Ankergärten: Großes Wohnprojekt: 35-Millionen-Euro-Bau der Bautra auf früherem Ankerwerkgelände geht auf die Zielgerade. - © Andreas Zobe
Ankergärten: Großes Wohnprojekt: 35-Millionen-Euro-Bau der Bautra auf früherem Ankerwerkgelände geht auf die Zielgerade. | © Andreas Zobe

Bielefeld Ankergärten: Erste Mieter im 35-Millionen-Euro-Bau an der Ravensberger Straße

Großes Wohnprojekt: Im August sollen alle 93 Wohnungen fertig sein

Joachim Uthmann

Bielefeld. Heike Siekmann ist glücklich. Die promovierte Kieferorthopädin ist mit ihrer neuen Praxis die erste Mieterin in den neuen Ankergärten. Hinter der denkmalgeschützten Fassade der früheren Ankerfabrik an der Ravensberger Straße, die saniert wird, hat sie ihre lichtdurchfluteten Räume eröffnet. Das Wohngroßprojekt der Bautra Immobilien GmbH, das mit Sanierung des Parkhauses rund 35 Millionen Euro kostet, geht auf die Zielgerade. Im August sollen alle Wohnungen fertig sein, so Christoph Buse, Geschäftsführender Gesellschafter der Bautra. 93 Wohnungen sowie fünf Gewerbe- und Praxiseinheiten entstehen in dem Komplex zwischen Ravensberger, Turner- und Rohrteichstraße. Die früheren Werksgebäude, die im Krieg teils erheblich zerstört und danach nicht immer stilgerecht wieder aufgebaut wurden, hat die Bautra komplett entkernen lassen. Bis zum Kauf hatte die Stadt die sanierungsbedürftigen Räume als Büros für Verkehrs-, Umwelt- und Jugendamt genutzt, im Keller unterhielten die Bielefelder Puppenspiele ihr Publikum. Die Stadt scheute die Sanierung des Ankerkomplexes und baute lieber das Technische Rathaus. Die Bautra traute sich, das Mammutprojekt anzugehen. "Bauen im Bestand, da gibt es keinen Tag ohne Überraschungen", sagt Buse. Die angepeilte Komplettfertigstellung Anfang 2016 schaffe man zwar nicht, aber die erste Wohnung und die erste Praxis sind bezogen. Im August soll alles fertig sein. Und darauf warten die Käufer. Denn als Bautra mit den Arbeiten begann, waren die 50 bis 220 Quadratmeter großen Wohnungen bereits alle verkauft - zu Preisen um die 3.000 Euro pro Quadratmeter. "Es ist ein Prestigeobjekt", sagt Siekmann: "Da wollen alle hin." Bekannte Bielefelder haben sich hier ihre Immobilie gesichert. "Etwa die Hälfte sind Eigennutzer, die anderen nutzen sie als Geldanlage und vermieten sie", sagt Buse. Die zentrale Vermietung über das Büro Engel und Völkers laufe jetzt an. Die Verwaltung bleibt bei der Bautra. In die Ankergärten zu ziehen ist offenbar chic. Die Raumhöhe von bis zu 3,50 Metern, die großen Fenster, die mit viel Sprossen der alten Anker-Architektur nachempfunden sind, schaffen Großzügigkeit und Helligkeit. Siekmann hat dies von einer Innenarchitektin mit blauen Sitzmöbeln, runden Formen und viel Glas hervorheben lassen. "Welcome" steht über der Erstanmeldung. Die Kieferorthopädin, die sich auf ganzheitliche Behandlungskonzepte spezialisiert hat, behandelt auch bei Migräne, Rückenschmerzen und Tinnitus - die oft durch Fehlstellungen von Kiefer oder Zähnen ausgelöst würden. In die Praxis gelangt man von der Ravensberger Straße aus durch eine der früheren Holztüren des Altbaus, die nachgebaut wurde. Darüber hat die Bautra die alte Bleiverglasung mit dem Anker-Symbol restaurieren lassen. Eine Erinnerung an die Ursprünge des Standorts. Die Aufarbeitung der Verzierungen an der auffälligen, von innen gedämmten Fassade Ravensberger Straße zählt mit zu den Auflagen der Denkmalschützer wie die Sprossenstruktur der neuen Fenster. An Rohrteich- und Turnerstraße hat die Bautra großzügige Penthouses auf die Altbauten setzen lassen. Ansonsten bestimmen die alten Strukturen mit großen Betonbauträgern die Aufteilung der Räume. Diese sowie Kuppeldecken lassen in den Wohnungen die Geschichte erahnen. Aus früher vier Treppenhäusern sind jetzt elf Eingänge mit bis zu sieben Meter hohen Portalen und Fahrstühlen für die elf Ankergärtenabschnitte geworden. Insgesamt stehen 11.500 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung. Teils sind Balkone und Loggien angebaut oder abgeteilt. An Rohrteich- und Turnerstraße ist der Komplex nach außen geöffnet, so dass es künftig drei Zugänge gibt - die zu den Ankergärten führen, in die der Innenhof verwandelt werden soll. Auch dies soll noch in diesem Jahr geschehen, sagt Buse. Die markante Ankerbrücke zum Parkhaus, die noch saniert wird, gehört zu einer der Wohnungen. Das mitgekaufte Parkhaus hat die Bautra für fünf Millionen Euro aufmöbeln lassen und teils mit einer grün-weißen Alustreifenfassade versehen, die an den früheren Efeubewuchs erinnert. Von den 800 Stellplätzen sind 120 für die Ankergärtenmieter reserviert.

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