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Bielefeld/Berlin OWL-Abgeordnete sind seit einem Jahr in Berlin

Die sechs Politiker haben ihren Platz im Bundestag gefunden und erste Akzente gesetzt

Alexandra Jacobson
14.01.2015 | Stand 14.01.2015, 15:45 Uhr

Bielefeld/Berlin. Sechs Politiker aus Ostwestfalen-Lippe sind 2013 erstmals in den Bundestag gewählt worden. Politische Neulinge sind sie aber alle nicht. Achim Post war Generalsekretär der Sozialdemokratischen Partei Europas. Christian Haase war Bürgermeister von Beverungen. Burkhard Blienert war als Referent für Schule und Wissenschaft bei der SPD-Landtagsfraktion in Düsseldorf beschäftigt. Der in Südkasachstan geborene Heinrich Zertik engagiert sich im nordrhein-westfälischen Landesbeirat für Vertriebene, Flüchtlinge und Spätaussiedler. Christina Kampmann hat Erfahrungen als Stadtverbandsvorsitzende in Brackwede gesammelt, Tim Ostermann als CDU-Fraktionschef im Rat der Stadt Löhne. Alle sechs ziehen nach dem ersten Jahr Berlin eine positive Bilanz, wenn auch aus ganz unterschiedlichen Gründen. Über ihre Eindrücke und Aktivitäten sprach mit ihnen Alexandra Jacobson. Mit einem Klick auf das jeweilige Foto erfahren Sie mehr über die Kandidaten.Achim Post, Minden (55, SPD)   Christian Haase, Höxter (48, CDU)   Christina Kampmann, Bielefeld (34, SPD)   Heinrich Zertik (57, CDU)   Burkhard Blienert, Paderborn (48, SPD)   Tim Ostermann, Kreis Herford (35, CDU) Achim Post, Minden (55, SPD) Was war für Sie die größte positive Überraschung im ersten Jahr, und welche Enttäuschung mussten Sie verkraften? Die größte positive Überraschung im ersten Jahr war für mich die zügige Umsetzung vieler Kernforderungen meiner Partei, zum Beispiel beim Mindestlohn und beim Rentenpaket. An Enttäuschungen kann ich mich jedenfalls nicht erinnern. Was ist Ihr Arbeitsschwerpunkt im Bundestag, in welchen Ausschüssen sind Sie? Ich bin Mitglied im Auswärtigen Ausschuss und im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur. Ein besonderer Schwerpunkt sind für mich die Interessen Nordrhein-Westfalens und hier insbesondere unserer heimischen Region. Haben Sie schon eine Rede gehalten, und wenn ja, zu welchem Thema? Im Plenum des Deutschen Bundestages habe ich zu den Themen Bürgerkriegsflüchtlinge sowie Auslandseinsätze der Bundeswehr geredet. Was sollte die Große Koalition in dieser Wahlperiode auf jeden Fall noch erledigen? Die Große Koalition sollte noch mehr für unsere Städte und Gemeinden tun, und sie sollte in der Außen- und Sicherheitspolitik weiter auf Frieden, Abrüstung und Zusammenarbeit setzen. Was halten Sie von der Anti-Islam-Bewegung Pegida? Gar nichts! Wie kommt Ihre Familie damit klar, dass Sie während der Sitzungswochen in Berlin sind? Meine Familie weiß seit vielen Jahren, wie der Arbeitsalltag eines Politikers aussieht.Christian Haase, Höxter (48, CDU) Was war für Sie die größte positive Überraschung im ersten Jahr, und welche Enttäuschung mussten Sie verkraften? Die Möglichkeit vieler guter und offener Gespräche auch mit langgedienten Kolleginnen und Kollegen sowie mit Ministerinnen und Ministern war für mich eine positive Überraschung. Von Enttäuschungen bin ich verschont geblieben. Was ist Ihr Arbeitsschwerpunkt im Bundestag, in welchen Ausschüssen sind Sie? Ich bin im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, Bauen und Reaktorsicherheit. Arbeitsschwerpunkt sind darüber hinaus alle kommunalen