Symbolbild: Gefälschte Zigaretten werden im Zollfahndungsamt in Essen. - © dpa
Symbolbild: Gefälschte Zigaretten werden im Zollfahndungsamt in Essen. | © dpa

Bielefeld Terrorgruppen erschließen mit Zigarettenschmuggel neue Geldquellen

Sicherheitsexperten sind in großer Sorge

Bielefeld. Sicherheitsexperten sind in großer Sorge, dass islamistische Terrororganisationen die anhaltenden großen Flüchtlingsströme über das Mittelmeer nutzen und dort ihre eigenen Leute einschleusen könnten. Diese Gefahr bestehe durchaus, sagten hochrangige Ermittler dieser Zeitung. Zudem gibt es Erkenntnisse, dass die Terrororganisationen sich neue Geldquellen erschließen und dabei auch mit Banden der organisierten Kriminalität in Europa zusammenarbeiten. Nach Informationen des französischen Terrorismus-Analyse-Zentrums (CAT) existiert bereits eine "Kollusion" (Zusammenwirken) zwischen den "grenzübergreifenden kriminellen Netzwerken und den Finanzierungsnetzen terroristischer Vereinigungen". Die Terrororganisationen seien dabei, ihre Finanzquellen "zu erweitern oder zu diversifizieren". Etliche Terrorgruppen würden sich durch den Schmuggel und das Fälschen von Zigaretten finanzieren. Beispielsweise die pakistanischen Taliban, El-Kaida-Kämpfer sowie die Hisbollah und die Hamas. Der Grund: Zigaretten seien einfach zu fälschen, zu transportieren und abzusetzen. Die Profite seien beträchtlich im Verhältnis zur geringen Investition und dem begrenzten Risiko einer strafrechtlichen Verfolgung, so das CAT.IS betreibe ein "äußerst diversifiziertes Geschäftsmodell" Nach Ansicht der amerikanischen Terrorismusforscherin Louise Shelley "müssen wir auch die Beurteilung der Geldquellen des Islamischen Staats (IS) komplett neu überdenken". Bisher sei unser Blick ausschließlich auf das Öl gerichtet gewesen. Es wurde und wird von der IS-Terrororganisation nach Erkenntnissen westlicher Ermittler zu einem Drittel des Weltmarktpreises an irakische und türkische Clans verkauft. Auch saudi-arabische Familien, die eine fundamentalistische Einstellung haben, sorgen offenbar dafür, dass dem IS das Geld nicht ausgeht. Inzwischen betreibe der IS aber "ein äußerst diversifiziertes Geschäftsmodell", sagt die amerikanische Professorin. "Wir stellen fest, dass der IS rückläufige Einnahmen aus dem Ölgeschäft mit anderen illegalen Aktivitäten kompensiert: Dazu gehören das Fälschen und das Schmuggeln von Zigaretten, der Verkauf von Antiquitäten und das Erheben von Steuern auf den Drogenhandel. Einige der Märkte für diese Waren seien in Europa. Daher müsse es eine effektivere Verfolgung der Informationen über Kunden und Lieferanten geben. Die Europäische Union bewege sich in die falsche Richtung, so Shelley. Zigaretten zum Beispiel sollen bald nicht mehr zu unterscheiden sein. Dies erleichtere den Schmuggel und erschwere das Verfolgen der Waren- und Geldflüsse.Aktuell ein Millionenprozess in Paderborn Vor dem Landgericht in Paderborn ist aktuell ein Millionenprozess um Zigarettenschmuggel anhängig. Die Hintermänner dieses Verfahrens werden im Baltikum und in Rumänien vermutet. Hinweise über Beziehungen zum IS habe man in einem anderen Fall auch schon erhalten, heißt es aus Bielefelder Ermittlerkreisen. Die hätten sich aber nicht konkretisieren lassen. Offenbar gebe es in den Vereinigten Arabischen Emiraten illegale Produktionsstätten sowie Umschlagsmöglichkeiten.

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