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Mitte Freifunk-Router im Café des Welthauses installiert

Mehr als Internet umsonst

Elena Gunkel
21.08.2015 | Stand 20.08.2015, 22:21 Uhr

Mitte. Bisher konnten die Besucher des Cafés im Welthaus hauptsächlich von der fair gehandelten Schokolade und den Kaffeespezialitäten aus aller Welt profitieren. Nun soll hier auch anonymem und kostenfreiem Surfen im Internet nichts im Wege stehen. Unter dem Motto "WLAN für alle ohne Überwachung und Abzocke!" hat der heimische Landtagsageordnete Matthi Bolte gemeinsam mit den Vertretern der Freifunk-Bewegung gestern im Café einen WLAN-Router installiert. "Mit dieser Aktion wollen wir unsere Unterstützung der Freifunker zum Ausdruck bringen und einen Beitrag zur Ausbreitung der Freifunk-Netzen in der Stadt leisten", sagt Bolte. Unter Abzocke im Internet verstehen die Politiker unter anderem die Tatsache, dass die User bei jedem Anschluss mit ihren Daten für die Internetnutzung zahlen müssen. Der Netzzugang über die Router der Freifunker soll hingegen völlig anonym erfolgen. "Es werden keine Daten protokolliert", versichert Ralf Neumann von den "Piraten", der bei der Bewegung mitmacht. Nach eigenen Worten ist Neumann mit freiem Internet aufgewachsen. Daher hält er die Maßnahmen zur allgemeinen Datenspeicherung, die zurzeit in der Großen Koalition diskutiert werden, für überflüssig. "80 Millionen Menschen zu überwachen, um einen vermeintlichen Terroranschlag zu verhindern, - das ist unverhältnismäßig", sagt der Politiker. "Viele Menschen haben Vorurteile gegen das Internet", sagt Neumann. "Sie bringen das Netz in Verbindung mit jeglichen Verbrechen zusammen, selbst wenn es keinen Sinn ergibt. Telekom wird ja auch nicht verklagt, wenn jemand einen falschen Bombenalarm auslöst." Die Freifunk-Community setzt sich unter anderem gegen die Vorgehensweise, bei der der Anschlussinhaber fürs Verbrechen im Netz haftet (die so genannte Störerhaftung). Mit den Freifunk-Routern, die die Anhänger der Bewegung deutschlandweit verbreiten, wollen sie dafür sorgen, dass es nicht mehr gegen den Anschlussinhaber vor Ort vermittelt wird. "Man könnte dann höchstens gegen die Initiative Freifunk Berlin vermitteln. Doch sie besitzen nun den Status eines Providers und sind dadurch rechtlich geschützt", erklärt Neumann. "Freifunk bedeutet mehr als Internet umsonst", sagt Bolte. "Dahinter steckt eine besondere Philosophie des Teilens, die zur Demokratisierung des Netzes und der Verbreitung eines freien Internets beitragen soll." Zu den Freifunk-Vorreitern in OWL gehört unter anderem Herford. Laut Michael Koch von den Herforder Freifunkern wurden dort Ende 2014 nicht nur viele Geschäfte am Radewig mit den WLAN-Routern ausgestattet, sondern die Geräte wurden sogar auch auf den Kirchentürmen unterbracht. "Wir haben uns schon lange überlegt, einen WLAN-Router im Café zu installieren und waren von der Idee sofort begeistert", sagt Stephanie Haase vom Welthaus-Café. "Für uns war es eindeutig eine Win-Win-Situation." In der Zukunft planen die Freifunker laut Neumann, die Erstaufnahmeeinrichtungen und die Unterkünfte für die Flüchtlinge in Bielefeld mit den WLAN-Routern auszustatten. "Für die meisten ist das Internet die einzige Möglichkeit, um den Kontakt mit der Familie zu halten", sagt der Pirat. "Daher ist der freie Netzzugang für sie unabdingbar wichtig."Die Freifunk-Bewegung In Bielefeld gibt es die Freifunk-Bewegung zwar erst seit 2,5 Jahren. „Doch in OWL ist die Stadt inzwischen zu einer zentralen Anlaufstelle geworden“, sagt Ralf Neumann. Die Freifunker treffen sich gewöhnlich in den Räumlichkeiten des Vereins Hackerspace an der Sudbrackstraße, um neue Projekte zu besprechen. In der Region betreiben sie inzwischen rund 500 Router, darunter rund 150 in Bielefeld. Der WLAN-Router im Welthaus ist der zweite Freifunk-Knoten zwischen der Kavalleriestraße und August-Bebel-Straße.

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