Sport unter freiem Himmel. Ein Verein kämpft für einen Calisthenics-Park auf dem Kesselbrink. - © Sarah Jonek
Sport unter freiem Himmel. Ein Verein kämpft für einen Calisthenics-Park auf dem Kesselbrink. | © Sarah Jonek

Bielefeld Verein will Calisthenics-Sport-Park auf dem Kesselbrink

Joachim Uthmann

Bielefeld. Muskeltraining am Meer – viele kennen die Bilder der Bodybuilder auf dem Venice-Strand im kalifornischen Santa Monica. Der Open-Air-Kraftsport liegt unter dem Namen Calisthenics auch in Deutschland im Trend. In Bielefeld gründete sich ein Verein, der sich bisher vergeblich um eine Anlage bemüht. Mit einer Petition versucht er jetzt, den Kesselbrink ins Spiel zu bringen. Der Platz ist für viele Millionen Euro neu gestaltet und lockt mit der Vorzeige-Skater- und -BMX-Anlage junge Menschen an – hat aber auch seine Schwachstellen wie Verschmutzung, Schäden und mangelhafte Sicherheit. Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) hat deshalb eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die Vorschläge für eine Aufwertung machen soll. Ein Punkt könnte eine Calisthenics-Anlage sein, die der Verein Apesthenics seit gut zwei Jahren in Bielefeld anstrebt. „Das Interesse ist ziemlich groß", sagt Mitgründer Robin Stoltze. An die 100 Mitglieder seien dabei, sie trainieren außerhalb der Schulferien in der Sporthalle in Vilsendorf. Doch für den Outdoor-Sport fehlt unter freiem Himmel eine Alternative. Der Kraftsport, der mit eher einfachen Geräten wie Reckstangen oder Barren auskommt, Muskeln durch den Einsatz des eigenen Gewichts aufbaut und Turn- und Breakdance-Elemente aufnimmt, könnte auf dem Kesselbrink eine Heimat finden. Ein erster Anlauf des Vereins vor zwei Jahren, mit der Stadt eine Anlage zu realisieren, scheiterte, weil der damals angebotene Standort in Stieghorst zu weit außerhalb gelegen und die Stadt sich finanziell am Bau nicht beteiligt hätte, erklärt Stolze. Das Modell hätte vorgesehen, dass der Verein die Anlage baut und die Stadt sie übernimmt, um auf Dauer die Verkehrssicherheit zu garantieren, bestätigt Joachim Middendorf vom Sportamt: „Sonst ist das schwer zu handeln." Doch Apesthenics war das Risiko zu hoch, die Finanzierung zu teuer. Für eine gute Anlage mit 100 bis 200 Quadratmetern mit gummiertem Boden müsse man 50.000 bis 70.000 Euro rechnen. In anderen Großstädten oder in OWL in Paderborn, Minden oder Delbrück gebe es bereits Anlagen. Mit einer Petition an den Oberbürgermeister brachte Apesthenic-Mitglied David Gwizdz das Thema Calisthenics-Park wieder auf die Tagesordnung. Er könne mehr kulturelle Vielfalt, ein junges lifestyleorientiertes Publikum und sportliche Großveranstaltungen auf den Kesselbrink bringen. Der zuständige Bürgerausschuss des Rates leitete den Vorstoß an Bezirksvertretung und Sportausschuss weiter. Die Verwaltung und die OB-Arbeitsgruppe prüfen das Thema. Bezirksbürgermeister Hans-Jürgen Franz (SPD) rechnet im Herbst mit Ergebnissen: „Cathelenics könnte das Angebot ergänzen." Ob es dafür Geld gibt, bleibt abzuwarten. Erst mal plant der Immobilienservicebetrieb, auf dem Platz die Skateranlage mit einem festen Sperrgitter zu sichern, Schließfächer an der Rückseite der BMX-Rampenwand anzubringen, Holzdecks „zum Chillen" zu installieren und die Spielmöglichkeiten zu verbessern. 189.000 Euro soll diese Nachrüstung kosten, zu 80 Prozent vom Land aus Städtebaumitteln gefördert. Weitere Aufwertungen sollen folgen.

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