Bielefeld/Münster Zwei Jahre und neun Monate Haft für Messerattacke

Eifersuchtstat: Frau hat zwei Geliebte

Bielefeld/Münster. Ungewöhnlicher Fall vor dem Landgericht Münster: Ein 44-jähriger Bielefelder war dort angeklagt wegen Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung. Das Opfer, eine 38-jährige Frau aus Versmold, hatte im Frühjahr 2014 intime Verhältnisse zu zwei Männern gepflegt. Als die Männer das Doppelspiel aufdeckten, lockten sie die gemeinsame Geliebte, das ergab sich jetzt im Verlauf der Hauptverhandlung, in eine perfide Falle. Die 1. Große Strafkammer im Landgericht Münster verurteilte den Haupttäter am Freitag nach Angaben von Gerichtssprecher Matthias Bäumer wegen gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren und neun Monaten Haft. Vom Vorwurf der Vergewaltigung wurde der 44-jährige Bielefelder freigesprochen. "Das Gericht ist in dieser Sache insbesondere den Angaben des Opfers nicht gefolgt", so Bäumer. Was sich juristisch wie ein Abwägungsprozess anhört, entpuppte sich im Gerichtssaal als äußerst widersprüchliche Vergewaltigungsgeschichte des Opfers. Zahlreiche Chatprotokolle, Zeugenaussagen und ein gepostetes Partyfoto überführten die 38-Jährige der Falschaussage. Die Staatsanwaltschaft kündigte entsprechend ein Verfahren gegen die Frau an. Was war geschehen? Ende 2013 hatten sich der 44-Jährige und die Angestellte einer Spielhalle kennengelernt, im Frühjahr entstand eine intime Beziehung. Der ohnehin eifersüchtige Wachdienstangestellte entdeckte aber eines Tages die kompromittierende SMS eines Mannes auf ihrem Handy, der ihm als Kunde der Spielhalle bekannt war. Er stellte den Nebenbuhler zur Rede und stellte fest: Beide Türken waren davon ausgegangen, mit der attraktiven Frau zusammen zu sein. Zum Beweis verabredeten die Männer einen perfiden Hinterhalt: Der 42-jährige Nebenbuhler lockte seine Geliebte am späten Abend des 16. April 2014 auf einen Firmenparkplatz nach Warendorf. Dort kam es im Auto zwischen beiden zum Geschlechtsverkehr. In diesem Moment rief der Mann den 44-Jährigen per SMS hinzu. Der eifersüchtige Bielefelder setzte sich nun überraschend neben die Frau ins Auto, zückte ein Messer und verletzte sie mit einen Strich quer über die Brust sowie mit zwei Stichen im Achselbereich. In Todesangst entkam sie dem Angreifer. Bei der Vernehmung der Polizei habe die Frau schließlich angegeben, vorher von dem 44-Jährigen in seiner Wohnung in der Bielefelder Innenstadt auch vergewaltigt und geschlagen worden zu sein, erklärte sein Verteidiger Lutz Klose. Wenig später klickten die Handschellen bei dem 44-Jährigen. Doch in der Verhandlung sprachen zahlreiche objektive Beweise gegen die Vergewaltigungsversion des Opfers. Hotelbelege, Fotos einer Partynacht nur ein Tag nach der angeblichen Tat und diverse Internetchats erschütterten die Glaubhaftigkeit des Opfers. "Das Gericht hat selbst bei der Körperverletzung nur die objektiven Beweise anerkannt", sagte Rechtsanwalt Klose. Das Verfahren gegen den Mittäter wurde gegen Geldauflage von 500 Euro eingestellt.

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