Jeder kann sie ausleihen: Lastenfahrrad "Bisela". - © Heimo Stefula
Jeder kann sie ausleihen: Lastenfahrrad "Bisela". | © Heimo Stefula

Bielefeld Jeder Bielefelder Stadtteil soll ein Lastenfahrrad bekommen

Crowdfunding: "Bisela" ist finanziert. Es hat gedauert, bis genug Geld gespendet wurde, um das dänische Bullitt-Lastenfahrrad anzuschaffen

Bielefeld. Glück gehabt – den Insassen ist nichts passiert, als Kira Cordes den Wagen ihrer Mama vergangenes Jahr zu Schrott gefahren hat. Von dem Versicherungsausgleich für das kaputte Auto legte Mutter Britta einen Teil auf den Tisch, um sich am Crowdfunding der Kooperative „Transition Town" zur Anschaffung eines Lastenfahrrades zu beteiligen. „Ein Auto", so Cordes, die an der August-Bebel-Staße einen Second-Hand-Laden für Kinderklamotten betreibt, „brauchte ich nicht unbedingt, aber etwas sinnvolles wollte ich mit dem Geld schon anfangen." Das Geld von Cordes war ein gehöriger Schub nach vorne, acht Monate hat es gedauert, bis die 3.500 Euro für die Anschaffungskosten des „Bisela 1" zusammen waren, des ersten Lastenfahrrades für die Bielefelder Bevölkerung. Jetzt wurde es der Öffentlichkeit an der Rolandstraße, Nähe Siggi-Platz präsentiert, gegenüber des Weinbistros „Heinrich sein Enkel". Und -Zufall oder nicht – ebenso syntaktisch unkorrekt ist der Name Bisela: „ Bielefeld sein Lastenfahrrad". Aber inhaltlich ist es richtig: jeder Bielefelder, der sich auf der Homepage Bisela.de registriert hat, kann sich ab sofort, tageweise, dieses Fahrrad ausleihen – kostenlos. Ob ein paar Tapetenrollen oder Farbeimer vom Baumarkt zu transportieren sind, ein großer Sack Kartoffeln vom Biohof oder ’ne Kiste Bier vom Discounter für die Grillparty, mit „Bisela 1" lassen sich sperrige Sachen umweltschonend von A nach B befördern. Das Rad kann beladen werden mit, so die Herstellerangaben, vier Kisten – Prost! Auch Klaus Rees, Fraktionsvorstand der Grünen in Bielefeld und Ratsmitglied hat von der Sache mit dem Crowd- funding gehört, aber, anstelle seine Börse zu zücken, stellte er sein privates Lastenfahrrad Transition Town als Dauer-Leihgabe zur Verfügung. Seins und das durch Spenden finanzierte Rad stehen ab sofort am Umweltzentrum (August-Bebel-Straße 16-18) und im Fahrradladen Velotop an der Apfelstraße 85 zur Verfügung. Andreas Breusker, engagierter „Transition Town"- Aktivist, Impulsgeber für das Projekt „Bisela" und Inhaber von Velotop träumt schon ein bisschen weiter: „Derzeit sind wir dabei das „Bisela 2" zu stemmen, ein Dreirad mit einer Holzkiste in der eine kleine Bank eingearbeitet ist. Darauf können sich ein paar Kinder setzen und durch die Gegend gefahren werden – angeschnallt natürlich und mit Helm!" Und es ist noch nicht ausgeträumt: „Wenn alles klappt, möchten wir ein Lastenrad für jeden Stadtteil, ein Schisela für Schildesche, ein Brasela, ein Dosela und im Norden der Stadt natürlich ein Jösela. " Noch jemand hat von der Crowdfunding-Aktion von Transition Town gehört: der Kinderarzt Roland Tillmann an der Potsdamer Straße. Er hat als Vorstand der „Initiative Bielefelder Hausärzte" ein paar Kollegen zusammengetrommelt, die doppelt soviel wie Britta Cordes auf den Spendentisch blätterten und damit war" Bisela 1"endgültig finanziert. Seine Beweggründe gehen über eine umweltbewußte abgasarme Stadtentwicklung hinaus: „Diabetes ist längst eine Volkskrankheit geworden, mit dramatischer Entwicklung und erschreckenden Prognosen. Wir wollen einfach nur Bewegung fördern". Das „Bisela 1" hat eine Sieben-Gang-Nabenschaltung und keinen Rücktritt, und es ist ein Fortschritt für ein nachhaltiges urbanes und soziales Stadtklima in Bielefeld.

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