Norman Schneiders neueste Schöpfung: Das Monster für die Kinder-TV-Serie „Siebenstein“ mit riesigen Augen und kuscheligem Fell. - © Foto: Matthias Bungeroth
Norman Schneiders neueste Schöpfung: Das Monster für die Kinder-TV-Serie „Siebenstein“ mit riesigen Augen und kuscheligem Fell. | © Foto: Matthias Bungeroth

Bielefeld Nach Rabe Rudi: Bielefelder baut wieder Puppe fürs TV

Norman Schneider entwickelt neue Figur für ZDF-Serie „Siebenstein“

Matthias Bungeroth

Bielefeld. Viele Augen sehen Norman Schneider bei der Arbeit zu. Da sind die schrullige Miss Marple im feinen Tweed-Blazer und Miss Piggy mit laszivem Augenaufschlag und tief ausgeschnittenem Kleid. Drachen, Dämonen, Hunde und andere Tiere stehen in weiteren Vitrinen. Es sind Puppen, die in der Bielefelder Werkstatt unter Schneiders Händen entstanden sind. Jetzt kommt eine neue hinzu, die bald Berühmtheit erlangen wird. Die neue Puppe ist fast 90 Zentimeter groß, hat ein flauschiges Fell, einen breit grinsenden Mund und riesige Augen. Auch die trichterartigen Ohren nehmen dem Monster das Bedrohliche – ein Monster zum Kuscheln ist entstanden. So ist es auch gedacht, sagt Norman Schneider. Schon bald wird das Monster TV-Star beim Sender KiKa sein, in einer Staffel, die Schneider als „ein Urgestein der Kinderserien“ bezeichnet: bei „Siebenstein“."Es ist ein schöner Auftrag" So steht dem Monster made in OWL eine Wohngemeinschaft mit einem Raben und einem Koffer bevor. Denn der Rabe Rudi – auch ihn hat Schneider schon gebaut  – und der Koffer, der Geschichten erzählen kann, gehören neben Frau Siebenstein zu den zentralen Figuren der Fernsehserie für Kinder. „Es ist ein schöner Auftrag“, freut sich Schneider. Rein technisch gesehen ist das Monster „eine klassische Klappmaulfigur mit Augentechnik“, wie Norman Schneider sagt. Das heißt, die Augenlider der Figur sind beweglich. Dazu hat das Monster Handschuhhände, in die der Spieler hineinfassen kann. Das Innenleben der Figur besteht zum größten Teil aus Schaumstoff, das Äußere aus aufwendig eingefärbtem Kunstfell. „Bevor es ans eigentliche Bauen ging, ging sehr viel Zeit mit Besprechungen drauf“, erzählt Schneider. Denn die Auftraggeber vom Fernsehen hätten ganz genaue Vorstellungen vom Aussehen und der Beschaffenheit der Figur gehabt. Während des Bauprozesses schickte der Bielefelder immer wieder Fotos an die Redaktion, um die einzelnen Bauphasen abnehmen zu lassen."Du kannst nichts fertig kaufen" „Die sind da sehr genau“, so Schneider. Denn eine TV-Figur muss nicht nur optisch den Vorstellungen der Fernsehmacher entsprechen, sie muss auch viel aushalten, um den Anforderungen im Produktionsalltag gerecht werden zu können. Alle Anforderungen musste Schneider in nur vier bis fünf Wochen erfüllen. „Die Zeit war total knapp.“ Denn immerhin betrug die Bauzeit netto 80 bis 90 Arbeitsstunden. Alle Figuren, die in Schneiders Werkstatt entstehen, sind Unikate. „Du kannst nichts fertig kaufen, du musst alles selbst anfertigen.“ An drei Tagen in der Woche sind Grafikerin Maria Keufen und Maskenbildnerin Julia Sedlack mit in der Werkstatt, damit das enorme Arbeitspensum termingerecht erledigt werden kann. Mittlerweile sind, wie Schneider berichtet, schon erste Folgen mit dem Monster für die Serie „Siebenstein“ im TV-Studio in Berlin gedreht worden. „Hans-Jochen Menzel hat die Figur geführt“, so Schneider. Menzel ist in der Szene hoch angesehen. An der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin ist er Professor und Leiter der Abteilung Puppenspielkunst. Norman Schneider hat längst wieder neue Figuren in Arbeit. 70 bis 80 pro Jahr entstehen in der Bielefelder Werkstatt. Schneider: „Das ist eine Menge.“ Aktuelle Projekte sind das neue Maskottchen für die deutsche Volleyball-Nationalmannschaft und Figuren für Bauchredner oder Puppentheater. Hoch im Kurs steht eine Inszenierung der Kinderromanvorlage „Für Hund und Katz ist auch noch Platz“ von Autorin Julia Donaldson. Bis in den September hinein sind die Auftragsbücher für den Figurenschneider, wie sich das Unternehmen nennt, randvoll. Ein Erfolg, den Schneider, der den Beruf des Puppenbauers von der Pike auf lernte (unter anderem bei Muppets-Erfinder Jim Henson in New York), zwar erhoffte, aber nicht ahnen konnte. „Am 1. April vor zehn Jahren habe ich mich selbständig gemacht.“ Mittlerweile ist er bei Puppenbühnen, TV-, Film- und Videoproduktionsfirmen sowie Kleinkünstlern international eine feste Größe. So stammt aus seiner Werkstatt auch die Figur "Herr Grün", die durch ihre Auftritte in Max Raabe-Videos bekannt wurde. Und vielleicht schafft es das Siebenstein-Monster auch mal dorthin, wohin es Rabe Rudi 1999 bereits brachte: auf eine Briefmarke der Deutschen Post.

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