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Protest gegen Erdogan: Rund 600 Aleviten demonstrierten am Samstag in der Bielfelder Innenstadt. - © Tarek Chafik
Protest gegen Erdogan: Rund 600 Aleviten demonstrierten am Samstag in der Bielfelder Innenstadt. | © Tarek Chafik

Bielefeld Doppel-Demo in Bielefeld: Rund 600 Aleviten und 500 Aktivisten von "Eziden weltweit" üben Kritik

Beide Versammlungen bleiben friedlich

Tarek Chafik
28.05.2016 | Stand 01.06.2016, 10:26 Uhr

Bielefeld. Zwei Religionsgruppen haben am Samstag in Bielefeld friedlich demonstriert. Den Auftakt bildeten rund 600 Angehörige der alevitischen Gemeinden aus Ostwestfalen-Lippe und Osnabrück, die sich zu einem Protestzug durch die Innenstadt formiert hatten. Hintergrund der Demonstration war das Vorhaben der türkischen Regierung, in der Region um die südostanatolische Stadt Maras ein Flüchtlingscamp für 27.000 Menschen errichten zu wollen. In der Gegend leben viele Aleviten. Die Demonstranten forderten ein Ende dieser Pläne, weil sie befürchten, dass ihre Glaubensbrüder systematisch zurückgedrängt werden. Sie warnten vor „Assimilierungsdruck" und gaben ihrer Befürchtung Ausdruck, dass sich ein überwiegend von sunnitischen Muslimen bewohntes Flüchtlingslager zum „Trainingscamp" für Islamisten werden könnte, von wo aus Angriffe auf Aleviten erfolgen. Zudem übten die Demonstranten laute Kritik an der Aufhebung der Immunität für kurdische Parlamentsabgeordnete. Damit habe die Möglichkeit einer friedlichen Lösung der Kurdenfrage einen weiteren schweren Rückschlag erhalten. Besserer Schutz religiöser Minderheiten Gegen 16.30 Uhr waren es dann rund 500 Jesiden, die sich Richtung Jahnplatz aufmachten. Anlass für diese Demo war die eine Woche zurückliegende Massenschlägerei nahe der Flüchtlingsunterkunft Oldentruper Hof, bei der fünf Personen schwer verletzt wurden. Den Protestmarsch hatte der Verein „Eziden weltweit" auf die Beine gestellt, die Teilnehmer kamen aus ganz Deutschland. „Nach den Ereignissen in Bielefeld erreichten uns zahlreiche ähnliche Meldungen aus anderen Flüchtlingsunterkünften", sagte Mizgin Saka, 3. Vorsitzende des Vereins. Die Forderungen der Demonstranten zielten auf einen besseren Schutz religiöser Minderheiten in den Unterkünften: Räumlich getrennte Unterkünfte für Jesiden und Christen, eine schärfere Verfolgung von Personen, die Minderheiten angreifen, qualifizierte Dolmetscher und neutrales Wachpersonal.

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