Andächtig: Sebastian Kraus, Elisabeth Möller-Hofemann, Gunter Demnig und Hans-Jürgen Laufer nach der Verlegung von drei Stolpersteinen für den früheren Arminia-Funktionär Fritz Grünewald. - © Foto: Sarah Jonek
Andächtig: Sebastian Kraus, Elisabeth Möller-Hofemann, Gunter Demnig und Hans-Jürgen Laufer nach der Verlegung von drei Stolpersteinen für den früheren Arminia-Funktionär Fritz Grünewald. | © Foto: Sarah Jonek

Bielefeld Stolpersteine für früheren Arminia-Funktionär

Fan-Projekt Bielefeld übernimmt Patenschaft / Künstler Gunter Demnig verlegt Steine persönlich

Vivien Nogaj

Bielefeld. An der Artur-Ladebeck-Straße 60 wurden gestern Stolpersteine für die im Zweiten Weltkrieg deportierte und ermordete Familie Grünewald verlegt. Das Fan-Projekt Bielefeld hat die Patenschaft für die drei Steine übernommen; Fritz Grünewald war bis zum Ausschluss aus dem Verein Mitglied, Förderer und Ehrennadelträger des DSC Arminia Bielefeld. Was im Zweiten Weltkrieg passiert ist, begann nicht erst in den Konzentrationslagern, es begann in der Nachbarschaft, direkt vor den Haustüren der Menschen. Die Stolpersteine mitten auf den Fußwegen sollen darauf aufmerksam machen. Für die Familie Grünewald wurden jetzt Stolperstein Nummer 103, 104 und 105 in in Bielefeld verlegt. DSC-Präsident Hans-Jürgen Laufer erklärt: "Für viele von uns ist es heutzutage schwer, eine persönliche Beziehung zu den Schicksalen der Betroffenen aufzubauen. Aber die Opfer der Nazis waren nicht in weiter Ferne, sie waren Teil der Gesellschaft, mitten unter uns." Die Patenschaft der Steine zu übernehmen, bedeutet für Laufer nicht nur, der Opfer zu gedenken, sondern ebenso zu der Vergangenheit des Vereins zu stehen. Der DSC unterstützte unter der Leitung des damaligen Präsidenten Karl Demberg das nationalsozialistische Regime. Ab 1934 wurde das Führerprinzip beim DSC Arminia umgesetzt, das jüdische Mitglieder aus dem Verein ausschloss und ihnen Hausverbot auf der Alm erteilte. Sebastian Kraus vom Arminia-Supporters-Club (ASC) mahnt dazu, wachsam zu sein: "Wir müssen uns immer wieder von neu daran erinnern, es besser zu machen und unseren Gegenüber ohne Vorurteile zu akzeptieren. Die Verfolgung von Menschen aufgrund verschiedener religiöser Ansichten oder sexueller Orientierung gehört hier zum Glück der Vergangenheit an." Der Künstler Gunter Demnig rief das Projekt Stolpersteine ins Leben, um die Erinnerung an die Menschen, die der nationalsozialistischen Gewalt zum Opfer fielen, lebendig zu halten. Er verlegte die Betonwürfel mit Messingoberfläche gestern persönlich. An drei weiteren Stellen in Bielefeld wurden gestern ebenfalls Stolpersteine versetzt: An der Lessingstraße 27 zu Gedenken der Familie Goldman, an der Arndtstraße 4a zu Gedenken des Ehepaars Zimmt und an der Wittekindstraße 63a zu Gedenken der Familie Goldstein. Mit diesen neun weiteren Stolpersteinen wurden damit in Bielefeld insgesamt 114 verlegt. Zehn Jahre gibt es das Projekt Stolpersteine nun in Bielefeld.Chronik Fritz Grünewald stammte aus einer Kaufmannsfamilie. Er und sein Bruder Albert führten zu halbem Anteil einen Fleisch- und Pferdehandel an der heutigen Artur-Ladebeck-Straße 60. Als Vorstandsmitglied und Förderer bei Arminia Bielefeld bedachte er den Verein über viele Jahre mit Spenden, bis ihm als Jude die Mitgliedschaft und die Ehrennadel entzogen wurde, ebenso verwehrte man ihm den Eintritt ins Stadion. In der Reichspogromnacht wurde seine Rossschlachterei Zielscheibe von Übergriffen der Nazis. Ende des Jahres 1938 waren die Brüder nicht mehr auf dem Pferdeschlachthof zugelassen. Ihr Grundstück sollte wegen einer Erweiterung an der Gütersloher Straße abgerissen werden. Im Jahr 1954 wurde es durch das Landgericht an die Erbengemeinschaft rückübertragen. Am 30. März 1942 wurde Grünewald verhaftet und nach Warschau deportiert. Dort soll er auch ermordet worden sein. Das Datum ist unbekannt. Seine Ehefrau Betti wurde in Auschwitz, sein Sohn Rolf in Riga ermordet.

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