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Düsseldorf/Bielefeld Jeder Zweite in NRW mit Anspruch auf Sozialwohnung

Bezahlbare Mietobjekte sind auch in OWL Mangelware

16.01.2015 | Stand 16.01.2015, 14:44 Uhr

Düsseldorf/Bielefeld. In Nordrhein-Westfalen fehlt preiswerter Wohnraum. Mehr als die Hälfte der rund 100.000 wohnungssuchenden Haushalte konnte 2013 keine Sozialwohnung finden. Zuletzt hat die Zahl der geförderten Wohnungen abgenommen. Diesen Trend gibt es auch in Ostwestfalen-Lippe; Ausnahme ist Bielefeld. Landesweit sind nach Angaben des nordrhein-westfälischen Wohn- und Bauministers Michael Groschek (SPD) im abgelaufenen Jahr mehr als 6.700 Wohneinheiten mit einem Fördervolumen von rund 523 Millionen Euro entstanden. 2013 standen noch über 7.210 Wohneinheiten mit einem Umfang von 502 Millionen Euro zu Buche. Die historische Niedrigzinsphase habe sich wie eine Bremse ausgewirkt und zu einem schwächeren Zuwachs geführt als erhofft. Auf dem Gebiet der Mietwohnungen sieht der Minister hingegen eine Trendwende. In der Stadt Bielefeld wurden 2014 im Rahmen der Wohnungsbauförderung 266 Wohneinheiten bewilligt. Das Fördervolumen liegt bei 25 Millionen Euro, ein Plus von bis zu 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Wir haben verstärkt Anfragen von Investoren", sagt Jens Hagedorn, Wohnungsmarktbeobachter beim Bauamt Bielefeld. Die Stadt Bielefeld übertraf mit dem Ergebnis den vom Land ermittelten Förderbedarf um fast das Doppelte (s. Infokasten). Insgesamt jedoch fehlt es überall an bezahlbarem Wohnraum. Denn: "Da das Zinsniveau am allgemeinen Kapitalmarkt nach wie vor historisch niedrig ist, entscheiden sich viele Investoren für freifinanzierte Bauvorhaben", so Hagedorn. Diese liegen dann im oberen Mietpreissegment oder werden als Eigentumsobjekte errichtet. Als weiteren Grund für die schleppende Entwicklung innerhalb des sozialen Wohnungsbaus führte Groschek einen Mangel an bebaubaren Grundstücken an. Zudem formierten sich zunehmend Bürgerproteste. "Da müssen wir mehr Verständnis wecken", sagte Groschek. "Die Städte sind dabei, immer neue Wohngebiete auszuweisen. Pfiffiger wäre es, ein Baulückenkataster aufzustellen", mahnt Jürgen Upmeyer, Geschäftsführer von Haus und Grund OWL. Der soziale Wohnungsbau leidet nach den Worten des Ministers "unter einem Image, das ihm nicht gerecht wird". Gerade die neuen Sozialwohnungen hätten einen qualitativen Standard erreicht, der "problemlos mit Wohnungen auf dem freifinanzierten Markt mithalten kann". In NRW habe rund die Hälfte aller Haushalte Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein. Berechtigt sind Singles ab einem Jahres-Bruttoeinkommen von 18.010 Euro und Rentner ab 20.112 Euro Jahresbrutto. Ein Erwerbsloser hat ab 18.209 Euro Jahresbrutto Anspruch. SPD und Grüne seien 2010 mit dem Anspruch angetreten, mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen zu wollen, sagte der baupolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Wilhelm Hausmann. Erreicht habe die Koalition das Gegenteil. "Rot-Grün hat den Wohnungsmarkt mit einer Vorschriftenschwemme überflutet und mit der zweimaligen Erhöhung der Grunderwerbsteuer den Bau von bezahlbarem Wohnraum gebremst."

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