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Verstärkung: André Blitz (links) unterstützt als ehrenamtlicher Mitarbeiter AWO-Beraterin Regine Stoller-Wegener und Resortleiter Peter Buchmann. - © H. Gottfried Dittmann
Verstärkung: André Blitz (links) unterstützt als ehrenamtlicher Mitarbeiter AWO-Beraterin Regine Stoller-Wegener und Resortleiter Peter Buchmann. | © H. Gottfried Dittmann

Bielefeld Pilotprojekt: AWO Bielefeld testet kostenlosen Baufinanzcheck

Erstgespräch bei drohendem Immobilienverlust

Hans-Georg Gottfried Dittmann
13.10.2015 | Stand 13.10.2015, 15:39 Uhr

Bielefeld. Die Schuldnerberatung der AWO Ostwestfalen-Lippe wird eine kostenlose Erstberatung zum Thema Baufinanzcheck starten. Sie soll den Eigentümern helfen, ihre Immobilie trotz finanzieller Schieflage zu behalten. Die Erstberatung ist als Pilotprojekt zunächst auf Bielefeld und die Zeit von Oktober bis Dezember beschränkt. André Blitz wird als ehrenamtlicher Mitarbeiter Klienten beraten und versuchen, mit den Ratsuchenden einen Haushaltsplan und eine Baufinanzierung zu erstellen. Zudem will der pensionierte Ingenieur die benötigten Unterlagen auf Vollständigkeit prüfen. Dafür wurde er sechs Monate lang eingearbeitet und wird von AWO-Beraterin Regine Stoller-Wegener unterstützt. Die Gespräche mit den Klienten sollen bis zu einer Stunde dauern und am Ende eine Einschätzung ermöglichen, ob eine weiterführende Beratung und organisatorische Hilfe notwendig ist. Auch die AWO bietet eine Bauschuldnerberatung an, sie ist im Gegensatz zum Erstgespräch allerdings gebührenpflichtig. Denn sie muss sich, im Gegensatz zur allgemeinen Schuldnerberatung, selbst finanzieren. Die erste Grundberatung kostet pauschal 120 Euro, danach wird nach dem entstandenen Arbeitsaufwand berechnet. Doch die Investition kann sich lohnen, denn im Normalfall geht es um eine Summe zwischen 150.000 und 350.000 Euro. „Bisher konnten 30 bis 40 Prozent der Fälle saniert werden“, sagt Stoller-Wegener. „Doch auch den anderen Menschen konnten wir bei der Restschuldregulierung helfen, mit oder ohne privater Insolvenz.“ Die Betriebswirtin ist als einzige Angestellte bei der AWO für die Bauschuldnerberatung tätig und auf ehrenamtliche Helfer wie Blitz angewiesen. Auch die Kooperationspartner, die Schuldnerhilfe Köln, die Schuldnerberatung des Caritasverbandes für die Dekanate Ahaus und Vreden, können nicht mehr Personal bereitstellen, aber durch diesen Verbund kann eine landesweite Beratung angeboten werden. Mittlerweile kann die AWO-Bauschuldnerberatung auf ein gewachsenes Netzwerk von Ansprechpartnern zurückgreifen und dadurch nicht nur fachkundig sondern auch schneller helfen. „Wir wissen, wen wir ansprechen müssen, um einem Kunden helfen zu können“, sagt Stoller-Wegener, die vor mehr als zehn Jahren die Bauschuldnerberatung für Ostwestfalen-Lippe aufgebaut hat. „Das erleichtert uns natürlich die Arbeit.“ Aber die Fälle werden nicht leichter. „Verglichen mit den ersten Beratungen vor zehn Jahren, sind die Fälle, die uns heute zugetragen werden, ein Vielfaches komplizierter“, so die AWO-Beraterin. „Selbst wir müssen uns erst einmal durch die Unterlagen wühlen.“ Dies ist durchaus wörtlich zu verstehen. „Ich habe zuletzt die Papiere eines Kunden sortiert, die in zwei Sporttaschen abgegeben wurden“, sagt Blitz.

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