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Stets am Rad: Doris Buschmann verbringt zehn Stunden in der Woche beim Training. Als Pressewartin der Rhönrad-Abteilung nimmt sie zusätzliche Aufgaben wahr. - © Andreas Frücht
Stets am Rad: Doris Buschmann verbringt zehn Stunden in der Woche beim Training. Als Pressewartin der Rhönrad-Abteilung nimmt sie zusätzliche Aufgaben wahr. | © Andreas Frücht

Bielefeld Bei Doris Buschmann dreht sich alles um den Sport

Frauenpreis (5): Bei Doris Buschmann (69) dreht sich alles um den Sport - ein Leben lang

Heidi Hagen-Pekdemir
24.02.2016 | Stand 23.02.2016, 21:24 Uhr

Bielefeld. Gesellschaftliches Engagement? Für Doris Buschmann eine Selbstverständlichkeit. Als Kind kam sie in eine Kunstturngruppe, hat dort früh das Vereinsleben kennengelernt. "Schon damals wurde mir die Bedeutung des Ehrenamts deutlich", erzählt die 69-Jährige. Ihr Engagement voll entfalten konnte sie, nachdem sie ihren Sohn Andreas beim Turn- und Sportverein Einigkeit (TSVE) zum Rhönrad-Turnen angemeldet hatte. "Jede helfende Hand wurde damals gebraucht." 1981 war das. Mit beiden Händen und mit ganzem Herzen war Buschmann dabei, das ist bis heute noch so. Als Rhönrad-Trainerin steht sie zehn Stunden pro Woche in der Halle, an den Wochenenden leitet sie Wettkämpfe und Lehrgänge. Zudem ist die Vorsitzende des TSVE vier Stunden täglich in der Geschäftsstelle des Vereins am Siggi anzutreffen. Rhönrad-Turnen beschreibt Buschmann als Randsportart. Die Räder sind teuer, mit 40 bis 60 Kilo Gewicht ziemlich schwer und deshalb nicht einfach zu transportieren. Auch erfordert das Training erhöhte persönliche Betreuung: "An jedem Rad muss ein Übungsleiter stehen." Buschmann organisiert, Buschmann weist an - und packt zu. Auf jede Frage hat die sportliche Frau mit dem praktischen Kurzhaarschnitt eine Antwort. Gefordert war sie zuletzt, als die Almsporthalle mit Flüchtlingen belegt wurde. Eine Trainingsgruppe musste in die Halle nach Jöllenbeck umquartiert werden. Beim Transport der Räder hat Buschmann geholfen und außerdem den Fahrdienst für die Kinder organisiert. "Mittlerweile schaffen die Eltern das allein." Flüchtlinge in der Almsporthalle - für die hilfsbereite Frau ein weiterer Anlass sich einzubringen: Eine Hilfsaktion für die Neu-Hinzugekommenen hat sie ins Leben gerufen. Spenden nimmt eine Kiste in der TSVE-Geschäftsstelle auf. Höhepunkt für die Trainerin und ihre Gruppen sind Auftritte bei unterschiedlichen Sportfesten. Als besonders beliebt gilt das Feuerwerk der Turnkunst in der Seidensticker-Halle. Darüber ergab sich im Laufe der Jahre eine enge Zusammenarbeit mit dem Stadtsportbund, dessen Vizepräsidentin sie seit 2015 ist. Für Buschmann bedeutet das vor allem: mehr Arbeit, noch mehr Aufgaben und Wettkämpfe wie die Bethel Athletics und das Deutsche Turnfest in Berlin. Im kommenden Jahr steht dieses Ereignis wieder an. Zum dritten Mal ist Buschmann mit von der Partie. "Die Veranstaltung ist einfach nicht zu toppen", freut sie sich schon jetzt. Und wann geht die ehemalige Kunstturnerin selbst zum Sport? "Keine Zeit", sagt sie und lacht. Zum Wandern und Radfahren reicht die gerade noch. Mit dem Ehrenamt sei es so eine Sache: "Entweder man macht es, oder man lässt es. Halb geht gar nicht." Vereine erlebten aktuell "eine wahnsinnige Fluktuation", und nur wenige drängten noch in Ehrenämter. Doch Buschmann beeindruckt das wenig. Zuversichtlich blickt sie in die Zukunft: "Besonders möchte ich eine Lanze für die Jugend brechen", sagt die Vorsitzende des TSVE. "Die hat tolle Ideen und ist bereit sich einzubringen. Man muss ihnen vertrauen und sie rechtzeitig machen lassen" Die Mitgliederzahl des TSVE liegt bei 4.000, doppelt so hoch wie noch vor 25 Jahren. Ein weiterer Beleg für den Einsatz einer Frau wie Doris Buschmann.

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