Für Bielefelder Organisation SOS Boat People im Einsatz: Dieses in Zypern stationierte Rettungsschiff soll drei Monate für die Bielefelder Organisation im Einsatz sein. - © SOS Boat People
Für Bielefelder Organisation SOS Boat People im Einsatz: Dieses in Zypern stationierte Rettungsschiff soll drei Monate für die Bielefelder Organisation im Einsatz sein. | © SOS Boat People

Bielefeld Bielefelder chartern Rettungsschiff, um Flüchtlinge zu retten

Hilfe für Flüchtlinge im Mittelmeer: Neue Gesellschaft "SOS Boat People" will verhindern, dass Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken

Bielefeld. "Ich saß, wie jeden Abend, bequem auf dem Sofa und habe mir, wie jeden Abend, die Nachrichten angesehen", so Andreas M. Stolpe, Initiator von SOS Boat People. Themen in den Nachrichten waren meist die Flüchtlingskrise. Immer öfters wurde berichtet, dass schon wieder über hundert Menschen auf der Flucht vor Krieg, Gewalt und Unterdrückung die Flucht in unstabilen Schlauchbooten über das Mittelmeer mit ihrem Leben bezahlt haben. "Dann kam der Punkt, wo ich mir sagte, "Das geht so nicht weiter, das muss ich ändern!" so Stolpe. Daraus entwickelte sich der Start einer neuen Rettungsorganisation, die gemeinnützige SOS Boat People. Stolpe sagt: "Wir können nicht die Welt ändern, aber in unserem kleinen Bereich, dort wo wir unsere Kernkompetenzen haben, können wir diese einsetzen." So liege nichts näher, als das Sterben auf dem Mittelmeer durch den Einsatz eines Rettungsschiffes zu verringern. Relativ schnell fand sich ein Kernteam zusammen. Zusätzlich Helfer kamen aus der Schifffahrtsbranche - und alle waren infiziert mit dem Wunsch nun aktiv zu werden. Die Organisation SOS Boat People wird vor der libyschen Küste außerhalb der Zwölf-Meilen-Zone patrouillieren und die Insassen der havarierenden Flüchtlingsboote an Bord nehmen. Das klingt erst einmal recht einfach, ist es aber nicht. "Wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen," so Dirk van Kampen, der professionelle Seenotretter im Team. Die Flüchtlinge sind traumatisiert, haben Panik, viele können nicht schwimmen. Die meisten sind dehydriert, haben Verletzungen durch ausgetretenes Benzin oder durch die erlittene Folter durch die Schlepper. Männer werden unter Schlägen zur Sklavenarbeit gezwungen und Frauen oft lange vergewaltigt und zur Prostitution gezwungen, um das Geld für die Überfahrt zusammen zu bekommen. Viele haben ihre Familie, ihr Hab und Gut und fast ihr Leben in den Kriegsgebieten verloren. Heimatlos, entwurzelt und der Zukunft beraubt sehen viele den letzten Ausweg nur in der lebensgefährlichen Flucht über das Meer. Diese Menschen reagieren dann bei der Rettungsaktion nicht mehr kontrolliert. Mit diesen Extremsituationen müssen unsere freiwilligen Helfer umgehen und Herr der Situation bleiben. "Wir sind nicht die einzige Organisation, die sich diesem Ziel verschrieben hat, aber es sind immer noch viel zu wenige", sagt Andreas Stolpe. Noch immer würden Hunderte in den Wellen des Mittelmeeres sterben. Umso mehr müssten die Rettungsaktionen professionell, effektiv und günstig durchgeführt werden. Außerdem müssten unnötige Kosten vermieden, aber die Hilfe der Flüchtlinge dadurch nicht beeinträchtigt werden. Deswegen wird das Standby Safety Vessel nur in der Zeit seinen Dienst verrichten, in denen das Mittelmeer von Flüchtlingen befahren werden kann. Die Crew an Bord arbeitet ehrenamtlich, alles wird durch Spenden finanziert. Deswegen ist der Verein immer auf der Suche nach Unterstützern und Sponsoren. Wer nicht seefest ist, oder ein bis zwei Wochen an Bord des Rettungsschiffes helfen kann, der kann auch wichtige Aufgaben in vielen Bereichen in der Bielefelder Zentrale übernehmen. "Um Hunderte von Menschenleben zu retten benötigt man nicht viel Manpower. Wenn ich mich mit einer großen Einsatzbereitschaft engagiere, stecke ich zwangsläufig meine eigenen Bedürfnisse zurück. Aber das mache ich gerne. Wer es einfacher haben will, kann schon mit ein paar Euro zum Lebensretter werden," sagt Stolpe.

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