Kasernen und Häuser der Briten in Bielefeld.
Kasernen und Häuser der Briten in Bielefeld.

Bielefeld Bezahlbarer Wohnraum in Sicht

Neue Initiative fordert, Stadt soll sich frühzeitig um Nutzung kümmern / Dezernent hofft auf Zuschüsse

Bielefeld. Bezahlbarer Wohnraum ist in Bielefeld weiter knapp. In vier, fünf Jahren könnte sich das aber schnell ändern. Denn dann ziehen die britischen Streitkräfte ab. Zwei große Kasernen an Oldentruper und Detmolder Straße werden ebenso frei wie 468 Wohneinheiten, davon 285 in Reihenhäusern. Eine neue Bürgerinitiative setzt sich dafür ein, sie in „Wohn(t)räume“ umzuwandeln. Stadt-Baudezernent Gregor Moss hofft auf Fördermittel. 21 Bürger aus Initiativen wie „attac“, Architektur, Politik und Vereinen haben die B.I.s.S. gegründet, die „Bielefelder Initiative für sozialökologische Stadtentwicklung“. Sie sieht in den freiwerdenden Immobilien der Briten „ein Riesenpotenzial“, wie Auktionator und Sozialpolitiker Christian Presch betont: „Zur Linderung der vielfältigen Wohnungsnot bietet sich eine historische Chance.“ Und die sollte Bielefeld nutzen, sagen Annedore Hof, Jutta Smaglinski, Gerard Brunsperger und Presch, die gestern ihre Ziele vorstellten. In den Häusern könnten kinderreiche Familien, Hartz-IV-Berechtigte, Flüchtlinge, Alte und Junge günstig Wohnraum finden, aber auch Eigenheimbesitzer. Smaglinski: „Es sollte eine bunte Mischung aus allen Schichten sein.“ Dazu könnten selbstverwaltete, altersgemischte Wohnprojekte gehören, mit denen Hof langjährige Erfahrung hat und die sie „für die Wohnform der Zukunft“ hält. Für die B.I.s.S. ist es wichtig, sich früh einzuschalten und nicht zu warten, bis große Investoren die besten Immobilien wegschnappen können. Noch ist unklar, wann und welche Liegenschaften auf den Markt kommen. Erst zwei Jahre vor Abzug der Briten erhalten die Städte die Chance, „eine Option zu ziehen“, so Presch. Der Zeitpunkt ist in Bielefeld noch offen. Zuletzt hatten die Briten hier ihr Hauptquartier eingerichtet. Vor 2018/19 werden die Immobilien deshalb nicht frei. In einem Brief an Moss fordert die Initiative von Rat und Verwaltung, dass die Bielefelder umfassend, transparent und demokratisch an der Umnutzung (Konversion) der Immobilien beteiligt werden. Es sollten verbindliche Kriterien für die Vergabe und ein Gesamtkonzept sozialer und ökologischer Stadtentwicklung aufgestellt werden. Sozial benachteiligte Bevölkerungsschichten seien vorrangig zu berücksichtigen. Gute Beispiele für Wohnnutzungen auf alten Kasernengeländen gebe es in Freiburg und Tübingen. Städte wie Detmold und Paderborn, in denen die Briten ihre Gebäude eher abgeben, bezögen Bürger mit ein. In Bielefeld werden frühere Kasernen an der Harrogate-Allee für Wohnungen, an der Detmolder Straße von der Georg-Müller-Schule und der Arbeiterwohlfahrt, am Stadtholz von der Fachhochschule genutzt. Auch die Stadt prüft das Thema. Dezernent Moss würde die Umwandlung der Immobilien, deren Eigentümerin die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben ist, gern ins Programm Stadtumbau West stellen, für das Zuschüsse winken. Es gebe Gespräche mit den Briten: „Ein guter Dialog.“ Moss sagte auf eine Anfrage der BfB im Stadtentwicklungsausschuss des Rates aber auch, dass die Häuser teils im Privatbesitz seien: „Das wird der freie Markt regeln.“ In Kürze will Moss die Politiker mit einer Vorlage über das Thema informieren. Bereits 2014 hatten die Linken einen Runden Tisch und die Grünen eine Zusammenarbeit mit Nachbarstädten gefordert. Die B.I.s.S. bereitet derzeit eine eigene Seite im Internet vor und trifft sich jeden dritten Dienstag im Monat um 20 Uhr in der Bürgerwache am Siegfriedplatz, das nächste Mal am 17. Februar, und lädt Interessierte zum Mitmachen ein.

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