33 Hektar groß: Auf dem Areal der Catterick-Kaserne befinden sich neben Sportplätzen, Funktionshallen und Verwaltungsgebäuden vier Wohnblöcke, die erst 2003 und 2004 erbaut wurden. - © Stadt Bielefeld
33 Hektar groß: Auf dem Areal der Catterick-Kaserne befinden sich neben Sportplätzen, Funktionshallen und Verwaltungsgebäuden vier Wohnblöcke, die erst 2003 und 2004 erbaut wurden. | © Stadt Bielefeld

Bielefeld Ideensuche für Briten-Immobilien

Konversion: Stadtentwickler laden am Freitag zum Bürgerdialog ins Kultur- und Kommunikationszentrum. Umwandlung militärischer Objekte bedeutet große Chance für Stieghorst

Bielefeld. Voraussichtlich im Jahr 2019 wird das britische Militär seine beiden Bielefelder Kasernen mit einer Gesamtfläche von 42 Hektar in Stieghorst freigeben. Hinzu kommen sieben Wohnstandorte mit 470 Wohneinheiten in Mitte, Stieghorst, Heepen und Brackwede. Schon jetzt möchte die Stadt Nachbarn und Interessenten an einem öffentlichen Dialog beteiligen. "Allein die Fläche der beiden Kasernen bedeuten Perspektiven für die Stadtentwicklung, die es hier lange nicht mehr gab", sagt Bodo Temmen, Abteilungsleiter für Stadtentwicklung im Bauamt. "Wir wollen jetzt zusammen mit den Bürgern über die zivile Nachfolgenutzung diskutieren. Was wird benötigt? Welche Anregungen und Fragen haben die Bürger? Wo ist Wohnen und wo ist Gewerbe nötig?" Um diese Ideen zu sammeln, lädt das Bauamt am Freitagabend um 18 Uhr zum ersten Konversionsdialog ins Kultur- und Kommunikationszentrum Sieker (KuKS) an der Meisenstraße ein. "Zu einem frühen Stadium des Planungsprozesses", betont Temmen. Ausgehend von einer Idee der Paprika-Koalition, die Michael Gugat von den Piraten im Mai so skizzierte: "Besser, die Bürger gestalten mit, als dass sie nachher nur noch sagen können, was sie nicht wollen." Beim ersten von zwei geplanten Dialogveranstaltungen sollen Vertreter aus Osnabrück, Münster und Paderborn, die mit der Umwandlung britischer Objekte schon länger zu tun haben, Beispiele zeigen und Impulse geben. Aber auch die Bielefelder Stadtentwickler sind nicht ahnungslos: In den 90er Jahren wurden hier schon diverse Kasernen umgewandelt: "Harrogate" (Oldentruper Straße), "Ripon" (Detmolder Straße), "Redcar" (Friedrich-Hagemann-Straße) und "Richmond" (Am Stadtholz). Doch was steht ab 2019 zur Disposition? Die Catterick-Kaserne an der Detmolder Straße mit einer Fläche von 33 Hektar ist derzeit das Hauptquartier der britischen Streitkräfte. Dort finden sich Sportplätze, eine Schule, ein britischer Supermarkt und diverse größere Freiflächen, die als Exerzierplätze dienten. Das Gelände der Rochdale-Kaserne an der Oldentruper Straße, in der bisher Militärfahrzeuge instand gesetzt werden, ist neun Hektar groß. Hinzu kommen sechs von den Briten angemietete Wohnstandorte mit 276 Wohneinheiten in Brackwede, Gadderbaum, Mitte, Stieghorst und Sennestadt. "Diese Objekte sind teilweise frei oder werden bald abgegeben", so Temmen. Anders ist das mit den 470 Wohneinheiten an sieben Standorten in Mitte, Heepen, Stieghorst und Brackwede, die im Besitz der Bundesrepublik sind. Diese 50er-Jahre-Siedlungen sind zu großen Teilen noch bewohnt - darunter Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser. Sie beherbergen in Bielefeld 500 Soldaten, 300 Zivilangestellte und 1.000 Familienangehörige und könnten den angespannten Bielefelder Wohnungsmarkt sehr entlasten. "Städtebaulich seien die Standorte gut ins Stadtbild integriert", betont Stadtentwicklerin Uta Jülich. Umso größer sind die Sorgen, dass sich nicht nur die schön gelegenen Wohnhäuser am Fuße des Teutos zu teuren Spekulationsobjekten entwickeln. Auszuschließen ist das nicht: "Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben wird die Objekte vermarkten - und das zu marktüblichen Preisen", so Jülich. "Aber die Stadt hat eine Erstzugriffsoption." 1. Konversionsdialog, Freitag, 20. November, um 18 Uhr im KuKS, Meisenstraße 65. Infos und ein Beteiligungsformular unter www.bielefeld.de (Suchbegriff: "Konversion").

realisiert durch evolver group