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Boulevard Bielefeld - © Benjamin Möller
Boulevard Bielefeld | © Benjamin Möller

Bielefeld Bielefelder Übergriffs-Fälle erschüttern das Vertrauen der Menschen

Leserreaktionen: Die sexuellen Attacken verängstigen Frauen / Manche berichten von selbst erlebten Ereignissen / Zweifel an der Schutzfähigkeit des Staates / Kritik an Beschwichtigungen und Blindheit in Bezug auf Taten von Migranten

Ansgar Mönter
08.01.2016 | Stand 09.01.2016, 14:41 Uhr

Bielefeld. Ihr Entsetzen über die sexuellen Übergriffe in Bielefeld und anderswo zu Silvester äußern zahlreiche Leser in Briefen an die Redaktion. Thema ist auch das Beschwichtigen und Verschweigen solcher Fälle wegen Beteiligung von Migranten sowie das Versagen der Politik. So schreibt Susanne von Mickwitz Apenbrink: „Bei diesen brutalen, frauenfeindlichen Übergriffen darf es keine Verteidigung der momentanen Situationen in Flüchtlingsheimen geben. Hier müssen die Angreifer gefasst werden und ausgewiesen werden. Wenn hier wieder Pro Asyl Argumente findet, dass die Männer diskriminiert werden, die diese Straftat begangen haben, dann können wir unser freies, schönes Deutschland abschreiben." Über Verharmlosungen der „abscheulichen Taten" ärgert sich Dietmar Moritz: „Für mich fängt der strafbare sexuelle Übergriff schon an, wenn – egal ob bei Frau oder Mann – die nicht einvernehmliche Zudringlichkeit so intensiv ist, dass ohne Einverständnis berührt oder umarmt wird." Michael Benson kritisiert die Polizei: „Wenn es stimmt, dass sie Frauen gesagt haben, dass eine Anzeige wegen Belästigung nichts bringt, dann finde ich das ein starkes Stück. Ist schon klar, dass eine Anzeige Arbeit bedeutet. Aber um Arbeit aus dem Weg zu gehen, eine Frau falsch zu beraten, das führt eher zu Vertrauensverlust gegenüber der Polizei." Anfassen gehört für ihn schon zu einer Gewalttat. Er fragt: „Soll man sich in Zukunft auf Notwehr berufen und selber handeln?" „Muss denn erst wieder was passieren?", schreibt Gabi Gläs verärgert. Auch sie moniert die Reaktion der Polizei. „Die Mädels fühlten sich bedrängt und hatten Angst. Es ist nicht zu fassen. Sind wir Frauen denn vielleicht selbst schuld?" Die Polizisten hätten dazwischengehen müssen oder sofort Hilfe anfordern müssen. „Worauf dürfen wir uns denn jetzt noch einstellen?", fragt besorgt Thorsten Greil. Es sei schon heute ein beklemmendes Gefühl, wenn gerade an Bahnhöfen eine überdurchschnittliche Polizei- und Security-Präsenz zu sehen sei, „nur weil unsere mit Refugee-Welcome–Gejodel empfangenen Gäste offensichtlich mehrheitlich keine Gastkultur zeigen und unsere Lebensweise, Kultur und Religion im Grunde zutiefst verachten." Bislang habe er zumindest Verständnis für die Kriegsflüchtlinge aufgebracht, aber nach den Vorfällen in der Silvesternacht sowie den Überfällen in Bielefeld mit Beteiligungen von südosteuropäischen, arabischen und afrikanischen Tätern „ist meine Toleranz und mein Mitgefühl den Personenkreisen gegenüber infrage gestellt und weitestgehend aufgebraucht." Greil fragt den Oberbürgermeister: „Herr Clausen, ist das Ihr propagiertes, buntes Bielefeld? Mich verwundert zunehmend, dass die gleichen Menschen, die alle Kritiker als besorgte Bürger verlachen, in die Nazi-Schublade stecken und sofort Ausschlag bekommen bei Begriffen wie Stolz und Ehre, gleichzeitig Menschen fröhlich begrüßen und gegen alles verteidigen, die diese Werte absolut großschreiben." „Das werden leider keine Einzelfälle bleiben", fürchtet Angelika Preusser. Wenn viele glauben würden, der Wert einer Frau zähle nichts, „dann haben sie hier nichts zu suchen." Noch schlimmer sei es, diesen auch noch unter dem Deckmantel Flüchtling Hilfe zu gewähren. „Flüchtlinge sehen anders aus und benehmen sich auch anders." „Bielefeld, meine Heimat, die Stadt, in der ich mich bisher wohl und sicher gefühlt habe. Leider ist es nun nicht mehr so", bedauert Mareike Ennen. „Nun heißt es, dass ich mich in meiner Heimat