"Statt ständig irgendwelche Statistiken zu erstellen, sollten Sie sich endlich um Ihre Aufgaben kümmern": Malermeister Markus Mittwoch ist derzeit nicht gut auf die Handwerkskammer OWL und deren Präsidentin Lena Strothmann zu sprechen. - © Sarah Jonek
"Statt ständig irgendwelche Statistiken zu erstellen, sollten Sie sich endlich um Ihre Aufgaben kümmern": Malermeister Markus Mittwoch ist derzeit nicht gut auf die Handwerkskammer OWL und deren Präsidentin Lena Strothmann zu sprechen. | © Sarah Jonek

Bielefeld Bielefelder Handwerker sind sauer auf die eigene Kammer

Malermeister prangert Untätigkeit bei "fragwürdigen Geschäftsleuten" und Wettbewerbsverzerrungen an

Ansgar Mönter

Bielefeld. Als der Brief zur Konjunkturumfrage der Handwerkskammer bei ihm im Briefkasten lag, da reichte es Markus Mittwoch. Der Malermeister setzte sich an den Computer und verfasste einen Brief an die eigene Vertretung, zu Händen Präsidentin Lena Strothmann. Er fordert, dass sich die Handwerkskammer weniger um "irgendwelche Statistiken" kümmert, dafür mehr um "fragwürdige Geschäftsleute" und Wettbewerbsverzerrungen, die ihm und den Kollegen das Arbeitsleben schwermachen. Drei Punkte zählt der Malermeister auf, die ihn nerven: 1 "Es gibt immer mehr Scheineinstellungen von Meistern, nur damit Handwerker ohne ausreichend Qualifikation einen Betrieb eröffnen können." Mittwoch schätzt, dass mittlerweile etwa 20 Prozent der Betriebe von solchen "fragwürdigen Geschäftsleuten" geführt werden und sich damit einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Die Meister, die ihren Namen hergeben, erhielten Geld, arbeiteten aber nicht wirklich in dem Betrieb. Unter anderem meint er auch die Hausmeister-Dienstleister damit. Die Handwerkskammer entgegnet, dass von den 60 Neueintragungen des vergangenen Jahres - 1.100 Meisterbetriebe gibt es in OWL insgesamt - elf in die Kategorie Ausnahmeregelung fallen würden. Dabei müsse weiter differenziert werden. "In zwei Fällen lag schon ein Meisterbrief in einem anderen Gewerk vor, in vier Fällen waren es Altgesellen mit mehr als sechs Jahren Berufserfahrung, in fünf Fällen tatsächlich Ausnahmen", sagt Hauptgeschäftsführer Michael Heesing. Für ihn sind es letztlich nur neun Ausnahmefälle. Die Möglichkeit wurde einst von Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) eingeführt. 2Für Markus Mittwoch sind eingetragene Vereine wie "Kurz Um" "ganz normale Wirtschaftsbetriebe". Deshalb findet er es ungerecht, dass Kurz Um nur 7 statt wie alle anderen 19 Prozent Mehrwertsteuer berechnen muss. Die 12 Prozent, die er mehr abführen müsse, könne er an anderer Stelle kaum einsparen. Die Handwerkskammer erinnert hingegen an die Gemeinnützigkeit des Vereins, der auch "nicht ganz so flotte Mitarbeiter" einstelle, damit die in den Arbeitsmarkt finden. Anke Schmidt, Geschäftsführerin von Kurz Um, wirbt um eine vollständige Betrachtung. Man stelle Langzeitarbeitslose und "Jugendliche mit multiplen Vermittlungshemmnissen" ein, wie es im Sozialdeutsch heißt. Der Aufwand in der Ausbildung sei mitunter deutlich höher als in Betrieben ohne diese soziale Pflicht. "Außerdem kommen die 7 Prozent Abrechnung real kaum noch vor", sagt Schmidt. Sobald Materialien zum Auftrag gehören, entfalle die Steuerreduzierung, etwa bei Tischlerarbeiten. Reine Malerarbeiten jedoch, sofern sie nicht mit Dämmungen verbunden sind, können schon noch mit 7 Prozent abgerechnet werden. 3 Ärgerlich findet Mittwoch auch die EU-Bestimmungen, die heimischen Betrieben bei EU-Ausschreibungen kaum Chancen lassen. "Unsere Lohnnebenkosten sind im Vergleich zu Anbietern aus Rumänien oder Bulgarien viel zu hoch." Diese könnten mit Stundenlöhnen von rund 15 Euro kalkulieren, er und andere Kollegen müssten 39 bis 42 Euro zu Grunde legen. "An Ausschreibungen nehmen ich deshalb gar nicht mehr teil." Heesing kann den Ärger darüber verstehen, aber er fühlt sich machtlos: "Das sind die Regeln der EU." Die Handwerkskammer OWL könne da keinen wirklichen Einfluss nehmen, auch nicht Präsidentin Lena Strothmann, die für die CDU im Bundestag sitzt.

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