt es bei den Ultras "selten zu geplanten Konfrontationen", sagt Praßer. Vielmehr seien Auseinandersetzungen mit Ultra-Beteiligung spontane, emotionale Reaktionen auf bestimmte Ereignisse. "Hooligans suchen Hooligans. Die wollen einen Gegenüber, also eine Auseinandersetzung unter Gleichgesinnten", so Praßer. Ein negatives Beispiel der vergangenen Jahre seien die Fans des Zweitligisten Dynamo Dresden. So seien die Ausschreitungen von Dynamo-Fans in der Bielefelder Innenstadt im Dezember 2013 kein Zufall gewesen. "Vermutlich wurde da der so genannte Dresden-TÜV durchgeführt. Die Fans prüfen einmal in der Halbserie die Strukturen einer Stadt, wie sie auf solch einen Angriff vorbereitet ist. Nach so einer Logik funktioniert deren Fanszene", sagt Praßer. Optisch können Hooligans nicht von gewöhnlichen Fans unterschieden werden. "Sie legen keinen Wert auf Uniformierung", sagt Praßer und fügt hinzu: "Bei den Ultras ist das anders. Das ist eine sich selbst finanzierende Kultur. Sie tragen eigene Sachen, teilweise ist es sogar verpönt Trikots des eigenen Vereins zu tragen." Mit Hilfe eigener Merchandise-Artikel würden die Ultras ein Zeichen gegen die Kommerzialisierung des Sports setzen wollen.

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