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Debüt-Konzert des neuen Chorleiters: Sebastian Grünberg begrüßt das Publikum zu seinem ersten Konzert mit dem Studiochor. - © FOTO: VIOTTO
Debüt-Konzert des neuen Chorleiters: Sebastian Grünberg begrüßt das Publikum zu seinem ersten Konzert mit dem Studiochor. | © FOTO: VIOTTO

Bielefeld Europäische Weihnacht

Adventskonzert des Studiochor Bielefeld in der Johanniskirche

VON CLAUDIA VIOTTO
16.12.2014 | Stand 16.12.2014, 13:21 Uhr

Bielefeld. Am dritten Advent gab Sebastian Grünberg als neuer Dirigent des Studiochor Bielefeld sein Debüt-Konzert in der Johanniskirche. Unter seiner Leitung führten die Chorsängerinnen und -sänger, unterstützt von fünf Gesangssolisten und begleitet von der Helios-Kammerphilharmonie sowie zwei Instrumentalsolisten, das Weihnachtsoratorium von Camille Saint-Saëns auf. Zuvor aber unternahmen die Aufführenden einen musikalischen Streifzug durch die Weihnachtstraditionen verschiedener Länder Europas.

Feierlich heben die rund 90 Mitglieder des Studiochor Bielefeld mit einem von Benjamin Britten komponierten Weihnachtslied zu einem schwungvollen vierstimmigen Gesang an. Etwas fremd, aber sogleich anziehend wirkt ein volksliedhaftes, finnisches Weihnachtslied von Jean Sibelius - das hört man hierzulande nur selten. In der Auswahl dieses und des schwedischen Weihnachtslieds "Jul, jul, strålande jul" schlägt sich nieder, dass Grünberg unter anderem auch Chorleitung an der Sibelius-Akademie in Helsinki studierte. Nun bildet er mit den Sängerinnen und Sängern des Studiochores, die er seit Sommer leitet, ein gut eingespieltes Team. Grünberg entlockt den Kehlen der Frauen und Männer einen dichten, abgerundeten Chorgesang. Tempo und Lautstärke werden fein dosiert. Soprane und Altstimmen überwiegen allerdings; der Gesamtklang würde von mehr Männerstimmen profitieren.

In einer Arie von Marcel Grandjany präsentieren Harfenistin Ulrike Heydt und Organist Matthias Heßbrüggen ein träumerisch-besinnliches Instrumentalstück. Dem typisch kirchlichen Klang der Truhenorgel kontrastiert die Harfe mit voluminösen weltlicheren Tönen. Grandjany, der in die USA auswanderte, hat hier amerikanische Musik einfließen lassen. Nach zwei altfranzösischen Titeln schließt der Chor mit dem bekannten "Hört, der Engel helle Lieder".

Das etwa halbstündige Weihnachtsoratorium hat Camille Saint-Saëns als junger Organist zu seinem Amtsantritt in der Kirche La Madeleine in Paris innerhalb von acht Tagen im Dezember 1858 komponiert. Nach einem pastoralen Vorspiel von der Truhenorgel und den Streichern der Helios-Kammerphilharmonie sind die Gesangssolisten zu hören. Abwechselnd erzählen sie in Rezitativen die Weihnachtsgeschichte nach Lukas, jeweils nur von der Orgel begleitet, so dass man ihre schönen Stimmen fast pur hört: im Tenor Martin Leipoldt, im Alt Ursula Daues, im Sopran Corinna Kuhnen und im Bass-Bariton Christian Hinz.

Auf die Verkündigung der Geburt setzt der Chor mit einem "Gloria" ein und hat dabei mehr Fülle und Ausdruckskraft als in der ersten Konzerthälfte. Vielleicht ist er durch die Leistungen der Solisten angespornt? Die tragen nun Gesangsnummern auf Psalmen vor: brillant Melanie Forgerons (Mezzosopran) Vortrag der Arie "Expectans, expectavi Dominum" sowie das von der Harfe begleitete Trio "Tecum principium" von Tenor, Sopran und Bariton, in dem insbesondere Corinna Kuhnen durch ihre durchdringende, auch in den Höhen so kraftvolle Stimme glänzt. Mit einem hymnischen, choralartigen "Halleluja" schließt das Werk ab. Nach viel Applaus in der fast ausverkauften Kirche spielt Ulrike Heydt an der Harfe als Zugabe Variationen auf "Stille Nacht, heilige Nacht".

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