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Ausschreitungen: Die Massenschlägerei ereignete sich am 21. Mai. - © Christian Mathiesen
Ausschreitungen: Die Massenschlägerei ereignete sich am 21. Mai. | © Christian Mathiesen

Bielefeld Landtag befasst sich mit Überfall auf Jesiden in Bielefeld

Bericht: Innenminister Jäger erklärt die Vorfälle in Bielefeld. Lürbke kritisiert fehlendes Konzept

Matthias Bungeroth
01.06.2016 | Stand 01.06.2016, 06:17 Uhr |

Bielefeld/Düsseldorf. Die Massenschlägerei zwischen tschetschenischen und jesidischen Flüchtlingen am 21. Mai in Bielefeld hat nun auch ein parlamentarisches Nachspiel. Der Innenausschuss des Landtags wird sich in seiner Sitzung am Donnerstag mit den Vorfällen befassen, bei denen fünf Jesiden in der Nähe einer Flüchtlingsunterkunft in Bielefeld verletzt wurden. Auf Initiative des Paderborner Landtagsabgeordneten Marc Lürbke (FDP) legte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) zu den Ereignissen einen detaillierten Bericht vor, der neue Fakten zu jenem Samstagabend enthüllt. Dem Bericht zufolge, der nw.de vorliegt, begann der Konflikt, als fünf Iraker jesidischen Glaubens zu einem etwa 500 Meter von der Flüchtlingsunterkunft entfernt liegenden Supermarkt gingen. „Plötzlich hielt ein Pkw vor ihnen an, aus dem zwei Personen stiegen und der Gruppe entgegen gingen", heißt es im Bericht. Als sie auf Höhe der fünf Jesiden gewesen seien, „schlug ein auffallend muskulöser Tatverdächtiger ohne Vorwarnung auf zwei Jesiden ein". Dabei sei ein Jeside leicht im Gesicht verletzt worden, dem zweiten sei das Nasenbein gebrochen worden. Von weiteren gewalttätigen Übergriffen auf Jesiden mit Holzknüppeln, zerbrochenen Glasflaschen und einem Springmesser ist die Rede. Ein Jeside erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma und soll sich noch in stationärer Behandlung befinden. Sein Zustand soll aber stabil sein. Regelwidrigkeiten und Beleidigungen bei Fußballspiel Ein Tatverdächtiger tschetschenischer Abstammung sei in der Flüchtlingsunterkunft festgenommen worden. „Als Auslöser für die Auseinandersetzung kommt nach jetzigem Ermittlungsstand ein gemeinsames Fußballspiel am 16. 05. 2016 in Betracht, das in der Einrichtung stattfand." Von Regelwidrigkeiten und gegenseitigen Beleidigungen ist die Rede. Zwei Tschetschenen seien verletzt worden. Dies bestätigte ASB-Geschäftsführer Ingo Schlotterbeck, der die Einrichtung betreibt. Er bezeichnete dies als „umso bedauerlicher", da Fußball ja generell völkerverbindend sei. Allerdings, so der Bericht, werde der Staatsschutz Bielefeld weiterhin die Ermittlungen führen, „da eine religiös motivierte Tat auch aktuell noch nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann", so der Bericht. Da der Tatverlauf auf beiden Seiten „ein hohes Aggressionspotenzial erkennen" lasse, halte man eine räumliche Trennung der beteiligten Gruppen weiterhin für „sachgerecht". Marc Lürbke kritisiert: „Die Landesregierung hat grundsätzlich gar keinen Überblick darüber, ob und wieweit es in Flüchtlingsunterkünften nicht nur zu handfesten Spannungen sondern eben auch zu religiös motivierten Übergriffen auf Glaubensgemeinschaften wie Jesiden und Christen kommt."

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