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Die Herzdruckmassage für Laien soll heute so einfach wie möglich sein. Kein Pulsfühlen, Beatmung nur für geschulte Helfer. Am Wichtigsten: 100-mal drücken pro Minute. - © dpa
Die Herzdruckmassage für Laien soll heute so einfach wie möglich sein. Kein Pulsfühlen, Beatmung nur für geschulte Helfer. Am Wichtigsten: 100-mal drücken pro Minute. | © dpa

Bielefeld Aktion auf dem Jahnplatz: "Ein Leben retten - Woche der Wiederbelebung"

Ärzte und Sanitäter stehen am Samstag von 11 bis 17 Uhr auf dem Jahnplatz, um Laien die lebensrettende Herzdruckmassage beizubringen

Jens Reichenbach
17.09.2016 | Stand 17.09.2016, 11:12 Uhr

Bielefeld. Ein Mann kollabiert, bricht auf der Straße zusammen. Herzstillstand. Was tun? Jahrelang galten die Deutschen als Wiederbelebungsmuffel. Noch 2011 lag Deutschland mit 17 Prozent bei der Laien-Reanimation in Europa abgeschlagen an letzter Stelle. "Das soll ganz anders werden", sagen Bielefelder Ärzte, Sanitäter und die Stadt, die unter dem Motto "Ein Leben retten" künftig Schüler und Lehrer nachhaltig und mit einfachsten Mitteln an die lebensrettende Herzdruckmassage heranführen wollen. Für den Laien gibt es drei ganz einfache Schritte zu bedenken. SCHRITT 1: PRÜFEN Sprechen Sie die Person an ("Hören Sie mich?") und schütteln Sie seine Schultern. Wenn er nicht reagiert, prüfen Sie seine Atmung. Atmet er nicht oder unnormal (Schnappatmung), geht es los. Den Puls muss man nicht mehr fühlen. SCHRITT 2: RUFEN Rufen Sie 112 an oder bitten Sie einen andere Person, den Notruf abzugeben. SCHRITT 3: DRÜCKEN Machen Sie den Brustkorb frei, legen Sie den Ballen der Hand auf die Mitte der Brust und den Ballen der anderen Hand darüber. Finger verschränken und Schultern senkrecht über den Druckpunkt. 100- bis 120-mal pro Minute drücken Sie jetzt das Brustbein 5 Zentimeter nach unten. Hören Sie nicht auf, bis Hilfe eintrifft. BEATMUNG: Die Beatmung ist nicht mehr die wichtigste Maßnahme bei Menschen mit plötzlichem Herzkreislaufstillstand. Geschulte Helfer sollen aber zusätzlich noch die Mund-zu-Mund-Beatmung durchführen. Experten empfehlen zwei Beatmungen auf 30 Herzdruckmassagen. TYPISCHE FEHLER: Notfallmediziner Dr. Carsten Kulbe vom Evangelischen Krankenhaus beruhigt: "Ich kann nur dann etwas falsch machen, wenn ich nichts mache." Durch das Drücken auf den Brustkorb werde das Blut aus dem Herzen in den Blutkreislauf transportiert, erklärt Professor Niels Rahe-Meyer vom Franziskus-Hospital: "So holt sich das Blut automatisch Luft aus der gefüllten Lunge." WIE LANGE HÄLT DIE LUFT? Laut Hans-Peter Milz, Ärztlicher Leiter des Bielefelder Rettungsdienstes, reicht der Sauerstoff in der Lunge ohne zusätzlich Beatmung vier bis acht Minuten an. "Ohne diese Hilfe wird das Gehirn des Patienten durch den Sauerstoffmangel schon nach zwei bis drei Minuten geschädigt." Da der Rettungsdienst in Bielefeld im Schnitt 8 Minuten zum Patienten benötigt, ist Laien-Reanimation unbedingt nötig, um Leben zu retten. ZIEL DER BIELEFELDER AKTIVISTEN: Die drei Bielefelder Kliniken, ihre Ärzte, der Rettungsdienst, DRK, ASB und die Stadt Bielefeld wollen die Wiederbelebung als Pflichtstoff in den Schulen verankern. Dazu gehört auch die didaktische Schulung der Lehrer. In Vorreiterländern wie Holland oder Norwegen liegt der Anteil der Wiederbelebungen durch Laien, bevor der Rettungsdienst eintrifft, bei 65 Prozent und mehr. In Deutschland stieg dieser Anteil seit 2011 (17 Prozent) erst auf 31 Prozent. Das soll durch die Verankerung im Schulcurriculum deutlich verbessert werden. AKTION AM JAHNPLATZ: Am heutigen Samstag geben Ärzte und Sanitäter von 11 bis 17 Uhr auf dem Jahnplatz kostenfreie Herzdruckmassage-Schulungen. Außerdem sollen in der "Woche der Wiederbelebung" viele Schüler und Lehrer geschult werden. Weitere Infos, Videos und Darstellungen zur Wiederbelebung für Laien finden Sie hier.

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