0

Bielefeld Gilead-Chefarzt Prof. Martin Driessen im Interview: ,,Burnout ist keine Krankheit"

Fragen an Gilead-IV-Chefarzt Professor Martin Driessen in Bethel

28.07.2015 | Stand 27.07.2015, 21:25 Uhr

Ist Burnout eine Modekrankheit? Immer mehr wollen Party feiern, Spaß haben, nicht nur am Wochenende, und Montagmorgen kommen sie gestresst zur Arbeit...

DRIESSEN: Burnout ist keine Erkrankung, darin sind sich alle Experten einig. Burnout ist ein Risiko-Zustand, der ein Risiko darstellt für körperliche und psychische Erkrankungen. Im Grunde genommen handelt es sich um eine Interaktionsstörung, ein Wechselspiel zwischen Arbeitsbedingungen und Persönlichkeitsfaktoren. Betroffen sind vor allem Menschen, die übermäßig fleißig, ehrgeizig, die genau sind und gerne etwas bewegen wollen, beispielsweise in einem Betrieb. Wenn der Betrieb aber die Möglichkeit nicht gibt, bei sehr ausgeprägter Hierarchie und schlechtem Betriebsklima, auf die Prozesse aktiv Einfluss zu nehmen, dann ist das eine Konstellation, die ein Burnout, also, das Gefühl des Ausgebranntseins, tatsächlich objektiv zu schlechteren Leistungen führen kann.

Haben Sie als Chefarzt Forderungen an den Gesetzgeber einerseits? Und, haben Sie andererseits Vorstellungen, wie die individuelle Freiheit eines psychisch kranken Betroffenen rechtlich weiter verbessert werden kann?

DRIESSEN: Wir brauchen auch für den Bereich der psychischen Gesundheit eine passgenauere Versorgung. Was nicht passieren darf ist, das leichte Erkrankungen schnell, gut und intensiv behandelt werden, schwere und chronisch Erkrankte schlechteren Zugang zu Gesundheitsleistungen haben. Die Situation hat sich verbessert, aber sie muss sich noch weiter verbessern. Was die individuellen Rechte des Einzelnen betrifft, so sind sie in den letzten Jahren deutlich gestärkt worden in verschiedenen Rechtskreisen. Diesen, auch politisch gewollten Prozess begrüßen wir sehr. Allerdings gibt es Grenzen zwischen der individuellen Freiheit und den Ansprüchen, die andere, Dritte, an die einzelne Person stellen.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

Kommentar abschicken
realisiert durch evolver group