0
Zeigt das Verfahren: Student Alexander Gräwe von der Uni Bielefeld hat den K.-o.-Tropfen-Schnelltest mitentwickelt. Im unteren Teil der Box befindet sich der Teststreifen. Auf dem Smartphone ist zu sehen, was für Substanzen sich im Wasser befunden haben. - © Andreas Zobe
Zeigt das Verfahren: Student Alexander Gräwe von der Uni Bielefeld hat den K.-o.-Tropfen-Schnelltest mitentwickelt. Im unteren Teil der Box befindet sich der Teststreifen. Auf dem Smartphone ist zu sehen, was für Substanzen sich im Wasser befunden haben. | © Andreas Zobe

Bielefeld Studenten entwickeln Schnelltest für den Nachweis von Ko-Tropfen

Forschung: Studenten der Uni Bielefeld entwickeln K.o.-Tropfen-Teststreifen und sind damit bei den Oscars der Synthetischen Biologie in Boston erfolgreich. Unternehmen könnten ihn auf den Markt bringen

Ariane Mönikes
14.11.2015 | Stand 15.11.2015, 08:43 Uhr |

Bielefeld. Bewusstseinsstörungen, Willenlosigkeit und Bewusstlosigkeit - K.-o.-Tropfen haben eine perfide Wirkung. Studenten der Uni Bielefeld haben einen Teststreifen entwickelt, mit dem jeder ganz leicht und schnell testen könne, ob sich K.-o.-Tropfen im Getränk befinden. Mit dem Projekt haben sie jetzt beim "iGEM-Wettbewerb" in Boston, den Oscars der Synthetischen Biologie, abgesahnt. Erste Unternehmen haben schon Interesse gezeigt, den Schnelltest auf den Markt zu bringen, sagt Jörn Kalinowski, Professor am Centrum für Biotechnologie (CeBiTec) der Uni Bielefeld. Ziel des Bielefelder Teams war es, einen papierbasierten Biosensor zu entwickeln, der unter anderem K.-o.-Tropfen nachweisen kann. In einer Umfrage hatte das Team zuvor ermittelt, dass diese Substanz für die Bielefelder von besonderem Interesse ist. Nach sechs Monaten Arbeit haben die zehn zum Team gehörenden Studenten in Boston einen Teststreifen präsentiert, der über ein Farbsignal Verunreinigungen anzeigt. "Das Signal wird mit Hilfe von zwei Farbfiltern und einer Smartphone-App ausgewertet", erklärt Student Alexander Gräwe. Dieses Verfahren mache die Anwendung besonders einfach. "Uns war wichtig, etwas zu entwickeln, dass später auch außerhalb des Labors verwendet werden kann", sagt Studentin Anna Dreyer. Die Studenten hatten zunächst Bakterien dazu gebracht, verschiedene Substanzen im Trinkwasser zu erkennen und nachzuweisen. Diese Tests seien aber sehr aufwendig. Deshalb haben sie sich für ein alltagstaugliches, zellfreies System entschieden, das auf dem Zusammenspiel von Proteinen und DNA beruhe. Für das Verfahren programmierten die Studenten sogar eine eigene App. Um das Smartphone zu fixieren, hat das Team eine Spezialkonstruktion aus Kunststoff hergestellt, in die auch der Teststreifen geschoben wird. Nach einer Reaktionszeit von 30 bis 60 Minuten ist die Analyse beendet. In Boston gewannen die Bielefelder damit Preise für das beste Umweltprojekt, die beste Präsentation und die beste integrierte Öffentlichkeitsarbeit. Der K.-o.-Tropfen-Sensor wurde in der Kategorie "Best Composite Part" ("Zusammengesetzter DNA-Baustein") gesondert ausgezeichnet. Zudem wurden die Studenten für ihre Arbeit am Thema Biosicherheit gewürdigt. "Wir haben uns besonders gefreut, dass sogar das FBI unsere Arbeit gelobt hat", sagt Teammitglied Janina Lüders. Immer mehr Frauen und Mädchen werden Opfer von Vergewaltigungen nach K.-o.-Tropfen, heißt es von der Opferhilfe "Weißer Ring". Laut Polizeisprecher Michael Kötter gibt es pro Jahr in Bielefeld bis zu zehn Anzeigen, die im Zusammenhang mit K.-o.-Tropfen stehen - Raub-Delikte, aber auch Vergewaltigungen seien dabei. In den meisten Fällen aber könnten die K.-o.-Tropfen im Körper nicht mehr nachgewiesen werden, weil sich die Opfer zu spät melden, erklärt er. In Blut und Urin ist ein Nachweis nur bis etwa zwölf Stunden nach Einnahme möglich. Die Polizei rät Opfern, sich so schnell wie möglich bei der Polizei zu melden.

realisiert durch evolver group