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Mit wachem Blick: Isolde Ebel engagiert sich für Senioren und behält zudem die gesamte gesellschaftliche Entwicklung im Auge. Das Foto entstand im Mehrgenerationenhaus der AWO am Heisenbergweg. - © Wolfgang Rudolf
Mit wachem Blick: Isolde Ebel engagiert sich für Senioren und behält zudem die gesamte gesellschaftliche Entwicklung im Auge. Das Foto entstand im Mehrgenerationenhaus der AWO am Heisenbergweg. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Isolde Ebel ist eine der Kandidatinnen für den Frauenpreis

Sie hat in einer Männergesellschaft stets ihre Ziele durchgesetzt

Heidi Hagen-Pekdemir
16.02.2016 | Stand 15.02.2016, 22:37 Uhr

Bielefeld. Isolde Ebel passt einfach in kein Schema. Mit ihren 88 Jahren engagiert sie sich für Senioren und denkt gleichzeitig über eine lebenswerte Welt für junge Menschen nach. Mitten im Leben steht diese Frau. Sie schaut hin, packt an. Schon seit ihrer Jugend. Im zweiten Weltkrieg hat sich die Schülerin um Flüchtlinge gekümmert, hat nach dem Unterricht im Krankenhaus bei der Versorgung Verwundeter geholfen. Schon bald war ihr klar, dass sie Ärztin werden wollte. Einen Studienplatz zu bekommen, gestaltete sich in der Nachkriegszeit als schwierig. "Männer hatten damals an den Universitäten absoluten Vorrang", erzählt die Tochter eines Pfarrers. Doch sie hatte "ein Riesenglück". Unter den 80 Studenten, die an der medizinischen Fakultät in Göttingen angenommen wurden, waren zwei Frauen, eine von ihnen: Isolde Ebel. Nach Abschluss des Medizinstudiums sattelte sie drauf, schrieb sich für Zahnheilkunde in Münster ein. Als Zahnärztin ließ sie sich 1955 in Bielefeld nieder, nachdem sie 1953 geheiratet hatte. Ihr Mann Eberhard leitete die Neurologie und Psychiatrie im Johannes-Krankenhaus. Als SPD-Mitglied gehörte er in den 70er Jahren dem Rat der Stadt an. Auch seine Frau trat in den späten 60ern in die Partei ein, als sachkundige Bürgerin unterstützte sie einige Jahre den Gesundheitsausschuss. "Dieses Gremium bestand damals nur aus Männern, doch wir sind gut miteinander klargekommen", sagt Isolde Ebel mit Augenzwinkern. Ihr soziales Engagement bekam mit dem Eintritt in die AWO ein weiteres Betätigungsfeld. "Mit Herz und Seele" sei sie in den Ortsverein eingezogen, dessen Vorsitz sie 1999 übernahm. 71 war Ebel damals, kurz zuvor hatte sie ihre Zahnarztpraxis geschlossen. Vier Seniorenclubs hat sie betreut, 40 Mitarbeiter eingeteilt. Der Mittagstisch für Senioren entstand auf ihre Initiative, auch eine Frühstücks- und Gedächtnisrunde. Zudem organisierte sie Seniorenreisen. "Nicht alle Veranstalter nehmen über 75-Jährige mit", weiß sie. Und Rollator-Nutzer kommen häufig gar nicht mehr aus ihrer Stadt raus." Begleitet werden die Gruppen von Bewegungs- und Gedächtnistrainern. Spaziergänge, Sitzgymnastik und Rätsellösen gehören bis heute zum Reiseprogramm. Ein wenig Stolz schwingt mit, wenn Ebel von der Rettung des Heinrich-Froböse-Hauses erzählt. Gemeinsam mit der Freien Scholle sei es ihr gelungen, ein Konzept für die Tagesstätte in Schildesche zu entwickeln und den Fortbestand zu sichern. "Damals kamen jährlich 12.000 Besucher. Die können nicht einfach auf der Straße bleiben." Um ihre Senioren kümmert sich Ebel, inzwischen Ehrenvorsitzende des AWO-Ortsvereins, bis heute - in Schildesche und im Mehrgenerationenhaus am Heisenbergweg. Trotz ihres Engagements für gleichaltrige und ältere Menschen - die 88-Jährige hat einen offenen Blick für aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen. "Wie können Frauen Beruf und Familie koordinieren, wenn die Kinder nur zu festgesetzten Zeiten betreut werden?", fragt sie. "Mein Traum ist ein flexibles Angebot, ein Ganztagskindergarten, der zwölf Stunden geöffnet ist, von sieben Uhr morgens bis sieben Uhr abends." Zudem brauchten Frauen einen "verlässlichen Mann", um Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Ebel selbst hatte Glück. "Mach das nur, du schaffst das schon", hat ihr Mann sie stets ermuntert. Einen Wunsch möchte die Frau noch loswerden, die in ihrem Haus viele Jahre ausländische Studenten aufgenommen und mit ihnen Deutsch gelernt hat. "Ich könnte zwei bis drei Flüchtlingskindern bei den Hausaufgaben helfen und ihnen ein Süppchen oder einen Pudding servieren."

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