Verschmitzt: Christiane Cascante engagiert sich mit Herzblut in der Flüchtlingshilfe. Dazu engagiert sie sich in zahlreichen weiteren Ehrenämtern. - © Wolfgang Rudolf
Verschmitzt: Christiane Cascante engagiert sich mit Herzblut in der Flüchtlingshilfe. Dazu engagiert sie sich in zahlreichen weiteren Ehrenämtern. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Frauenpreis: Christiane Cascante ist Helferin aus Leidenschaft

Sie widmet sich nach ihrer aktiven Zeit in der Politik nun mit Herzblut der Flüchtlingshilfe

Alexandra Buck
22.02.2016 | Stand 21.02.2016, 20:57 Uhr

Bielefeld. Sie ist weit entfernt von den vielen irritierend glattgebügelten Politfiguren dieser Zeit. Diplomatie, die ist manchmal nicht so ihrs. Christiane Cascante sagt’s gern, wie es ist. Damit ist das langjährige BfB-Mitglied immer wieder angeeckt. Es hat ihr aber parteiübergreifend auch viel Anerkennung eingebracht. Auch Geduld ist nicht ihre größte Stärke. Deshalb ist es so erstaunlich, dass die sympathische 77-Jährige es so lange in der Politik ausgehalten hat. „Es war manchmal schwierig für mich", sagt Christiane Cascante. „Ich will am liebsten immer alles ganz schnell zu Ende bringen." Und das ist in der Politik naturgegeben eher die Ausnahme. Dass sie dennoch so lange dabeigeblieben ist, liegt wahrscheinlich daran, dass sie leidenschaftlich gern hilft. Und Hilfe kann über politische Drähte eben effektiv gestaltet werden. Selbsthilfe im Bereich der Frauennetzwerke ist immer ein wichtiges Thema für Christiane Cascante gewesen, ebenso die Themen Schulsozialarbeit, Migration und Drogenpolitik. Hier hat sie sich stets für die Entkriminalisierung Drogenabhängiger eingesetzt. Nachhaltig beeindruckt hatte Cascante seinerzeit ein Theaterstück im Alarmtheater, in dem Drogenabhängige aus verschiedenen Herkunftsländern spielten. „Wie glücklich diese Menschen beim Theaterspielen waren, einfach toll." Besonders berührt hat sie die Aussage eines Darstellers: „Ich habe das Gefühl, wieder ein Mensch zu sein." Die Frau, die so kantig und unerschütterlich scheint, hat ein großes Herz für Menschen, die nicht dem geraden Lebenspfad gefolgt sind: Gestrandete, Schwache, Einsame. Und weil Christiane Cascante in so vielen Töpfen rührt, kommt sie mit vielen in Kontakt. Als Mitglied des Aufsichtsrates der Gesellschaft für Sozialarbeit, des Fördervereins des Alarmtheaters oder als Prüferin bei der IHK trifft Christiane Cascante viele Menschen. Aktuell hängt ihr Herz besonders an der Flüchtlingshilfe. Und dort arbeitet sie an der Front. Mit Sprachkursen hatte alles angefangen. Die ideale Aufgabe für die gelernte Dolmetscherin, die 12 Jahre ihres Lebens in Spanien verbracht hat und kurz in Paris lebte – und doch wieder in Bielefeld gelandet ist, „obwohl ich eigentlich nie zurück wollte". Flüchtlinge aus dem Oberlohmannshof unterrichtete sie mit anderen Ehrenamtlichen in der Hauptschule Jöllenbeck – unter anderem Syrer, Ghanaer und Eritreer. Berührungsängste hat sie nicht. Religion und Hautfarbe sind irrelevant für Christiane Cascante: „Menschen, es geht um Menschen." Als der Laden lief, ging es weiter für Christiane Cascante. Derzeit betreut sie, die selbst zwei Kinder und fünf Enkel hat („die ich sehr liebe"), eine Mutter mit zwei kleinen Kindern aus Eritrea – und schwankt immer wieder zwischen Fassungslosigkeit und Überraschung. „Es ist unfassbar, mit was für einer Papierflut diese Menschen oft allein gelassen werden." Sogar sie selbst sei mit den vielen Unterlagen rund um Anträge etwa für die Schule und die Pflichtuntersuchungen und Impfungen für die Kinder überfordert gewesen. „Wie soll man das dann erst ohne Deutschkenntnisse schaffen?" Cascantes Forderung: „Die Bürokratie muss unbedingt flexibler werden." Und – noch wichtiger – die Geflüchteten brauchen Beschäftigung. „Kein großes Gewese, einfach Praktika machen lassen, niederschwellige Angebote anbieten. Die Menschen langweilen sich hier – dabei können die was." Das Gros der Menschen, die in Bielefeld Zuflucht suchen, sagt Cascante, möchte hier in Frieden leben. Von dem einen oder anderen könne man noch etwas lernen. „Die Fröhlichkeit meiner Patenfamilie, die allen Widrigkeiten trotzt, die fasziniert mich."

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