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In seiner neuen Heimat: Der Bielefelder Fiete Sturm in Hamburg. Im Hintergrund ist die Elbphilharmonie. - © Marina Kostian
In seiner neuen Heimat: Der Bielefelder Fiete Sturm in Hamburg. Im Hintergrund ist die Elbphilharmonie. | © Marina Kostian

Bielefeld/Hamburg Wie es einem Bielefelder Diakon in Hamburg ergangen ist

Seemannsmission: Fiete Sturm (34) leitet seit einem Jahr Einrichtung im Hamburger Stadtteil Altona

Ariane Mönikes
01.08.2016 | Stand 01.08.2016, 16:18 Uhr

Bielefeld/Hamburg. Ein Jahr ist es mittlerweile her, dass Fiete Sturm (34) in Bielefeld seine Zelte abbrach und nach Hamburg ging. Er hatte sich als diakonischer Leiter der Seemannsmission in Altona beworben und noch am Tag seines Vorstellungsgesprächs die Zusage bekommen. Nach zwölf Monaten zieht er ein Resümee – er will bleiben. „Die Entscheidung damals war genau richtig", erklärt Sturm im Gespräch mit der Neuen Westfälischen. Sturm betreut deutsche und vor allem ausländische Matrosen – aus aller Herren Länder. „Viele kommen aus Osteuropa oder sind von den Philippinen." 16 Stationen der Seemannsmission – ein gemeinnütziger Verein – gibt es in Deutschland, drei in Hamburg. Sturm teilt sich die Leitung mit Martin Behrens, der für den kaufmännischen Bereich zuständig ist, Sturm ist diakonischer Heimleiter. Der Arbeitsalltag der Seeleute sei hart, erklärt Sturm. Die Schiffe werden immer größer, die Aufgaben umfangreicher. Hinzu kämen auch häufig gesundheitliche Probleme sowie Einsamkeit und Trennungsschmerz. „Für diese Menschen haben wir ein offenes Ohr." Weil die Liegezeiten im Hafen oft nur sehr kurz sind, besuchen Sturm und seine Kollegen die Seeleute immer öfter auch an Bord. „Wir wollen ihnen in schwierigen Lebenslagen helfen", erklärt Sturm. Und das nach dem Leitbild „support of seafarers dignity – für die Würde der Seeleute treten wir ein!". Der Druck, der auf den jungen Seeleuten lastet, ist groß. „Oft muss ein Seemann eine ganze Familie ernähren, Großeltern und andere Verwandte inbegriffen." Es gebe viele belastende Momente für sie, an Bord würden sie häufig nur als Arbeitskraft gesehen. Mit Seemannsromantik habe das nichts zu tun. Fiete Sturm versucht, auf kurzem Dienstweg zu vermitteln, wenn es hakt. „Wir sprechen mit den Reedereien oder nehmen Kontakt zu Berufsgenossenschaften oder Gewerkschaften auf." Das Herzstück der Seemannsmission in Hamburg-Altona ist das Seemannshotel. Hier können Matrosen die Nacht verbringen, bevor sie an Bord gehen, erzählt Sturm. Es werden aber auch Gäste beherbergt, die eine Übernachtungsmöglichkeit in der Gegend suchen. „60 Prozent der Gäste sind Seeleute", erklärt er. Über 38 Zimmer und 80 Betten verfügt das Hotel. Im Untergeschoss des Hauses ist ein internationaler Seemannsclub. Dort gibt’s auch philippinisches Bier, erzählt Sturm. „Wir wollen den Seeleuten ein Stück Heimat in der Fremde bieten." Zwar hat Sturm Bielefeld den Rücken gekehrt, er ist aber häufig noch zu Besuch in der Stadt.

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