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Mit den Farben der Natur: Architekt Max Dudler (65) steht vor dem Infopunkt am Johannisberg, dessen Stampfbetonfassade sich in Struktur und Farbe mit der Umgebung verbinden soll. - © Fotos: Barbara Franke
Mit den Farben der Natur: Architekt Max Dudler (65) steht vor dem Infopunkt am Johannisberg, dessen Stampfbetonfassade sich in Struktur und Farbe mit der Umgebung verbinden soll. | © Fotos: Barbara Franke

Bielefeld Der Infopunkt öffnet seine Tore

Architekt Max Dudler übergibt Neubau am Johannisberg / Bewegungsparcours ebenfalls eröffnet

Jens Reichenbach
23.03.2015 | Stand 23.03.2015, 21:03 Uhr |

Bielefeld. Nach dem viel kritisierten Besucherzentrum von Max Dudler an der Sparrenburg wurde am Samstag nun auch sein Infopunkt am Johannisberg offiziell eröffnet. Der vierfach geöffnete Quader soll künftig mit hilfreichen Tipps und Hinweisen als Dreh- und Angelpunkt der Parklandschaft dienen, die 2008 durch Mittel des Konjunkturpaketes II völlig neu angelegt und wesentlich aufgewertet wurde. Mit der neuen Anlaufstelle und dem benachbarten Trimm-dich-Parcours, der ebenfalls eröffnet wurde, fand das Projekt Johannisberg nun seinen vorläufigen Abschluss. Die fünf Redner, die am Samstag zur Eröffnung zu den knapp 100 Gästen sprachen, waren sich einig. Sie alle finden die Max-Dudler-Gebäude toll. Auch von den Gästen war kaum Kritik zu hören. Im Gegenteil: "Ich bin begeistert vom gesamten Johannisberg. Das war hier ein Schandfleck wie vorher der Kesselbrink", sagte Wolfgang Freise aus Sieker. "Ich verstehe auch die Kritik an den Gebäuden nicht", betont er. "Sie sind optisch sehr ansprechend. In Bielefeld hat sich in dieser Hinsicht sehr viel Gutes getan." Bürgermeisterin Karin Schrader sprach von einem langen Dornröschenschlaf, aus dem der Johannisberg erwacht sei. Mit dem 50 Quadratmeter großen Infopunkt und der Bewegungswelt nebenan sei die Inwertsetzung des Johannisbergs vollendet. Umweltdezernentin Anja Ritschel zeigte sich richtig euphorisch: "Ich bin total glücklich. Diese Parklandschaft ist unser herausragendstes grünplanerisches Projekt. Wir haben hier etwas ganz Großartiges geschaffen." In ihre Lobeshymne bezog sie auch Dudlers offenen Quader mit ein: "Ich finde die Architektur klasse. Es ist gut, modern zu sein." Martin Knabenreich von Bielefeld Marketing betonte zudem den touristischen Aspekt: "Beliebige Architektur zieht keinen an." Deshalb sehe er das Dudler-Ensemble an Sparrenburg und Johannisberg als wichtige touristische Ziele an. "Ein Alleinstellungsmerkmal, das sich vermarkten lässt." Hannelore Pfaff, Bezirksbürgermeisterin von Gadderbaum, ging dennoch auf die Kritik ein: "Kunst und Architektur haben im öffentlichen Raum nicht immer einen leichten Stand. Aber wenn sich die Menschen damit auseinandersetzen, ist sehr viel erreicht." Das gefiel dem Schweizer Architekten Dudler gut: "Die Menschen müssen sich auseinandersetzen mit Gebäuden", sagte er. "Manche Häuser, die vor 100 Jahren von den Menschen abgerissen werden sollten, gelten heute als architektonische Ikonen." Der 65-Jährige glaubt, dass seinen Gebäuden mit Stampfbetonfassade in Bielefeld eine ähnliche Entwicklung bevorstehen könnte. "Allein der Aneignungsprozess braucht fünf Jahre." Im Infopunkt finden Besucher Fakten zu Geologie und Entstehung des Teutoburger Waldes, zur hiesigen Fauna und Flora, zu geschichtlichen Funden im Park, Wanderwegen und Veranstaltungen in der Stadt. Im separaten Gebäude befindet sich eine WC-Anlage. Infopunkt und WC sind zunächst von 9 bis 20 Uhr zugänglich, ab Mai dann von 8 bis 21 Uhr.Stampfbeton: Der Kritisierte setzt sich zur Wehr Der Schweizer Architekt Max Dudler hat die Kritik an seinen beiden Bielefelder Stampfbeton-Gebäuden auf der Sparrenburg und am Johannisberg sehr genau zur Kenntnis genommen. Entsprechend kampfeslustig reagierte er auf Fragen der NW: „Es ist für mich unerträglich, dass die Kritiker und die Presse zu den Tätern übergesiedelt sind. Architektur gibt nicht den Anlass für Zerstörung“, sagte er nach der offiziellen Eröffnung. Der Stampfbeton sei ein uraltes Baumaterial, das nicht einfach zerbröckele. Die Schäden seien von Menschen herbeigeführt. „Diese Wand wird sich vielleicht in 30 bis 100 Jahren verändern, aber nicht so bald.“ Zumal er mit der handwerklichen Ausführung der Fassaden sehr zufrieden sei. Von der Verwendung von falschem Sand und missratenen Ausbesserungen, wie es der Immobilienservicebetrieb dargestellt hatte, wisse er nichts. Vielmehr kritisierte der 65-Jährige: „Es geht so nicht, dass man diese wunderschöne Architektur nun so hinstellt, als seien dort Konstruktionsfehler passiert.“ Auch dass Wasser in die Fassade eindringe, sei beabsichtigt. „Lassen sie ein bis zwei Jahre vergehen, dann wird eine wunderschöne Patina entstehen“, sagte Dudler mit Hinweis auf ein vergleichbares Projekt in Münster. „Da haben wir auch kein einziges Blech zum Schutz vor Regenwasser angebracht.“ Sein Projektleiter Simone Boldrin bezeichnete die Kritik in Bielefeld als „etwas lauter als anderswo“. Das sei auch durch ein paar Missverständnisse ausgelöst worden.

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