Einfach glücklich: Dieser Zustand ist gar nicht so unmöglich, wie viele denken. Allerdings kommt es auf die Definition an. - © dpa
Einfach glücklich: Dieser Zustand ist gar nicht so unmöglich, wie viele denken. Allerdings kommt es auf die Definition an. | © dpa

Bielefeld Zum Tag der Freude: Wie man sein Glück selbst schmiedet

Glück hängt nicht vom Zufall ab, sondern von Training, behaupten Forscher

Anneke Quasdorf

Bielefeld. Jeder ist seines Glückes Schmied. Das ist nicht nur ein olles Sprichwort, sondern das Ergebnis streng wissenschaftlicher Forschung. Seit den 80er Jahren sind deutsche Psychologen, Philosophen und Ökonomen dem Glück auf der Spur. 2012 trainierten Forscher an der Universität Zürich mit 180 Männern und Frauen Charakterstärken wie Optimismus, Dankbarkeit und Freundlichkeit. Das Ergebnis: Nach zehn Wochen fühlten die Teilnehmer sich positiver. Von nichts kommt also nichts. Dieser Meinung ist auch Karl-Heinz Ruckriegel, Professor für Volkswirtschaft und Psychologische Ökonomie an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg und Fachmann für Glücksforschung. Er weiß: Wer positive Emotionen stärkt und negative Emotionen auf jene beschränkt, die ihm wirklich weiterhelfen, geht dem Glück mit großen Schritten entgegen. Dazu muss der Laie allerdings zuerst mal verstehen, dass das Glück in der Wissenschaft nichts mit dem Zufallsglück, also dem Lottogewinn zu tun hat. Ruckriegel: „Wenn Glücksforscher vom Glück sprechen,dann geht es um das subjektive Wohlbefinden. Dieses wird in zwei Ausprägungen erfasst:das emotionale Wohlbefinden,das sind die Glücksmomente, und das kognitive Wohlbefinden, die generelle Lebenszufriedenheit.“Positive Gefühle üben Beeinflussen lassen sich beide Ebenen. „Beim kognitiven Wohlbefinden kommt es stark auf die Erwartungen an“,so Ruckriegel.„Wenn jemand diese immer so hoch ansiedelt,dass er ständig frustriert ist, kann sich keine Zufriedenheit einstellen.“ Und auch beim emotionalen Wohlbefinden kann jeder Mensch an ein paar Rädchen drehen: „Man kann positive Gefühle üben, Dankbarkeit zum Beispiel. Dazu muss man versuchen, die Dinge, die einem über den Tag widerfahren, bewusst zu erleben und wertzuschätzen.“ Eine gute Übung ist ein Dankbarkeitstagebuch: Hier werden abends drei Dinge notiert, die tagsüber gut gelaufen sind. „Wir wissen aus den Forschungsergebnissen der Psychologie,dass man seine Sicht auf das Leben ändert, wenn man das mal ein Vierteljahr gemacht hat.“ Wie man lacht, erklären Piggeldy und Frederick im Video: Klingt einfach, ist es aber nicht,weiß Rainer Dollase, pensionierter Professor für Psychologie an der Universität Bielefeld. Denn das negative Denken ist im Menschen verankert.„Es gibt viele Leute,die hängen sich neue Gardinen auf und denken als Erstes: ,Hoffentlich werden die nicht so schnell dreckig wie die alten.’ Da ist sofort eine negativ-besorgte Deutung der Realität, dieses Schema rastet bei vielen immer ein. Wer aber die ganze Welt melancholisch-besorgt wahrnimmt, der wird zwangsläufig unglücklich.“Von Geburt an Miesepeter Positiv denken als Schlüssel zum Glück – doch was,wenn man als Miesepeter zur Welt gekommen ist? Genetisch liegt das nämlich durchaus im Bereich des Möglichen. „Tatsächlich sind in der Psychologie bestimmte Eigenschaften definiert, die von Geburt an in uns angelegt sind“, sagt Ökonom Ruckriegel. „Wenn jemand zum Beispiel leicht emotional aus den Fugen gerät, sprechen wir von Neurotizismus. Dieser Jemand hat es dann tatsächlich schwerer, zufrieden oder glücklich zu sein. Aber auch daran kann man arbeiten.“ Ob nämlich Miesepeter oder Sonnenschein, Mann oder Frau, Deutscher oder Japaner, Koch oder Arzt: Wir brauchen alle die gleichen sechs Glücksfaktoren, um zufrieden zu sein. „Wenn man die kennt“, so Ruckriegel, „kann man sie mit bestimmten Aktivitäten zum Klingen bringen. “Dazu gehören gute soziale Bindungen, physische und psychische Gesundheit, persönliche Freiheit, innere Haltung (genau der Punkt, den wir maßgeblich beeinflussen können) und die materielle Abdeckung unserer Grundbedürfnisse nach Essen, Trinken und Wohnen. Zuletzt hängt unser Glück davon ab, ob wir eine befriedigende Tätigkeit ausüben, in der wir uns – auch finanziell – fair behandelt fühlen. „Dabei geht es aber nicht um die Höhe des Einkommens“, stellt Ruckriegel klar. Also macht Geld wirklich nicht glücklich? Stimmt auch nicht, weiß der Ökonom. „Wer ständig Angst hat,dass er seine Rechnungen nicht bezahlen kann, hat Stress und damit weniger Zufriedenheit im Leben.“"Wir können uns an Glücksgefühle gewöhnen" Andererseits zeigen Studien, dass zwar das Pro-Kopf-Einkommen in Industrieländern in den vergangenen 40 Jahren gestiegen ist – die Zufriedenheit aber nicht. Logisch für Psychologieprofessor Dollase:„Wir können uns auch an Glücksgefühle gewöhnen. In unseren westlichen Staaten ist es eine notwendige Folge des Wohlstands, dass die Leute merken: Durch Konsum werde ich nicht glücklicher. Es gibt eine Liste der 40 Ratschläge fürs Glücklichsein.,Do what you love’, ,Tu,was du liebst’ ist Ratschlag Nummer neun.“ Genau das ist aber der Haken: Die meisten Menschen wissen nämlich nicht, welche Aktivitäten sie glücklich machen, weiß die Gütersloher Diplompsychologin Maria Strukova.„Stattdessen haben sie Bilder aus Werbung und Fernsehen im Kopf, die wenig mit ihren persönlichen Komponenten des Glücks zu tun haben.“ Es scheint also festgefügt in unseren Köpfen, dass wir viel Geld und Konsumgüter brauchen, um glücklich zu sein. Aber auch hier belehren uns die Forscher, diesmal von der Universität Princeton, eines Besseren: Weder Millionen noch Luxusyacht, Villa und Fuhrpark sind nötig für vollendetes Glück, sondern eine relativ überschaubare Summe: 60.000 Euro im Jahr. Dass das Glück so billig zu haben ist, hätte wohl niemand gedacht.

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