Viel Platz: Am früheren Handwerksbildungszentrum am Kleiberweg beginnt die Stadt mit 80 Plätzen für Flüchtlinge. Hier könnten aber noch weitere Gebäudeteile anders genutzt werden. - © Andreas Zobe
Viel Platz: Am früheren Handwerksbildungszentrum am Kleiberweg beginnt die Stadt mit 80 Plätzen für Flüchtlinge. Hier könnten aber noch weitere Gebäudeteile anders genutzt werden. | © Andreas Zobe

Bielefeld FH-Standorte auf Liste für Flüchtlinge

Krisenstab: Stadt will wieder zwei bis vier Turnhallen belegen. Immobilie Schillerstraße 73a kurzfristig Standort. Land prüft Gebäude an Wilhelm-Bertelsmann- und Kurt-Schumacher-Straße. Duschen im Wiesenbad

Bielefeld. Bielefeld hat erneut "Engpässe" bei der Flüchtlingsunterbringung. Die Dezernenten Ingo Nürnberger und Anja Ritschel erklärten nach der Sitzung des kurzfristig anberaumten Krisenstabs am Freitag, kurzfristig den Labortrakt der FH an der Wilhelm-Bertelsmann-Straße und eine Gewerbeimmobilie an der Schillerstraße 73a belegen zu wollen. In zwei Wochen dürften zwei bis vier Turnhallen folgen. Unterdessen hat auch das Land für seine Zentralen Unterbringungseinrichtungen (ZUE) Bielefeld im Blick. Auf einer Liste, die der Innenminister auf eine kleine Anfrage des Abgeordneten Daniel Schwerd vorlegte, tauchen auch die beiden großen ehemaligen Fachhochschulstandorte Wilhelm-Bertelsmann-Straße (Ingenieurwesen) und Kurt-Schumacher-Straße (Verwaltung und Sozialwesen) als freie Immobilien auf, die für die Unterbringung geflohener Menschen in Frage kämen. Anja Hegener, Sprecherin der Bezirksregierung Detmold, bestätigte, dass es "interne Planungen" gebe. Die seien aber noch nicht abgeschlossen. Auch Carsten Pilz vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes, dem die Immobilien gehören, sagte, dass Gespräche zwischen BLB und RP liefen. Bei einer angedachten ZUE - es wäre die zweite in Bielefeld - käme eine Größenordnung von 500 Flüchtlingen ins Spiel. So viel sind auch im früheren Oldentruper Hof untergebracht. Die beiden FH-Standorte mit mehreren Gebäuden haben zwischen 10.000 und 20.000 Quadratmeter Fläche auf mehrere Gebäude verteilt. An der Bertelsmann-Straße könnte das Land rund 14.500 in Haupt- und Mensagebäude übernehmen. Die Stadt hat Freitag den Schlüssel für den Labortrakt dort mit gut 4.000 Quadratmetern erhalten, den sie mietfrei nutzen kann, teilte Ritschel mit. Hier sollen 140 Flüchtlinge unterkommen. Eigentlich sollten die Räume in Ruhe für Wohnungen hergerichtet werden: "Doch dafür fehlt jetzt die Zeit", so Ritschel, "wir ertüchtigen sie nur als Notunterkunft." Das heißt, es gibt Feldbetten, keine Duschen, allerdings Sanitäranlagen. Die Bädergesellschaft BBF stelle aber die Duschen im Wiesenbad zur Verfügung. Und Duschcontainer seien bestellt. Weitere Flüchtlinge sollen erst mal in den Böllhoff-Hallen am Südring einquartiert werden, wo es einen "Puffer" von 150 Plätzen gebe, und im Rütli mit 30 zusätzlichen Plätzen. Und 80 Plätze sind am freigewordenen Handwerksbildungszentrum Kleiberweg vorgesehen. 120 Flüchtlinge will die Stadt ab Mitte Dezember in der leerstellenden Gewerbeimmobilie an der Schillerstraße einquartieren, die zuletzt Lager war. Auch dies sei nur eine notdürftige Lösung als Turnhallenersatz für die Erstunterbringung. Aber das alles reiche nicht aus, meint der Krisenstab. Deshalb würden in zwei Wochen auch wieder Turnhallen fällig. Schul- und Sportamt bereiteten das vor, kündigte Ritschel an. Sie schließt nicht aus, dass die Belegung sogar ein halbes Jahr lang dauern könnte: "Für Schulen und Vereine wird das nicht ganz einfach." Zugespitzt habe sich die Lage in Bielefeld, weil die Zuweisungszahlen um 50 pro Woche über den Erwartungen lagen, das zweite Gebäude der Tieplatzschule in Heepen erst später bezugsfertig wird und jetzt auch noch das Brandhaus an der Huberstraße (s. Lokalseite 1) ausfalle. Insgesamt kamen seit Anfang Oktober 1.250 Flüchtlinge nach Bielefeld. Die Dezernenten zeigten sich erleichtert, dass die drei Hilfsorganisationen Arbeiter-Samariter-Bund, Johanniter und Rotes Kreuz, die mit im Krisenstab sitzen, "guten Willens sind, die Betreuung zu schaffen", auch wenn die Lage "angespannt" sei. Der Krisenstab soll wieder regelmäßig tagen. Unterdessen bereite Baudezernent Gregor Moss eine Vorlage vor, in der mögliche Gebiete für kurzfristigen Wohnungsbau vorgeschlagen werden. Dabei sei auch an einfache Holzständerbauten gedacht, so Ritschel, mit denen sehr schnell Wohnungen geschaffen werden könnten.

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