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Bielefeld Stadtgang im Namen der Abraham-Religionen

Christen, Juden und Muslime besuchen Synagoge, Kirche und Moschee / Trialogischer Arbeitskreis will zum Frieden beitragen

27.10.2014 | Aktualisiert vor 0 Minuten
(v. l.) Morad Bouras, Sami Elias, Hoda Elias, Susanne Böger-Tillmann, Hans-Christoph Matuschek und Stephan Probst in der Synagoge an der Detmolder Straße. - © FOTO: ANDREAS FRÜCHT
(v. l.) Morad Bouras, Sami Elias, Hoda Elias, Susanne Böger-Tillmann, Hans-Christoph Matuschek und Stephan Probst in der Synagoge an der Detmolder Straße. | © FOTO: ANDREAS FRÜCHT

Bielefeld (mönt). Die erste Station ist die Synagoge Beit Tikwa an der Detmolder Straße. Und sie zeigt gleich, dass Frieden noch nicht in allen Köpfen angekommen ist. Die Synagoge muss geschützt werden. Das jüdische Haus, einst evangelische Kirche, kann nicht auf einen bewachten Eingang verzichten – aus Sicherheitsgründen. Knapp 60 Bielefelder passieren am Sonntagnachmittag die Einlassschleuse und erfahren drinnen etwas über die Symbolik und Tradition im Judentum. Anschließend führt der Stadtgang zur Altstädter Nicolaikirche und zur Moschee an der Ernst-Rein-Straße.

Eingeladen hat der Trialogische Arbeitskreis. Der besteht seit 1997, damals gestartet noch als Dialogkreis. Seitdem die Jüdische Gemeinde in Bielefeld gewachsen ist und ein repräsentatives Gotteshaus hat, ist es ein Trialog der Religionen geworden, die sich gemeinsam auf Abraham als Stammvater beziehen.

"Wir wollen die drei Religionen im Gespräch halten und die Bevölkerung in diesen Prozess miteinbeziehen", erklärt Hans-Christoph Matuschek. Er gehört als Christ diesem Kreis an, der aus bis zu 15 Personen aller drei abrahamitischen Religionen besteht und sich etwa alle drei Monate für den Austausch trifft. Für 2016 bereitet der Kreis das vierte Abrahamsfest in Bielefeld vor. Veranstaltungen wie der Stadtgang sollen zwischen den Abrahamsfesten ein Kennenlernangebot der Religionen an die Bielefelder sein. In der Synagoge übernahm Stephan Probst aus dem Vorstand der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld die Aufgabe, die Insignien des Judentums zu erklären. Probst öffnete für die Besucher den Thoraschrein, in dem sich vier Thorarollen befinden, das Heiligste, was es im Judentum gibt. Die Synagoge selbst jedoch, so Probst, verstehen Juden weniger als Gotteshaus, "sondern eher als Versammlungsgebäude". Dort werden neben Gottesdiensten auch Feste gefeiert. Den knapp 300 Mitgliedern der Gemeinde in Bielefeld steht dafür eine Küche im Untergeschoss zur Verfügung – denn die Speisevorschriften sind – ähnlich wie im Islam – im Judentum mitunter streng und umfangreich.

Ähnlichkeiten zum Islam und zum Christentum gibt es durchaus, unter anderem, dass es zahlreiche Strömungen innerhalb der Religionen gibt, die sich voneinander in den Auslegungen unterscheiden. Die jüdische Gemeinde Bielefeld zählt zur liberalen Ausprägung.