Konzentriert: Christopher Kaufmann (24) montiert einen Knopflochautomaten. - © Sarah Jonek
Konzentriert: Christopher Kaufmann (24) montiert einen Knopflochautomaten. | © Sarah Jonek

Bielefeld Dürkopp Adler: Nähmaschinen für die ganze Welt

Warum Dürkopp Adler sich dem Standort Bielefeld verbunden fühlt

Heidi Hagen-Pekdemir

Bielefeld. Die Maschine stichelt schneller, als der Beobachter es verfolgen kann. Nur wenige Sekunden, und das Knopfloch ist fertig. Gestanzt und genäht an einer Maschine aus dem Bielefelder Traditionsunternehmen Dürkopp Adler. Weltweit sind diese Produkte gefragt - bei Autozulieferbetrieben und in der Bekleidungsindustrie. Ob Ärmel einzusetzen, Zaumzeug, Airbags oder Lastengurte zu nähen sind, meist kommt eine Maschine von Dürkopp Adler zum Einsatz. "Wir profitieren derzeit von dem Trend, dass in Asien die Fachkräfte knapp werden", erläutert Thomas Vogel, der Finanzchef. Statt höhere Löhne zu zahlen, kaufen die Unternehmen Maschinen - viele auch aus Bielefeld. Von einem Konzern, der seit 2005 zur chinesischen SGSB-Gruppe gehört, doch an seinem Stammsitz in Oldentrup mit 285 Mitarbeitern festhält. "Deutsche Ingenieurkunst ist auf der Welt nicht so häufig anzutreffen", sagt Vogel. Das frühere Land der Dichter und Denker sei heute eher ein Land der Ingenieure und Autobauer. Neben höheren Löhnen sorgt eine weitere Entwicklung in Asien für Wachstum in Bielefeld. Vogel erklärt das so: "In China und Indien steigen sie gerade alle vom Pferd auf Moped oder Auto um." Was wiederum die Nachfrage von Seiten der Autozulieferer belebt. Weltweit beschäftigt Dürkopp Adler 1.300 Mitarbeiter, davon 650 an den Fertigungsstätten Rumänien und Tschechien. Teile, die in diesen Ländern die Produktion verlassen, werden in Bielefeld zu Nähanlagen zusammengesetzt. Von Bielefeld aus wird auch die weltweite Service- und Vertriebsorganisation gesteuert. Auch befindet sich an diesem Standort die Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Gruppe. Die wachsende Maschinennachfrage weltweit hält das Unternehmen auf Erfolgskurs. Im ersten Quartal dieses Jahres stieg der Konzernumsatz um 18,3 Prozent auf 33 Millionen Euro, der Exportanteil erreichte 87,6 Prozent. Der Auftragseingang kletterte währenddessen um 23,1 Prozent auf 42,6 Millionen Euro. Doch fällt ein kleiner Schatten auf die glänzenden Bilanzen. Die Qualität der Erzeugnisse von Dürkopp Adler ist so gut, dass sie 15 bis 20 Jahren einsetzbar sind. "Deutsche Wertarbeit, das ist unser Problem", räumt Vogel ein. Gewartet werden die Maschinen meist vor Ort. Große Produzenten beschäftigen ihre eigenen Techniker. Zudem setzen die Bielefelder geschultes Servicepersonal ein. Seit ein paar Wochen nutzt das Unternehmen eine neue hochmoderne Technologie. M2M gilt als neues Industrie-4.0-Einstiegspaket. Es besteht aus Hardware, SIM-Karte mit Datentarif sowie dem Zugang zur Plattform "Cloud der Dinge", die Geräte- und Sensordaten erfasst und verarbeitet. Dürkopp-Adler zählt zu den ersten Anwendern. Der Vorteil: Von Bielefeld aus können Mitarbeiter neuerdings die Erzeugnisse ihrer Firma rund um die Erde überwachen. Kommt es zum Ausfall einer Maschine, wird automatisch per SMS oder E-Mail eine Warnmeldung an den Mechaniker geschickt. Mit allen wichtigen Informationen. Diese Fernwartung hilft lange Ausfallzeiten zu reduzieren. Zudem hilft die moderne Technik Geld und Zeit zu sparen. Dienstreisen erübrigen sich in vielen Fällen. Die Handhabe von M2M sei einfacher als der Umgang mit einem Handy, erklärt Markus Bachmann, einer der Produktmanager bei Dürkopp Adler. Technische Innovationen wie diese könnte junge Menschen ebenso für das Unternehmen interessieren wie dessen langjähriges Engagement als Sponsor. Dürkopp Adler unterstützt den Zweitligisten Arminia, den Handballverein TSG Altenhagen und setzt sich bei der Förderung der Modestudenten an der Fachhochschule ein. "Wir möchten gute Nachwuchskräfte für uns gewinnen", so Vogel.

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