damit abfinden muss, dass ich als Frau gedemütigt und ungewollt an-gefasst werden könnte oder mit ähnlichen Dingen umzugehen habe. Dabei ärgere ich mich über Aussagen diverser Politiker, die mir als Frau öffentlich Tipps zu meinem Verhalten geben möchten. Beispiel: Abstand halten. Fakt ist, dass ich mich als Frau nicht mehr frei bewegen kann, ich bin gefangen in einer neuen Welt, in der Frauen innerhalb von Sekunden eine neue Valenz in der Bevölkerung erreicht haben." „Wehret den Anfängen", mahnt Norbert Peters. Er berichtet von einem eigenen Erlebnis: „East London, Südafrika, Anfang des Jahrtausends. Die Stadt scheint übersät von Gruppen junger Männer, aber auch einzelner Frauen. Man kifft, Mülltonnen brennen, Sex wird auf offener Szene präsentiert. Unsere Stadt ist gekippt, hat mir jemand erklärt. Als eine Ursache nannte er Kontrollverlust des Staates. „Ich halte das, was sich die EU/unser Staat zurzeit an den (Außen-)Grenzen leistet, für Kontrollverlust." Susanne Schmidt berichtet von ihren Erlebnissen an Silvester auf dem Boulevard, erst in Sicherheit in der Bierbörse, dann draußen ohne Sicherheit: „Es war komplett überfüllt, mit Hunderten von Männern scheinbar mit arabischen Hintergrund. Als unsere Gruppe von etwa sechs Leuten versucht hat, durchzukommen, um nach Hause zu gehen, wurde dies echt brenzlig. Die Männer tranken reihenweise selbst mitgebrachtes Bier und ein Durchkommen schien nicht möglich. Irgendwie haben wir es dann doch geschafft, aber es kam in der Gruppe Panik auf. Die Polizei und ein Krankenwagen waren vor Ort. Ein Einschreiten fand nicht statt." Ein Gefühl der Unsicherheit haben auch viele Eltern. Ein Ehepaar berichtete: „Wir als Familie sind selbst durch ein Erlebnis unserer Tochter (20 Jahre) bereits im November 2015 sehr beunruhigt. Auch sie wurde mit einer Freundin im Bereich Boulevard/Jahnplatz von einer Gruppe von sechs jungen Männern arabischer Herkunft bedrängt, begrapscht, festgehalten und angefasst. Beide Mädchen haben Anzeige erstattet. Unserer Meinung nach dürfte die Polizei über die jetzigen Vorfälle nicht so überrascht sein. Unsere Tochter hat seitdem das Gefühl der Angst und Ohnmacht." Ursula G. berichtet ebenfalls von persönlichen Erfahrungen ihrer Tochter mit einer Freundin, geschehen vor Weihnachten: „Die beiden waren auf dem Rückweg von einem Restaurantbesuch, als ihnen acht leicht alkoholisierte südländische Männer entgegenkamen. Als sie auf gleicher Höhe waren, wurden sie zuerst verbal belästigt. Dann gingen mehrere der Männer auf die Freundin meiner Tochter zu und hielten sie fest und es kam zu körperlichen Übergriffen. Die anderen Männer versuchten, meine Tochter auch körperlich anzugreifen. Beide waren nach diesem Erlebnis geschockt. Das Ganze, sagten sie, hatte eine neue, bisher nie erlebte Dimension. Für Heidi Tosberg ist klar: „Ein anderes Frauenbild, es nicht besser zu wissen, kaum Privatsphäre oder zu wenig Integrationsangebote können und dürfen niemals eine Rechtfertigung oder Erklärung für eine solch gravierende Straftat sein. Wer in unserem Land leben möchte, muss sich an das Grundgesetz halten. Und nicht wir sind hier in der Pflicht, sondern jeder Asylsuchende." Die Integration der Migranten werde so lange nicht gelingen, bis wir sie mit der Ausdrucksweise der Angst ansprechen, schreibt Eva Maria Bacso. „Die politisch korrekte Sprache ist in allen Richtungen abgerundet, jeder versteht sie so, wie er es will. Ihre Hauptfunktion ist, den Redner zu beschützen. Der Sprechende verletzt zwar niemanden, sagt aber auch nichts aus, woran einer aus einer anderen Sozialisation sich halten könnte. Was wir über uns inhaltlich sagen, ist wichtig. Aber die Migranten, die unserer Ausdrucksweise nicht folgen können, verstehen nur die ängstliche Haltung, aus der wir zu denen sprechen. Das muss zuerst geändert werden, wenn wir die Migranten so ansprechen wollen, dass sie das Gesagte verstehen und umsetzen."

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