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Martin Mauntel, Hartmut Geil, Kerstin Terhardt, Thomas Kuller, Iris Ober, Georg Schulze, Juliane Brauckmann, Ulrich Kraft, Christian Bröker und Christina Peterhanwahr (von links). - © FOTO: ANDREAS ZOBE
Martin Mauntel, Hartmut Geil, Kerstin Terhardt, Thomas Kuller, Iris Ober, Georg Schulze, Juliane Brauckmann, Ulrich Kraft, Christian Bröker und Christina Peterhanwahr (von links). | © FOTO: ANDREAS ZOBE

Bielefeld Anwälte der Verbraucher

25 Jahre Kanzlei Kraft, Geil und Kollegen

Arno Ley
29.12.2014 | Stand 28.12.2014, 20:27 Uhr

Bielefeld. Für die etablierten Kanzleien waren sie damals Fremde. Und dann auch noch mit einem politischen Anspruch. Vor 25 Jahren öffneten die Rechtsanwälte Kraft, Geil und Kollegen, wie sie heute heißen, ihr Büro an der Brandenburger Straße. Seit Ende der 1990er Jahre sind sie in der ehemaligen Broelemann-Fabrik an der Falkstraße ansässig. Mit Ulrich Kraft, Hartmut Geil und Georg Schulze sind noch drei Gründer im Unternehmen. Wilfried Ewers und Angelika Prieß verließen es ebenso wie Uwe Günther, der als Geschäftsführer der Grünen im Bundestag tätig wurde, und deren West-Fraktion abwickeln musste, nachdem die 1990 an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert war. Später wurde er Staatssekretär im hessischen Umweltministerium, kam danach mit Michael Vesper in die nordrhein-westfälische Landesverwaltung. Die übrigen drei, Kraft, ein gebürtiger Badenser, Geil aus dem Württembergischen und Schulze aus dem Ruhrgebiet, blieben in Bielefeld. "Unsere Frauen hatten hier eine gesicherte Stellung im Schuldienst", erklärt Kraft mit einem Lächeln. Er und Hartmut Geil ebenso waren zeitweilig Ratsherren der Grünen. Mit Iris Ober, die neben Juliane Brauckmann und Thomas Kuller zu den drei neuen Gesellschaftern gehört, ist auch aktuell ein Mitglied der Sozietät bei den Grünen im Stadtrat tätig. Ehrenamtliches gesellschaftliches Engagement gehört weiterhin zu den Kennzeichen der Kanzleimitarbeiter: Mitgliedschaften in Vorständen des Paritätischen, von Pro Familia und der Straffälligenhilfe Kreis 74 sowie in den Berufsvereinigungen beispielsweise. Am Markt sind sie inzwischen eine bekannte Größe. Dazu haben auch die Beteiligung als Strafverteidiger an Großverfahren wie dem Balsam- und dem Schieder-Möbel-Prozess beigetragen. Zu einem Schwerpunkt der Tätigkeit hat sich in den vergangenen Jahren die Vertretung von Verbraucherrechten entwickelt. Die Kanzlei arbeitet eng mit der Verbraucherberatung zusammen, hat Spezialisten für Kapitalmarktrecht. "Wir vertreten viele Leute, die von Banken abgezockt wurden", sagt Kraft. Da geht es um Schrottimmobilien, undurchsichtige Verträge, falsche Anlagen und zweifelhafte Finanzierungen. "Als wir gemerkt haben, dass viele Mandanten aus der Gegend um Schloß Holte-Stukenbrock zu uns kommen, haben wir dort eine Zweigstelle aufgemacht", sagt Kraft. Er listet die Qualifikationen der gegenwärtig zwölf Juristen in der Kanzlei auf: "Wir haben fünf Fachanwälte, beziehungsweise Fachanwältinnen für Strafrecht, zwei für Familienrecht, zwei für Arbeitsrecht, zwei für Bank- und Kapitalmarktrecht sowie einen für Medizinrecht, der vor allem Patienten vertritt." Ein Unterschied zu den traditionellen Großkanzleien in Bielefeld fällt beim Blick auf das Firmenschild auf. Es fehlt das Landeswappen. "Wir haben keinen Notar", bestätigt Kraft. Uwe Günther war Notar. Mit seinem Ausscheiden verschwand das amtliche Symbol. "Ein Notariat ist besonders profitabel, wenn man für größere Unternehmen tätig ist", erklärt Kraft. Diese Kontakte fehlten ihnen. "Wir kamen schließlich als Fremde." Daran erinnert nach 25 Jahren allerdings nur noch der unüberhörbare Akzent der älteren Gründer.

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