Fragen, Herausforderungen aus dem Wahlkreis wie der Suedlink und die Energie- und Klimapolitik. Haben Sie schon eine Rede gehalten, und wenn ja, zu welchem Thema? Ich bin in meinem Ausschuss auch für den Haushalt zuständig, so dass ich bei den Haushaltsberatungen reden konnte. Darüber hinaus habe ich zur Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken gesprochen. Was sollte die Große Koalition in dieser Wahlperiode auf jeden Fall noch erledigen? Wichtig sind Steuererleichterungen für die Mittelschicht durch Abbau der kalten Progression. Abbau von Bürokratie von der Pflege bis zu den Unternehmen. 2. Stufe der Pflegereform. Was halten Sie von der Anti-Islam-Bewegung Pegida? Die falsche Gesinnung der Organisatoren muss deutlicher werden. Wir müssen die Politik- und Medienverdrossenheit vieler Menschen ernster nehmen. Wir müssen eine Wertediskussion führen, die klar macht, dass Zuwanderung wertvoll ist. Wir brauchen ein Einwanderungsgesetz, das Möglichkeiten, aber auch Grenzen aufzeigt. Wie kommt Ihre Familie damit klar, dass Sie während der Sitzungswochen in Berlin sind? Ich würde mir wünschen, dass wir uns häufiger sehen könnten. Aber auch der jetzige Rhythmus übt sich ein. Man freut sich am Freitag besonders darauf, nach Hause zu kommen.Christina Kampmann, Bielefeld (34, SPD) Was war für Sie die größte positive Überraschung im ersten Jahr, und welche Enttäuschung mussten Sie verkraften? Konkret hat sich die persönliche Situation vieler Menschen verbessert. Dass dieses schon im ersten Jahr erreicht wurde, hat mich sehr gefreut. Ich denke an den Mindestlohn oder an Verbesserungen in der Pflege. Es ist gut, wenn der Mensch im Mittelpunkt der Politik steht. Ich bin enttäuscht, wenn Eigensinn und Egoismus vor Solidarität stehen. Was ist Ihr Arbeitsschwerpunkt im Bundestag, in welchen Ausschüssen sind Sie? Ich kümmere mich um die Netzpolitik, hier insbesondere um das Thema digitaler Staat, um Flüchtlingspolitik sowie um das Freihandelsabkommen (TTIP) mit den USA. Dazu bin ich Mitglied im Innenausschuss sowie dem in dieser Legislatur erstmalig eingesetzten Ausschuss für digitale Agenda. Haben Sie schon eine Rede gehalten, und wenn ja, zu welchem Thema? Bis jetzt habe ich sieben Reden gehalten, zu den Themen Flüchtlingspolitik, Vorratsdatenspeicherung, Abschaffung der Optionspflicht und zur digitalen Agenda der Bundesregierung. Sie sind natürlich auch im Internet abrufbar. Was sollte die Große Koalition in dieser Wahlperiode auf jeden Fall noch erledigen? Besonders am Herzen liegt mir, dass wir die Weichen für ein digitales Deutschland stellen. Grundlage des digitalen Wandels ist die Infrastruktur der Zukunft. Dazu brauchen wir moderne, intelligente und leistungsstarke Netze. Deutschland liegt im europäischen Vergleich mit einer Glasfaserquote von einem Prozent an letzter Stelle. Was halten Sie von der Anti-Islam-Bewegung Pegida? Gar nichts. Pegida ist eine Schande für Deutschland, wie Justizminister Heiko Maas es formulierte. Auch international rücken uns solche Demonstrationen in ein negatives Licht. Gleichzeitig darf man auch nicht alle Demonstranten als Nazis abstempeln, aber wir können von ihnen erwarten, dass sie sich deutlich von deren Zielen abgrenzen. Wie kommt Ihre Familie damit klar, dass Sie während der Sitzungswochen in Berlin sind? Berlin ist nur mein Arbeitsort – Zuhause ist Bielefeld! Meine Eltern sehe ich so oft wie vorher auch. Es macht ja keinen großen