Blanke Zerstörungswut: Ein Unbekannter hat auf der Streuobstwiese von Ingo Goldbeck am Blackenfeld in Brake 42 Apfelbäumchen schwer beschädigt. Die Sinnlosigkeit der Tat entsetzt den Besitzer und das Umweltamt, die das ökologische Projekt fördert. - © Fotos: Ansgar Mönter
Blanke Zerstörungswut: Ein Unbekannter hat auf der Streuobstwiese von Ingo Goldbeck am Blackenfeld in Brake 42 Apfelbäumchen schwer beschädigt. Die Sinnlosigkeit der Tat entsetzt den Besitzer und das Umweltamt, die das ökologische Projekt fördert. | © Fotos: Ansgar Mönter

Bielefeld-Brake Streuobstwiese von Ingo Goldbeck zum zweiten Mal Ziel von Zerstörungswut

Chirurgischer Eingriff durch Experten

Ansgar Mönter
11.04.2015 | Stand 11.04.2015, 17:54 Uhr

Bielefeld-Brake. Was geht in dem Menschen vor, der so etwas tut? Diese Frage stellt sich Ingo Goldbeck, wenn er auf seiner Streuobstwiese steht und die 42 abgesägten Apfelbäumchen kopfschüttelnd betrachtet. Die Zerstörung wirkt sinnlos und dumm. Auch Egbert Worms vom Umweltamt findet die Tat "einen Hammer, kaum vorstellbar". Dabei ist es bereits das zweite Mal, dass das passiert. Goldbeck pflanzte 2010 auf der 7.100 Quadratmeter großen Wiese, die er geerbt hat, 58 Apfelbäumchen, Stückpreis 35 Euro, 10 Sorten, nutzbar als Wirtschaftsäpfel für Saft oder Kompott. Zu Ostern 2012 dann der erste Schock: Alle Kronen der Bäumchen waren abgeschnitten worden über die Feiertage. "Ich hatte mich damals entschieden, die Bäume nicht auszutauschen. Unterstützt von Apfelexperte Hans-Joachim Bannier habe ich in mühevoller und kostspieliger Arbeit versucht, die Bäume zu erhalten und zu neuem Ausschlagen zu bringen", berichtet Goldbeck. Der Erfolg war gut. Abgestorbene Bäume hat er ersetzt. Jetzt beginnt der Streuobstwiesenbesitzer wieder von vorne. "Die Tat wirft uns fünf Jahre zurück", sagt Worms vom Umweltamt. Er ist involviert, weil die Fläche unter vertraglichem Naturschutz steht. Ökologische Projekte wie die von Goldbeck werden mit EU-Geldern gefördert; die Stadt gibt 20 Prozent hinzu. Insgesamt 800 Euro bekommt Goldbeck für das Kleinod, das die Natur schützt und Tieren Rückzugsmöglichkeiten bietet. Diesmal muss der Täter mit einer Elektrosäge vorgegangen sein. Die Schnittstellen weisen darauf hin. Alle Bäumchen hat der Täter nicht geschafft. Vielleicht war der Akku leer. Aber er hat sich die Mühe gemacht, die abgetrennten Kronen noch 20 Meter weiter in das Waldstück zu werfen. Hans-Joachim Bannier war schon vor Ort. Mit Goldbeck hat er die Nahtstellen mit Lehm beschmiert, damit sie nicht austrocknen. So können die gekappten und schwer beschädigten Bäume vielleicht überleben und an den Seiten neu austreiben. Einige Exemplare haben die beiden sogar wie Chirurgen wieder zusammengesteckt, mit Lehm ummantelt und mit Sisal oder Flatterband befestigt. Ob das was nützt? Niemand weiß es. Das Zerstörungsbild hat sich gegenüber 2012 sogar noch verschlimmert, so Goldbeck. "Die Aggression der Tat hat mich sehr überrascht." Er hat einen Verdacht, wer es gewesen sein könnte. Die Polizei ist informiert. Sie war vor Ort, hat den Schaden dokumentiert und ermittelt nun. Bereits 2012 gab es einen konkreten Verdacht. Damals fehlten den Ermittlern nur handfeste Beweise. Ingo Goldbeck ist für eine Anklage gerüstet. Er hat sich einen Anwalt genommen.

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