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Bielefeld

Kunsthalle Bielefeld zeigt Niklas Luhmanns Zettelkasten

Weitere Ausstellung: Werke von Rückriem und Sasse

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Ein Schatz: Soziologe Johannes Schmidt (l.) und Kunsthallendirektor Friedrich Meschede mit Luhmanns Zettelkasten. | © Sarah Jonek

Ein Schatz: Soziologe Johannes Schmidt (l.) und Kunsthallendirektor Friedrich Meschede mit Luhmanns Zettelkasten. | © Sarah Jonek

07.07.2015 | 07.07.2015, 18:00

Bielefeld. Niklas Luhmann war Soziologe, ein großer Denker, Schöpfer der Systemtheorie und Mitbegründer der soziologischen Fakultät in Bielefeld. Ulrich Rückriem und Jörg Sasse, aus Bad Salzuflen stammend, sind bildende Künstler. Ihnen gemeinsam widmet die Bielefelder Kunsthalle unter dem Titel „Serendipity – Vom Glück des Findens“ ab 10. Juli eine ungewöhnliche Ausstellung.

„Serendipity bezeichnet das zufällige Finden von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem, das sich als neue, überraschende und fruchtbare Entdeckung erweist“, erläutert Kunsthallen-Direktor Friedrich Meschede den ersten Teil des Ausstellungstitels. Ein passendes Motto für eine Schau, die den legendären Zettelkasten Luhmanns präsentiert und in Beziehung zur Kunst Sasses und Rückriems setzt, „denn auch deren Werk ist systemisch angelegt“, so Meschede.

Industriefotografie: Dieses von Jürgen Sasse veränderte Foto trägt die Nummer 4.804 und gehört zur „Tableau“-Serie. - © Jörg Sasse
Industriefotografie: Dieses von Jürgen Sasse veränderte Foto trägt die Nummer 4.804 und gehört zur „Tableau“-Serie. | © Jörg Sasse

Gleich im Eingangsbereich wird Luhmanns Zettelkasten, der an einem geheimgehaltenen Ort in der Uni Bielefeld untergebracht ist, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht – allerdings unter Glas. „Es gibt Luhmann-Fans, die unbedingt einen dieser Zettel haben wollen“, begründet Anne Kaestner, Sprecherin der Kunsthalle, die Sicherheitsmaßnahme. 90.000 beschriebene Zettel im Format Din A6 – vom Denker selbst zugeschnitten – hat dieser in seine 24 Holzkästen gesteckt.

Ikone der Sozial- und Geisteswissenschaften

Ein riesiger Ideenspeicher, eine Art analoges Internet. „Sein Zettelkasten ist eine Ikone der Sozial- und Geisteswissenschaften. Er ist die sichtbare Verkörperung der Systemtheorie Luhmanns und als solche das Scharnier der Gegenüberstellung der künstlerischen Positionen Rückriems und Sasses“, so Meschede. Den Kern der Schau bildet das fotografische Werk Sasses, der Fotos verfremdet und in Archivschränken, die er Speicher nennt, ordnet. Zwei seiner Speicher werden gezeigt.
Legendär: Niklas Luhmann stöbert in seinem Zettelkasten nach einem neuen Gedanken. - © Detlev Horster
Legendär: Niklas Luhmann stöbert in seinem Zettelkasten nach einem neuen Gedanken. | © Detlev Horster

Die Besucher sind aufgefordert aus den 512 Fotos, die jeder Speicher enthält, Bildreihen gemäß des Künstlers Vorgaben zu schaffen. Zudem werden 40 Werke aus den Serien „Tableau“, „Stillleben“ und „Lost Memories“ gezeigt. Der Dritte in der Schau ist Ulrich Rückriem, der sich mit Zeichnungen und deren Umsetzung in grafischen Zyklen befasst. Viel zu entdecken in der Kunsthalle.

Information

Eckdaten zur Ausstellung

  • Die Ausstellung wird am Freitag, 10. Juli, um 19 Uhr eröffnet. Der Eintritt ist frei. Geöffnet von 18 bis 21 Uhr. Zu sehen bis zum 11. Oktober.
  • Am 31. August um 18.30 Uhr laden NW und Kunsthalle zu Kunst Kulinarisch ein. Anmeldung unter Tel. 32 999 50 10.
  • Hier gibt's mehr Infos
Produktiv: Blick in das Atelier von Ulrich Rückriem, der geometrische Figurationen immer weiter teilt. - © Juliane Rückriem 2014
Produktiv: Blick in das Atelier von Ulrich Rückriem, der geometrische Figurationen immer weiter teilt. | © Juliane Rückriem 2014