Unterschied, wo man arbeitet. Schwieriger ist es für Freunde, die manchmal nicht wissen, wo man steckt, und einen spontan auf einen Kaffee treffen wollen. Aber der Weg nach Berlin ist von Bielefeld aus ja nicht weit.Heinrich Zertik, Kreis Lippe (57, CDU) Was war für Sie die größte positive Überraschung im ersten Jahr, und welche Enttäuschung mussten Sie verkraften? Ich setze mich für eine institutionelle Förderung des Museums für russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold ein. Der CDU-Kreisverband Lippe hat auf meine Initiative hin einen Prüfantrag an die Bundestagsfraktion auf dem CDU-Bundesparteitag zur Förderung des Museums gestellt. Dieser Antrag wurde einstimmig beschlossen. Was ist Ihr Arbeitsschwerpunkt im Bundestag, in welchen Ausschüssen sind Sie? Ich bin ordentliches Mitglied im Innenausschuss und dort zuständig für die deutschen Minderheiten im Ausland. Wir konnten eine Erhöhung des Haushaltes erreichen, auch für die Integration von Flüchtlingen – darüber habe ich mich sehr gefreut. Zusätzlich bin ich im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe. Haben Sie schon eine Rede gehalten, und wenn ja, zu welchem Thema? Ich habe zum Staatsangehörigkeitsrecht geredet. Jeder, der sich in Deutschland mit den Werten in diesem Land identifiziert, der die Sprache spricht und für seinen Lebensunterhalt sorgt, kann eingebürgert werden und einen deutschen Pass erhalten. Mit dieser Staatsangehörigkeit sind Rechte und Pflichten verbunden. Was sollte die Große Koalition in dieser Wahlperiode auf jeden Fall noch erledigen? Mit dem ausgeglichenen Haushalt ist die Bundesregierung auf einem guten Weg zur Generationengerechtigkeit. Hier müssen wir am Ball bleiben. Große Herausforderungen sind die Krisen von der Ukraine über den Nahen Osten bis hin zu Ebola. Inhaltlich begleite ich diese Themen im Innenausschuss und im Ausschuss für Menschenrechte. Was halten Sie von der Anti-Islam-Bewegung Pegida? Das ist eine schwierige Situation. Generell muss man den Bürgerinnen und Bürgern ihre Ängste nehmen und reflektieren, warum die Menschen dort auf die Straße gehen. Wer sich aber auf das christliche Abendland beruft, sollte Werte wie Liebe, Glaube, Hoffnung und Barmherzigkeit pflegen und beherzigen. Wie kommt Ihre Familie damit klar, dass Sie während der Sitzungswochen in Berlin sind? Meine Familie unterstützt mich und hält mir den Rücken frei. Meine Frau war auch schon mehrmals in Berlin, und meine Tochter besuchte mich auch schon dort.Burkhard Blienert, Paderborn (48, SPD) Was war für Sie die größte positive Überraschung im ersten Jahr, und welche Enttäuschung mussten Sie verkraften? Für viele Menschen hat sich ihre konkrete Situation verbessert. Man denke nur an den Mindestlohn. Auch die Verbesserungen in der Pflegeversicherung kommen den Menschen direkt zugute. Enttäuschungen sind mir bisher erspart geblieben. Was ist Ihr Arbeitsschwerpunkt im Bundestag, in welchen Ausschüssen sind Sie? Ich bin Mitglied im Gesundheitsausschuss sowie im Ausschuss für Kultur und Medien. Als filmpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion liegt mein Schwerpunkt im Bereich Kino und Filmförderung. Im Gesundheitsausschuss bin ich zuständig für den Bereich der Drogen- und Suchtpolitik sowie für Haushaltsfragen. Haben Sie schon eine Rede gehalten, und wenn ja, zu welchem Thema? Acht Reden habe ich gehalten...

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