Großes Interesse: Baudezernent Gregor Moss und Moderator Frank Heinze bringen beim ersten Bürgerdialog gut 200 Zuhörern die Möglichkeiten näher, wie die Kasernen der britischen Streitkräfte nach ihrem Abzug genutzt werden könnten. - © Andreas Frücht
Großes Interesse: Baudezernent Gregor Moss und Moderator Frank Heinze bringen beim ersten Bürgerdialog gut 200 Zuhörern die Möglichkeiten näher, wie die Kasernen der britischen Streitkräfte nach ihrem Abzug genutzt werden könnten. | © Andreas Frücht

Bielefeld Auftakt zu Dialog über Kasernennutzung

Konversion: Gut 200 Menschen interessieren sich für die zukünftige Nutzung von 470 Wohnungen und zwei großen Militärstandorten der britischen Streitkräfte. Osnabrücker Vorbild zeigt mögliche Umsetzungen

Bielefeld. "Die Zeiten sind vorbei, dass wir davon ausgehen können, immer weniger zu werden. Wir brauchen dringend Wohnraum", sagt Baudezernent Gregor Moss angesichts der aktuellen Migrationsentwicklung gleich zu Beginn des ersten Konversionsdialogs am Freitagabend im Kultur- und Kommunikationszentrum Sieker. Er macht keinen Hehl daraus, welche Prioritäten die Stadt Bielefeld sieht, wenn sie allein über die Nachfolgenutzung der britischen Flächen und Wohneinheiten entscheiden könnte. 2018 werden die Briten an sieben Standorten rund 470 Wohnungen übergeben. Ende 2019 sollen dann noch die beiden Kasernengelände ("Catterick" mit 34 Hektar an der Detmolder Straße und "Rochdale" mit 9 Hektar an der Oldentruper Straße) folgen. Besitzer der Liegenschaften ist der Bund, der die Konversionsflächen über die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) veräußern wird. Wichtig: Die Kommune hat ein Erstzugriffsrecht. "Grundsätzlich hat die Stadt Interesse an den Flächen, weil es städtebaulich hochinteressante Standorte sind", betonte Moss auf die Frage der Zuhörer, ob die Stadt von dem Recht Gebrauch machen wird. "Die große Frage ist aber, ob das wirtschaftlich zu stemmen ist." Dazu seien Investoren und Wohnungsbaugesellschaften mit ins Boot zu holen. "Das ist nur mit vereinten Kräften umzusetzen." Auf den Begriff "Investor" kamen gleich mehrere sorgenvolle Fragen, inwieweit die Bürger dann noch beteiligt werden könnten, wenn Investoren im Spiel sind. Moss betonte, dass ja hier alle Teil der ersten Bürgerbeteiligung seien: "Wir werden keinen Vorschlag von vornherein verwerfen." Ob aber angesichts der angespannten Wohnraumlage die Catterick-Kaserne als Parkanlage eine Zukunft hat, wie ein Bürger vorschlug, scheint zweifelhaft. Ein anderer wünschte sich ein multikulturelles Zentrum für Künstler aber auch für Flüchtlinge. Diskutiert wird alles. Die Erfahrungen von Thomas Rolf, Konversionsbeauftragter in Osnabrück, lassen erste Rückschlüsse zu. Die Stadt Osnabrück konnte bereits 2006 über die Umwandlung von vier Kasernenstandorten (61 Hektar) und 1.350 Wohneinheiten nachdenken. Dort habe es zwei extreme Standpunkte gegeben: "Der Bund wollte 750 Wohnungen im Paket veräußern. Die Stadt wollte die Flächen lieber kleinteilig vermarkten. Am Ende kam ein Kompromiss dabei heraus", so Rolf. Das heißt, dass die attraktiven Einzelobjekte jeweils zum Höchstpreis auf dem Markt verkauft wurden - "und das sehr zügig". Dafür konnte die Stadt bei Paket-Veräußerungen Festpreise zur Bedingung machen, so dass dort der soziale Wohnraumaspekt nicht zu kurz kam. In den ehemaligen Kasernen entstanden zudem ein Hochschulcampus, ein Grünzug, ein Wissenschaftspark, aber auch sehr viel Wohnungsbau. In einem Fall sei die Umsetzung einer privaten Wohnungsbaugesellschaft allerdings nicht nach Wunsch gelaufen: "Die haben wenig angepackt. Heute werden die 350 Wohnungen sehr billig vermietet und die Stadt muss dort sozialarbeiterisch eingreifen." Die Stadt Bielefeld will ihren Konversionsdialog mit den Bürgern fortführen.

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