Stefan Schubert wurde als ehemaliger Polizist bekannt, der in seiner Freizeit als Hooligan rund um die Bielefelder Alm in Erscheinung trat. Heute ist er bekannt für True-Crime-Sachbücher über Rocker und Hooligans. - © Foto: Sven Linneweber / Lago
Stefan Schubert wurde als ehemaliger Polizist bekannt, der in seiner Freizeit als Hooligan rund um die Bielefelder Alm in Erscheinung trat. Heute ist er bekannt für True-Crime-Sachbücher über Rocker und Hooligans. | © Foto: Sven Linneweber / Lago

Bielefeld Terror-Thriller aus Bielefeld

Stefan Schuberts Roman „Der Konvertit“ beruht auf wahren Begebenheiten / Ex-Hooligan oft gefragter Experte

Jens Reichenbach

Bielefeld. Mehrfach wechselte Stefan Schubert die Seiten. Der Bielefelder war als junger Mann Polizeibeamter, am Wochenende trat er im Kreise der berüchtigten „Blue Army“ als Hooligan in Erscheinung. Seit 2010 ist er Autor."Der Konvertit" ist Schuberts erster Roman Sein Buch „Gewalt ist eine Lösung“ über sein Doppelleben als prügelnder Fan und Beamter der Staatsgewalt wurde ein Bestseller. Es folgten Sachbücher über Polizeiinterna, Rocker und Gangs. Jetzt hat er erneut die Seiten gewechselt: „Der Konvertit“ ist Schuberts erster Roman. Er beschreibt die Geschichte einer islamistischen Terrorparzelle, die eingangs des Romans einen Anschlag auf die Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne in Augustdorf verübt. Ein Deutscher Konvertit zückt vor dem Tor der Kaserne eine Kalaschnikow und tötet dort Soldaten, Frauen und Kinder.Ermittlungen nicht immer gesetzestreu Er beschreibt aber auch die schwierigen und bei weitem nicht gesetzestreuen Ermittlungen innerhalb des Terrorismusabwehrzentrums – stets belastet durch Kompetenzgerangel zwischen Bundeskriminalamt, Geheimdienst und Innenministerium. Zum Ende entwickelt sich ein Wettlauf zwischen den Spezialeinheiten der Polizei und den deutschen Terroristen, die mit Hilfe einer GPS-gesteuerten Drohne einen Sprengstoffanschlag auf den US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein durchführen wollen.Experte für kriminelle Trends Stefan Schubert hat sich durch seine Bücher zur deutschen Hooligan- und Rockerszene zum gefragten Experten für polizeiliche und kriminelle Trends entwickelt. Auch sein Roman sei sehr nah an der Realität, betont der 44-jährige Autor. Die Radikalisierung des Konvertiten sei an der Entwicklung der sogenannten Sauerland-Attentäter angelehnt, die 2010 wegen der Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags und Verabredung zum Mord zu langen Haftstrafen verurteilt wurden. Der Hintermann hinter der kleinen deutschen Dschihadistenzelle im Roman ist der tatsächlich international gesuchte Topterrorist Sirajuddin Haqqani. Das pakistanisch-afghanische Haqqani-Netzwerk war Schubert durch den Whistleblower Bradley Manning erstmals aufgefallen. Inzwischen taucht der Name Haqqani sogar in der US-Serie „Homeland“ auf.Schnelle Angriffe mit schweren Waffen Vor drei Jahren hatte Schubert die Arbeit an dem Roman begonnen. Schon bald wurde sein Augustdorfer Anschlagszenario von der Realität eingeholt: „Charlie-Hebdo in Paris hat gezeigt, dass schnelle Angriffe mit schweren Waffen ein neuer Modus Operandi auch von Terroristen in Europa geworden sind.“ An solche Waffen komme man relativ leicht über das organisierte Verbrechen innerhalb Europas – oftmals über Rockergangs, sagt der Experte, der durch seine kriminelle Vergangenheit durchaus Zugang zu diesen sonst verschlossenen Kreisen finden konnte, wie Schubert sagt. Über neueste Waffentechniken und Polizeitaktik tauscht sich Schubert mit Ex-Kollegen von SEK und GSG 9 aus. „Auch Anschlagversuche mit Drohnen werden uns in Zukunft beschäftigen“, fürchtet Schubert, dem sein Abstecher in die Romanwelt sehr gefallen habe, auch wenn das Schreiben schwieriger sei als bei „True-Crime“-Sachbüchern. Der Konvertit, Stefan Schubert, 250 Seiten, Lago-Verlag. ISBN: 978-3-95761-120-8

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