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Die Kirchen in NRW, sowohl die katholische als auch die evangelische, kümmern sich stark um Flüchtlinge. - © picture alliance / dpa
Die Kirchen in NRW, sowohl die katholische als auch die evangelische, kümmern sich stark um Flüchtlinge. | © picture alliance / dpa

Bielefeld/Paderborn Kirchen machen Integration der Flüchtlinge zur Chefsache

Der Erzbischof ernennt einen Sonderbeauftragten. Beide Kirchen setzen auf Arbeitsgemeinschaften

Johannes Hülstrung
03.02.2016 | Stand 03.02.2016, 12:21 Uhr

Bielefeld/Paderborn. Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker macht sich für die schnellere Eingliederung von Flüchtlingen in Arbeitsleben und Gesellschaft stark. Dazu will er die Flüchtlingshilfe im Erzbistum künftig zentral koordinieren. Becker hat den Vorsitzenden des Diözesan-Caritasverbandes, Domkapitular Thomas Witt, zum Sonderbeauftragten für Flüchtlingsfragen ernannt. „Damit verleiht der Bischof der Flüchtlingshilfe weitere Bedeutung", sagt Witt. Deren Anliegen soll er „nach außen vertreten und Lobbyarbeit in Kirche und Gesellschaft leisten". Für zunächst fünf Jahre wird ein Arbeitskreis „Flucht und Flüchtlinge" eingerichtet. Ägidius Engel, Sprecher des Erzbistums, sieht die Maßnahmen als politisches Statement. „Wenn etwa die AfD-Chefin Frauke Petry auf Flüchtlinge schießen lassen will, brauchen wir jemanden, der sich öffentlich wehrt und sagt: ,Das geht so nicht!’" Diese Aufgabe könne Witt übernehmen. Außerdem hat das Erzbistum mit dem Sozialarbeiter Hezni Barjosef einen neuen Flüchtlingskoordinator eingesetzt. „Damit wollen wir die ehrenamtlichen Aktivitäten zusammenführen", sagt Engel. Barjosef solle zunächst erfassen, wie viele ehrenamtliche Helfer und Flüchtlinge es im Erzbistum gibt. „Wir wollen den Ehrenamtlern so gut wie möglich beistehen" Konkrete Zahlen zum ehrenamtlichen Engagement gibt es auch bei der von Präses Annette Kurschus geführten Evangelischen Kirche von Westfalen nicht. Sie hat mit Pfarrer Helge Hohmann bereits seit knapp sechs Jahren einen Beauftragten für Zuwanderungsarbeit. Unter seiner Leitung wurde im Januar eine AG „Flucht, Migration und Integration" eingerichtet. „Wir wollen den Ehrenamtlern so gut wie möglich beistehen", sagt Sprecher Andreas Duderstedt. Derweil spitzt sich die Situation in Nordrhein-Westfalen weiter zu. Die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge im Land hat sich gegenüber dem Vorjahr vervierfacht. Laut Familienministerium werden derzeit von den örtlichen Jugendämtern 12.526 junge Flüchtlinge betreut, die ohne Eltern oder Verwandte als Asylsuchende nach Deutschland eingereist sind. Zu Beginn des vergangenen Jahres waren es lediglich 3.000. Der Paderborner Bundestagsabgeordnete Carsten Linnemann (CDU) sieht aktuell zwei Risiken in der Flüchtlingsthematik. „Einerseits, dass wir es nicht schaffen, die Flüchtlinge dezentral unterzubringen, damit Integration gelingt", sagte der 38-Jährige bei einem Redaktionsbesuch der Neuen Westfälischen. „Und andererseits das Risiko, dass wir uns nur noch mit diesem Thema beschäftigen."

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