Vorbild "City Jam": Viel Leben, junge Leute und Familien stellt sich Oberbürgermeister Pit Clausen für den Kesselbrink vor. Mit neuen Angeboten hofft er den neugestalteten, aber schwächelnden zentralen Platz wieder aufwerten zu können. Die Bezirksvertretung Mitte soll über die in Kürze vorliegenden Entwürfe entscheiden. - © Sarah Jonek
Vorbild "City Jam": Viel Leben, junge Leute und Familien stellt sich Oberbürgermeister Pit Clausen für den Kesselbrink vor. Mit neuen Angeboten hofft er den neugestalteten, aber schwächelnden zentralen Platz wieder aufwerten zu können. Die Bezirksvertretung Mitte soll über die in Kürze vorliegenden Entwürfe entscheiden. | © Sarah Jonek

Bielefeld Hoffnung auf positive Effekte für den Kesselbrink durch Investitionen im Umfeld

Runder Tisch: Oberbürgermeister schlägt neue Spielgeräte, mehr Veranstaltungen und häufigere Sicherheitskontrollen vor

Joachim Uthmann

Bielefeld. Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) will den schwächelnden Kesselbrink aufwerten. Der eingesetzte Runde Tisch aus Ämtern und Behörden schlägt in einem Zwischenbericht, den er im Rathaus vorstellte, neue Spielgeräte, mehr Veranstaltungen und häufigere Sicherheitskontrollen vor. Positive Effekte erhofft sich der OB auch von Investitionen im Umfeld wie dem Telekom-Hochhaus. Hier denkt der israelische Investor Pinchas Schapira, der Neumarkt-Immobilien über die TD Retail Sàrl (Luxemburg) kaufte, über den Umbau zu Wohnungen nach (s. unten). Clausen möchte den Platz "mit Leben füllen" - und für "junge, lifestyle- und familienorientierte Zielgruppen" attraktiver machen. Deshalb hat er die Bielefeld Marketing GmbH einbezogen, die ein "Eventkonzept" erarbeiten soll. Nach dem Vorbild des erfolgreichen "City Jams" an der Skate- und BMX-Anlage könnten fünf bis acht größere Veranstaltungen mit Trendsport, Szenetreff und Musik die Anziehungskraft des Platzes erhöhen. Als Geldgeber sucht die Stadt Sponsoren. Mobile Spielangebote wie Streetsoccer, -basketball und -dance, Akrobatik, mobile Kletterwände, Parcours und Kurse könnten hinzukommen. Bauliche Eingriffe wie feste Absperrgitter, "Chill"-Holzdecks, Schließfächer und Abdeckungen der offenen Baumscheiben auf und an der Skateanlage würden derzeit mit dem Planerbüro Lützow 7 (Berlin) abgestimmt. Der Rasen, der ausgewechselt werden muss, weil er nicht anwächst, soll vor Fußballern mit Stollenschuhen geschützt werden. Clausen zeigt sich optimistisch, dass die Pläne im März vorliegen, die Umbauten im Frühjahr beginnen und im Sommer fertig sein könnten. Das Land habe eine 80- bis 90-prozentige Förderung der auf einen sechsstelligen Betrag geschätzten Kosten in Aussicht gestellt. Damit sich die Menschen auf dem Platz sicherer fühlen, soll ein neu gebildetes Team Kesselbrink mit Mitarbeitern von Ordnungsamt und Stadtwache, das um zwei zusätzliche Kräfte aufgestockt wird, Präsenz zeigen. Sozialarbeiter als "Streetworker" könnten das Drogenproblem lindern. Die heute schon aufwendige Reinigung des Platzes solle "so beibehalten werden". Der OB hofft auf mehr Rücksicht der Gäste: "Wer dort eine Pizza vom Service hinbestellt, sollte wenigstens die Schachtel in den Müllbehälter werfen." Als "sehr schwierig" stuft Clausen den Mangel an Toiletten auf dem Platz ein: "Eine öffentliche Toilette reicht nicht." Überzeugende Lösungen gebe es aber noch nicht. Klar sei, dass mehr WCs nötig seien und diese beaufsichtigt werden müssten. Ausgefallene Leuchten sollen jetzt durch LEDs ersetzt werden. Der Oberbürgermeister betonte, dass die Bezirksvertretung Mitte über die Umsetzung entscheiden müsse. Sobald die Pläne für Änderungen vorlägen, würden sie dort vorgestellt. Israelischer Investor für das Telekom-Hochhaus Die alten Telekom-Immobilien Hochhaus, Techniktrakt, Alte Post und Parkhaus sowie das Amerikahaus hat der Investor Pinchas Schapira gekauft – für eine dreistellige Millionensumme. Schapira gehört zu einer israelischen Kaufmannsfamilie, die weltweit Immobiliengeschäfte betreibt. In Bielefeld ist sie über die TD Retail Sárl mit Sitz in Luxemburg tätig. Für das Telekom-Hochhaus verfolgt sie Pläne für eine Umnutzung zu Wohnungen, nachdem der Mietvertrag mit der Telekom 2017 ausläuft. Die Stadt plant dafür bereits die Änderung des Bebauungsplans (NW vom 18. Februar). In Deutschland traten die Israelis zuletzt beim Kauf des Krefelder Einkaufszentrums Schwanenmarkt von der Hamburger ECE, die das Loom in Bielefeld plant, sowie bei einem Pflegeheim in Weil am Rhein als Investor auf. Oberbürgermeister Pit Clausen lobte den Investor, mit dem es sehr konstruktive Gespräche gebe. Es sei überraschend, wie offen der auftrete und sich von der Stadt beraten lasse, wie das Quartier entwickelt werden sollte. Die international tätige Familie sei auf langfristige Nutzungen ausgerichtet und strebe keine schnellen Geschäfte an. Clausen erwartet von den geplanten Investitionen wie einer Wohnnutzung des Telekom-Hochhauses, der Aufwertung des Wilhelmstraßenviertels mit dem Umbau der Volksbank sowie den beiden neuen Hotels am Neumarkt „eine ganz andere Frequentierung" am Kesselbrink. Der sei zudem fußläufig von einigen Flüchtlingsunterkünften in der Nähe erreichbar. „Das alles wird sich auf die Aufenthaltsqualität auf dem Platz auswirken." Der war 2013 für 12,4 Millionen Euro neu gestaltet worden.

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