Kümmern sich: Die gesundheitliche Inaugenscheinnahme machen die Mitarbeiter des Arbeiter-Samariter-Bundes selbst, wie hier Melanie Schlotterbeck in den Böllhoff-Hallen. - © Andreas Frücht
Kümmern sich: Die gesundheitliche Inaugenscheinnahme machen die Mitarbeiter des Arbeiter-Samariter-Bundes selbst, wie hier Melanie Schlotterbeck in den Böllhoff-Hallen. | © Andreas Frücht

Bielefeld "Man muss Menschen lieben"

Integrationspreis: Der Arbeiter-Samariter-Bund ist eine von fünf Institutionen, die von der Stadt Bielefeld für ihr Engagement in der Flüchtlingshilfe ausgezeichnet wurden

Bielefeld. Nicht nur um "satt und sauber", sondern um die ersten Schritte zur Integration geht es in der Zentralen Unterbringungseinheit (ZUE) Oldentruper Hof, erklärt Ingo Schlotterbeck, Geschäftsführer des Arbeiter-Samariter-Bundes in OWL. Der ASB kümmert sich um die Organisation und die Betreuung der Flüchtlinge in dem ehemaligen Hotel. Dafür zeichnete ihn die Stadt jetzt mit dem Integrationspreis aus. "Wir sorgen dafür, die Menschen zuweisungsfähig zu machen", sagt Schlotterbeck. Dazu gehöre eine gesundheitliche Inaugenscheinnahme, die die ASB-Mitarbeiter selbst durchführen, aber auch die Organisation und der Transport zum Röntgen, Impfen und zu medizinischen Untersuchungen. "Außerdem helfen wir beim Ausfüllen von Formularen und Anträgen", erklärt Schlotterbeck. Der 48-Jährige wohnt eigentlich in Halle, ist aber nur noch selten zu Hause. "Hier passiert 24 Stunden was und ich bin tagtäglich hier", sagt er. Gäste nennt er die Menschen, um die er sich kümmert, und nicht Flüchtlinge. "Man muss Menschen schon lieben, sonst kann man das hier nicht machen." Diese Wertschätzung der ankommenden Menschen zeichnet die Arbeit des ASB aus. Ingo Schlotterbeck macht das natürlich nicht allein. Etwa 100 ehrenamtliche Helfer unterstützen den ASB und 50 hauptamtliche Kräfte sind im Oldentruper Hof im Einsatz. "Eine Psychologin ist zum Beispiel zweimal in der Woche hier und kommt auch auf Abruf." Vier Pädagoginnen sorgen im Kinderhort für 60 bis 90 Kinder, zwei Mitarbeiter kümmern sich um die Kleiderkammer und eine Sozialarbeiterin organisiert Sportangebote, zum Teil vor Ort, zum Teil in Kooperation mit Vereinen. Mehr als 150 neue Stellen hat der ASB-Regionalverband geschaffen, seit die Verantwortlichen der Bezirksregierung Arnsberg vor einem Jahr beim ASB anfragten, ob die Organisation den Betrieb einer ZUE in Detmold übernehmen will. Im vergangenen August kam der Oldentruper Hof als zweite ZUE dazu und im September die Böllhoff-Halle als Notunterkunft, in der es in erster Linie um die Grundbedürfnisse und ein Dach über dem Kopf gehe. "Wir fahren solche Einrichtungen mit unseren 140 eigenen ehrenamtlichen Helfern des Katastrophenschutzes hoch", erklärt Schlotterbeck. Nach 24 Stunden seien dann die Hauptamtlichen in der Verantwortung und nach und nach kämen Bürger dazu, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren möchten. Eine Sozialarbeiterin ist extra dafür da, deren Arbeit zu koordinieren. Um den Einsatz der vielen Freiwilligen zu würdigen, plant der ASB Anfang Dezember eine Weihnachtsfeier mit allen Ehrenamtlichen und deren Partner. Hauptamtliche Kräfte seien aber mittlerweile schwer zu finden, betont Ingo Schlotterbeck: "Der Markt für Sanitätsdienstpersonal und Sozialarbeiter ist zurzeit leergefegt." Die meisten Stellen, die der ASB anbieten kann, sind bis 2016 befristet. "Dann werden die Aufträge für den Betrieb der Flüchtlingsunterkünfte neu ausgeschrieben. Der ASB wird sich aber dafür bewerben."

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