Entschlossen zum Aufbruch: Fiete Sturm zieht von Bielefeld nach Hamburg, um Matrosen zu helfen. Als diakonischer Leiter der Seemannsmission hilft er in schwierigen Lebenslagen. - © Foto/Montage: Andreas Frücht
Entschlossen zum Aufbruch: Fiete Sturm zieht von Bielefeld nach Hamburg, um Matrosen zu helfen. Als diakonischer Leiter der Seemannsmission hilft er in schwierigen Lebenslagen. | © Foto/Montage: Andreas Frücht

Bielefeld Bielefelder wird diakonischer Leiter der Seemannsmission Hamburg-Altona

Erfahrungen aus der Jugendhilfe bereiten ihn vor

Melanie Wigger
25.06.2015 | Stand 25.06.2015, 10:09 Uhr

Bielefeld. "Schiff ahoi" heißt es ab Juli für einen Bielefelder Diakon. Der 33-Jährige wird zwar nicht selbst in See stechen, aber als diakonischer Leiter der Seemannsmission Hamburg-Altona deutsche und vor allem ausländische Matrosen betreuen. Dem bekanntlich rauen Charakter der Seeleute fühlt er sich gewachsen. Bisherige Arbeitsplätze in Ostwestfalen haben Fiete Sturm auf die neuen Aufgaben vorbereitet. Hochseeangeln auf Urlaubsreisen - das sind Sturms Erfahrungen auf dem Meer. Doch das Leben von Berufsmatrosen ist damit nicht zu vergleichen. Ihre Arbeitsbedingungen und die schlechte Bezahlung machen ihnen oft zu schaffen. Gesundheitliche und rechtliche Probleme können hinzukommen. "Und vor allem leiden sie seelisch durch lange Trennungen und Einsamkeit oder wenn es Probleme mit anderen Matrosen gibt", sagt Sturm. In seinem neuen Amt ist er in solchen Fällen gefragt. "Es geht darum, ein offenes Ohr zu haben, gute Ratschläge zu geben und Angebote zu machen, um das harte Los zu mildern." Dazu wird Sturm in Hamburg anlegende Containerschiffe oder Luxuskreuzer besuchen und mit den Gästen des Seemannsheims der Mission sprechen. Die christliche Einrichtung dient für Heimkehrer oder Seeleute, die kurz vor der Abreise stehen. Deutsche Seeleute seien selten, denn sie nehmen meistens höhere Offiziersposten ein, erklärt Sturm: "Ich werde überwiegend Philippinos und Osteuropäer betreuen." Sprachlich sei das keine Hürde, denn bei seiner einjährigen Arbeit im französischen Jugendkloster Taizé wurde meist Englisch gesprochen. Auch andere Arbeitsplätze haben ihn auf die Aufgabe vorbereitet, berichtet Sturm. Sein Anerkennungsjahr als Diakon hat er bei der Jugendhilfe Bethel, Diakonie Freistatt, gemacht. Er arbeitete zudem als Gruppenpädagoge für die Jugendhilfe bei Kalletal und in Hövelhof. Vor allem letzteres habe ihn "abgehärtet", denn dort kümmerte er sich um gewaltbereite und kriminelle Jugendliche. Sturm: "Ich habe mich durch diese Arbeit verändert." Direkter sei er geworden. Er vermutet, dass die Art auch im Umgang mit Seeleuten besser ist. "Ihr Leben ist relativ hart. Da sind weiche Diskussionen bestimmt fehl am Platz." Trotz seiner Referenzen musste Sturm um die Einladung zum Gespräch bangen. Er hatte die Ausschreibungsfrist um wenige Tage verpasst. Doch er überzeugte. Am Tag seines Vorstellungsgesprächs bekam er bereits die Zusage und eine geplante zweite Bewerberrunde wurde kurzfristig abgesagt. Idealismus und Engagement sei das, was die Mission momentan suche und der entscheidende Faktor, weshalb die Wahl auf ihn fiel, erläutert Sturm. Das Team, mit dem er zusammenarbeiten werde, sei relativ jung. Mit seinen 33 Jahren passe er gut hinein. Und nicht nur das: Auch sein familiärer Hintergrund passt zum neuen Posten. "Mein Vater hat auch in der Seemannsmission gearbeitet. Er hat seine Ausbildung als Schlosser auf einer Werft bei Hamburg gemacht. Und mein Opa hat in Rotterdam eine Weile als Pastor in der Seemannsmission gearbeitet", erzählt Sturm, "es ist vielleicht Veranlagung." Sturm habe nie geplant, in diese Fußstapfen zu treten. Bei der Suche nach einer neuen Stelle ging es ihm vor allem um einen Umzug nach Hamburg. "Es ist meine heimliche Liebe, auch wenn ich Bielefeld mag - gar keine Frage. Aber das Herz hängt am Norden. Meine halbe Familie kommt aus der Hamburger Ecke." Bielefeld werde ihm dennoch fehlen, ganz besonders, weil er viele Freunde zurücklässt. "Bielefeld bleibt meine Heimat. Ich habe hier die meiste Zeit gelebt und werde mich immer daran erinnern, wie ich meine Zeit an Sparrenburg, im Tierpark oder am Obersee verbracht habe."

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